Schrift:
Ansicht Home:
Gesundheit

Rückenschmerzen

Wenn's im Kreuz zieht

Kreuzschmerzen schränken die Beweglichkeit stark ein. Zu viel Training, aber auch seelische Belastungen können die Ursache sein. Stabilisationsübungen helfen.

Getty Images

Läuferin (Symbolbild)

Von
Dienstag, 22.01.2019   09:40 Uhr

Maja, 36 Jahre, hat ihr Läuferknie auskuriert und steigt wieder ins Lauftraining ein. Ein paar Monate ohne Verletzungen vergehen, sie steigert ihr Trainingspensum. In einer Woche steht ihr nächster Halbmarathon an. Da zieht und schmerzt es auf einmal in ihrer linken Pobacke. "Ist das der Muskelkater von meinen Intervallläufen?", fragt sich Maja.

Doch am nächsten Tag gesellen sich starke Rückenschmerzen hinzu, die bis ins Bein ausstrahlen. Wie ein Messer, das sich in den unteren Rücken bohrt, zermürbend. Vom Sofa aufzustehen oder sich zu den Kindern hinunterzubeugen, ist ihr bald nicht mehr möglich. Maja macht sich Sorgen: "Bin ich gefallen und erinnere mich nicht? Ist das etwa ein Bandscheibenvorfall?"

Maja probiert es mit Schmerzmedikamenten, mit Wärme- und Kältetherapie. Aber der Schmerz will nicht so richtig verschwinden. "Im Kreuz setzen viele Muskeln an, die für die Beweglichkeit von Oberkörper und Beinen sehr wichtig sind", sagt Pouria Taheri, niedergelassener Orthopäde in Berlin. "Bei Kreuzschmerzen spielen unheimlich viele Aspekte zusammen, und die Schmerzen strahlen meist unspezifisch in den Rücken und die Beine aus." Ein Bandscheibenvorfall sei möglich, aber nicht die wahrscheinlichste Ursache. Daher ist eine ausführliche klinische Untersuchung wichtig in Verbindung mit einem aktuellen MRT-Bild der Lendenwirbelsäule.

Woher stammt der Schmerz im Kreuz?

Eine wahrscheinliche Möglichkeit: eine Blockade im Iliosakralgelenk, kurz ISG. Das ISG ist der Übergang vom Kreuzbein zum Darmbein. "Dafür, dass es als Gelenk bezeichnet wird", sagt Taheri, "hat es sehr wenig Bewegungsspielraum." Das ist aber durchaus sinnvoll: Das Gelenk hält den Übergang von Lendenwirbelsäule ins Becken stabil, kräftige Bänder rund um das ISG leiten die Kraft vom Ober- in den Unterkörper weiter.

In der Region des ISG setzen viele Muskeln an, etwa die große Gesäßmuskulatur, die das Gelenk stabilisieren. "Aber wenn man viel und lange läuft, falsch hebt oder Übergewicht hat, kann es zu Überlastung, Spannung und einem muskulären Ungleichgewicht kommen", so Sportarzt Taheri. Das führt dann zu einer kleinen aber wesentlichen Fehlstellung des Gelenks. Daraus entsteht - schon durch alltägliche Bewegungen - ein entzündlicher Prozess rund um das Gelenk. Die Folge: Schmerzen im Kreuz.

Ein Sportarzt empfiehlt dann meist Physiotherapie. Durch manuelle Behandlungen versucht der Therapeut, die Mobilität und die ursprüngliche Gelenkstellung wiederherzustellen, damit Muskeltonus und Spannungszustand der kurzen Muskeln rund ums Kreuz wieder ins Gleichgewicht kommen. Das geht allerdings nicht mit einem Handgriff, sondern braucht Zeit. Unbedingt sollten Betroffene eine Laufpause einlegen, bis der Schmerz weg ist, sonst wird die Verletzung nur noch schlimmer.

