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Gesundheit

Abnehmen

Was bringen Light-Produkte?

"Ohne Zuckerzusatz" oder "Fettreduziert" - von fast allen Lebensmitteln existiert eine Light-Ausgabe. Aber sind die Alternativprodukte auch sinnvoll?

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"Zuckerfrei" ist nicht gleich zuckerfrei: Ein als "zuckerfrei" beworbenes Produkt darf bis zu 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten

Mittwoch, 04.09.2019   12:17 Uhr

"Light", "fettarm", "Balance" oder "weniger süß": Mit solchen und ähnlichen Begriffen versucht die Lebensmittelindustrie, Figurbewusste zu locken. Schlemmen ohne Reue, das ist das Versprechen. Doch ganz so einfach ist es nicht.

"Es fängt schon damit an, dass manche Begrifflichkeiten überhaupt nicht geschützt sind", sagt Ernährungsmediziner Thomas Ellrott, der das Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen leitet.

In bestimmten Fällen kann der Verzehr von Light-Produkten aus Ellrotts Sicht zwar Sinn machen. Vor allem fettreduzierte Produkte könnten beim Abnehmen helfen, da sie weniger Kalorien und oft mehr Proteine als das Normalprodukt enthielten, sagt der Ernährungsmediziner.

Daneben können die Produkte Käufer aber auch dazu verleiten, mehr oder häufiger zu essen - denn es ist ja "light". "Wer seine Ernährung langfristig umstellen möchte, dem helfen Light-Produkte wenig", sagt Yvonne Knips von der Verbraucherzentrale NRW.

Rosinen: Voller Zucker, aber "ohne Zuckerzusatz"

Hinzu kommt, dass Bezeichnungen wie "zuckerreduziert" oft nicht ausreichen, um kalorienarme Produkte zu erkennen. Zuckerreduzierte Kekse etwa enthalten anstelle von Zucker meist mehr Stärke oder Fett, die ebenso viele oder sogar mehr Kalorien liefern. "Sie können eine echte Kalorienfalle sein", warnt Ellrott.

In Müslis "ohne Zuckerzusatz" hingegen stecken häufig Rosinen, um für einen süßen Geschmack zu sorgen. Das Trockenobst besteht jedoch zu rund 60 Prozent aus Zucker, Kalorien lassen sich so im Zweifel nicht sparen. "In jedem Fall lohnt ein Blick auf die Nährwertangaben", sagt Knips.

Außerdem kann es helfen, zu wissen, was sich hinter den Light-Kennzeichnungen verbirgt - denn nicht immer halten die Begriffe, was sich Verbraucher darunter vorstellen:

"Balance": Der Begriff vermittelt den Eindruck, dass das Lebensmittel etwa fett- oder kalorienreduziert ist. Tatsächlich jedoch ist die Angabe nicht rechtlich geregelt. Hersteller können sie auf die Packungen drucken, ohne irgendeine Vorgabe zu erfüllen.

"Fettarm": Dieser Begriff ist nur zulässig, wenn ein Produkt weniger als 3 Gramm Fett pro 100 Gramm oder weniger als 1,5 Gramm Fett je 100 Milliliter enthält. Ab einer Grenze von 0,5 Gramm Fett pro 100 Gramm oder Milliliter gelten Lebensmittel als "fettfrei" oder "ohne Fett".

"Leicht" oder "light": Hier muss der Energie- oder Fettgehalt im Vergleich zum Normalprodukt um 30 Prozent reduziert sein. Außerdem muss ein Hinweis benennen, was das Lebensmittel "leicht" macht - zum Beispiel "30 Prozent weniger Fett".

"Zuckerarm": Diese Bezeichnung trifft zu, wenn ein Lebensmittel nicht mehr als 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder nicht mehr als 2,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält. Ab 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder 100 Milliliter dürfen Lebensmittel als "zuckerfrei" gekennzeichnet werden.

"Ohne Zuckerzusatz": Diese Angabe setzt voraus, dass den Lebensmitteln kein Zucker zugesetzt wurde. Enthält eine Zutat von Natur aus Zucker, etwa Früchte, muss dies auf dem Etikett vermerkt sein.

"Weniger süß": Hierbei handelt es sich lediglich um eine Geschmacksbeschreibung. "Sie ist keine Garantie dafür, dass das Lebensmittel weniger Zucker enthält als vergleichbare Produkte", sagt Knips. Möglich ist zum Beispiel auch, dass das Produkt nur eine weniger süß schmeckende Zuckerart beinhaltet, etwa Traubenzucker statt Fruchtzucker.

Alternative zu Light-Produkten: Gefühl für den eigenen Körper

Allen, die abnehmen möchten, raten Experten dazu, am besten das eigene Maß zu finden - mit normalen Lebensmitteln. Oft reicht es schon aus, nur zu essen, wenn man wirklich Hunger hat. "Auf den Speiseplan gehören frische Zutaten wie Obst, Gemüse, Salat, Joghurt und Quark", erklärt Ellrott.

Daneben kommt es jedoch auch auf die individuellen Vorlieben an. "Wenn mir einer meiner Klienten mitteilt, dass er sehr wenige süße Lebensmittel isst, aber auf ein kleines Glas Cola am Tag nicht verzichten möchte, dann ist das in Ordnung", sagt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED).

Der übergewichtige Klient jedoch, der allabendlich einen Liter gezuckerte Cola trinke, sollte überlegen, zu einem anderen Getränk zu wechseln. Die Light-Variante ist dabei übrigens nicht die beste Alternative. Sie hilft zwar, Zucker zu sparen. Aber: Die Stoffe, die den Zucker ersetzen, gewöhnen an Süße. "Der Appetit auf Süßes wird also wieder angeregt", sagt Knips.

irb/dpa, von Sabine Meuter

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