Kreuzschmerz durch Stress

Auch seelische Belastungen können die Ursache für Kreuzschmerzen sein. "Es sind nicht immer nur physische Veränderungen, die sich im Kreuz bemerkbar machen", meint Taheri, "auch Stress am Arbeitsplatz, Streit mit der Familie und ganz allgemein emotionales Unbehagen können Auslöser sein." Der Sportarzt ist davon überzeugt, dass oft schon ein stressärmerer Lebensstil und weniger Druck die Schmerzen verändern können.

Der Lebensstil des durchschnittlichen Deutschen - viel Sitzen, am Computer arbeiten und mit gekrümmten Rücken aufs Handy starren - ist allerdings von zu wenig Bewegung geprägt. Auch das kann Schmerzen im Kreuz auslösen. "Wir spannen unsere Muskulatur über den Tag zu wenig an und entlasten das Skelett nicht", sagt Taheri.

Dehnübungen und Muskeln aufbauen

Wo auch immer die Schmerzen im Kreuz herkommen: Die Muskeln zu mobilisieren und zu dehnen, vor allem die Gesäß- und Rückenmuskulatur zur kräftigen, etwa mit körperstabilisierenden Übungen, ist das A und O.

Wenn die Schmerzen schon da sind, helfen verschiedene Dehnübungen für den Rücken. Zum Beispiel im Stand den Oberkörper nach vorne beugen und versuchen, mit den Händen den Boden zu berühren, die Beine bleiben gestreckt. Zur Vorbeugung, damit die Kreuzschmerzen nicht so schnell wiederkommen: Planks mit Bewegung (z.B. Knie zum Ellenbogen ziehen) und andere Stabilisierungsübungen in den Trainingsplan einbauen.

insgesamt 6 Beiträge
barlog 22.01.2019
1.
Ein paar Handgriffe helfen manchmal schon. Mir hat ein geschickter Physiotherapeut das seit etlichen Wochen arg verspannte ISG mit einigen sanft rüttelnden Bewegungen wieder in die richtige Position gebracht. Danach halfen [...]
Ein paar Handgriffe helfen manchmal schon. Mir hat ein geschickter Physiotherapeut das seit etlichen Wochen arg verspannte ISG mit einigen sanft rüttelnden Bewegungen wieder in die richtige Position gebracht. Danach halfen besonders gesäßmuskelbeanspruchende Übungen (Kniebeuge!) weiter. Dehnungen haben bei mir im Gegensatz zu Kräftigungsübungen, die das Spannungsgleichgewicht der Rumpfmuskulatur fördern, noch nie irgend etwas bewirkt.
vinzenz 22.01.2019
2. Isg
oder Piriformisprobleme.. grad bei starkem Steigern des Laufpensums kann es zum Piriformis - Syndrom kommen : Symptomatik sehr ähnlich einem Bandscheibenvorvall (incl Parästhesie etc)..
oder Piriformisprobleme.. grad bei starkem Steigern des Laufpensums kann es zum Piriformis - Syndrom kommen : Symptomatik sehr ähnlich einem Bandscheibenvorvall (incl Parästhesie etc)..
Frank_G 22.01.2019
3. Ich habe seit vielen Jahren...
Ich habe seit vielen Jahren nur unspezifisch diagnostizierte Rückenschmerzen, die wie ein überstarker Muskelkater in beide Beine ziehen, beim linken etwas weniger stark ("gutes Bein" ;-)) als beim rechten [...]
Ich habe seit vielen Jahren nur unspezifisch diagnostizierte Rückenschmerzen, die wie ein überstarker Muskelkater in beide Beine ziehen, beim linken etwas weniger stark ("gutes Bein" ;-)) als beim rechten ("schlechtes Bein"). Dass es sich wie ein Bandscheibenvorfall *anfühlt* (obwohl ohne orthopädisches Korrelat) ist bei den Ärzten der unterschiedlichen Fachgebiete konsentiert; die Diagnosen reichen von "diabetischer Neuropathie" (obwohl ich mit 70 kg bei 180 cm "gertenschlank" bin und der letzte Langzeitzuckerwert - der sog. HbA1c-Wert - ohne Medikamente bei 5,7 lag), über allgemeine Neuropathie bei gleichzeitiger Diabetes (weil die Messungen der Nervenleitfähigkeit eher nicht in Richtung klassischer diabetischer Polyneuropathie weisen) bis hin zum FQAD-Syndrom, das bei einigen Patienten durch bestimmte Antibiotika ausgelöst werden kann (was aber labortechnisch nur schlecht bis gar nicht nachweisbar ist). Mögliche psychische Ursachen, klar, aber die Psychotherapeuten sind sich uneins, was da die Henne und was das Ei ist (die psychische Befindlichkeit hat die Schmerzen ausgelöst oder umgekehrt, die chronifizierten Schmerzen die seelischen Befindlichkeitsstörungen). Ich schreibe das jetzt nicht, um mich über meine eigenen höchstpersönlichen Schmerzen öffentlich zu beklagen, sondern nur um ein (verkürztes) Beispiel für die "Gemengelage" bei Schmerzen zu geben, wie sie im Artikel beschrieben wurden. Das ISG ist bislang in meinen Arztbriefen nie aufgetaucht, aber möglicherweise weil es sich keiner der Ärzte spezifisch angesehen hat. Dennoch könnte es Sinn machen, denn von übertriebenen Bewegungen oder gar Sport haben Ärzte wie Physiotherapeuten bislang einhellig abgeraten. Bindegewebsmassagen ja, Stabilisierungsübungen auch, unterschiedliche "Revolvergriffe" zur "Lösung von Blockaden" (letztere allerdings völlig erfolglos). So, jetzt kommt der eigentliche Grund für diesen Kommentar (vielleicht kann jemand aus der Redaktion noch etwas dazu sagen, oder ein/e Mitleser/in): "Panks mit Bewegungen" werden im Artikel angesprochen, aber wenn man danach googelt, findet man, dass sie - unter anderem - "besonders dynamisch" sind, gymnastische Übungen "effektiver machen" und insgesamt für "krasse Bauchmuskeln" sorgen sollen, also eher nichts, was jemand machen kann, dem eher der sportliche Schongang empfohlen wird (ja ausdrücklich auch im Artikel). Vielleicht könnte man da noch einen Link anfügen, welche Form der "Panks mit Bewegungen" gemeint sind, damit ich nicht eines Tages ein "perfektes Sixpack" ;-), aber weiterhin starke Schmerzen habe - ?
Änaleiser 22.01.2019
4. was bei Rückenschmerzen jeder Art hilft...
... ist richtig zu liegen! Denn der Rücken hat nur während der Nachtruhe eine Chance sich von den Belastungen des Tages zu erholen. Ich habe meine Rückenprobleme mit einem Mix aus Übungen/ Bewegung und der richtigen Matratze [...]
... ist richtig zu liegen! Denn der Rücken hat nur während der Nachtruhe eine Chance sich von den Belastungen des Tages zu erholen. Ich habe meine Rückenprobleme mit einem Mix aus Übungen/ Bewegung und der richtigen Matratze in den Griff bekommen - besser gesagt mit einem Luft-Schlafsystem (hatte ich zufällig von der Website des Deutschen Skoliose Netzwerkes erfahren), das konnte sozusagen im Schlaf meinen Rücken wieder herstellen, ganz ohne Ärzte, teure Physios oder gar Medikamente. Also mein Tipp: tags aktiv bewegen, nachts regenerieren mit gutem Bett. Investition in die Gesundheit lohnt sich an dieser Stelle. Gute Besserung allerseits, LG
Koerperbau 08.04.2019
5. Kräftigung und entspannung
Kräftigung und Entspannung müssen unter anderem beachtet werden, um Rückenschmerzen zu behandeln. Einige Tipps wie diese Übungen ausschauen können, findet ihr im verlinkten Video: https://bit.ly/2UtZf36
Kräftigung und Entspannung müssen unter anderem beachtet werden, um Rückenschmerzen zu behandeln. Einige Tipps wie diese Übungen ausschauen können, findet ihr im verlinkten Video: https://bit.ly/2UtZf36

Verwandte Themen

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP