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Gesundheit

Risikofaktoren für Sodbrennen

Kaffee, Knoblauch, Currywurst

Welche Speisen verursachen Sodbrennen und woran liegt das? Gastroenterologe Thomas Frieling erklärt, wie eine Ernährungsumstellung Aufstoßen und Schlimmeres verhindern kann.

Corbis

Bauchschmerzen und Sodbrennen: Fettes Essen vermeiden

Ein Interview von
Mittwoch, 17.12.2014   18:58 Uhr

Zur Person

Thomas Frieling ist Gastroenterologe, Professor und Ärztlicher Direktor am Klinikum Krefeld. Er ist im Beirat bei der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, Gründer der Stiftung Neurogastroenterologie und Vorstand der Gastroliga.
SPIEGEL ONLINE: Wie beeinflusst das Essen die Neigung zum Aufstoßen und für Sodbrennen?

Frieling: Große Mengen an Nahrung, Essen, das viele Ballaststoffe enthält - und vor allem fettreiche Speisen fördern Aufstoßen und Sodbrennen.

SPIEGEL ONLINE: Das sind ja sehr unterschiedliche Risikofaktoren...

Frieling: Ihnen ist gemeinsam, dass sie die Entleerung des Magens verlangsamen. Je länger Speisen im Magen sind, desto mehr Gas entsteht, das entweichen muss - als Aufstoßen. Dabei kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen, es entsteht Sodbrennen.

SPIEGEL ONLINE: Warum bewirken fette Speisen ein besonders starkes Aufstoßen und Sodbrennen?

Frieling: Wenn ein Mensch Fett isst, gibt es eine sehr sinnvolle Reaktion des Körpers. Sobald das erste Fett aus dem Magen in den Darm gelangt, gibt dieser über das Nervensystem ein Signal zurück an den Magen, seine Bewegungen zu verlangsamen. Dadurch bleibt die fette Nahrung länger im Magen, denn der Darm braucht für die Fettverdauung mehr Zeit als für andere Nahrungsbestandteile. Bei Menschen, die viel Fett essen, leert sich der Magen also langsamer - und derjenige wird anfälliger für Aufstoßen und Sodbrennen.

SPIEGEL ONLINE: Ballaststoffe gelten gemeinhin als gesund - warum fördern sie Sodbrennen?

Frieling: Erstens sind sie schwer verdaulich und bleiben lange im Magen. Zweitens sorgen sie dafür, dass Substanzen freigesetzt werden, die die Magenentleerung verzögern und die Speiseröhrenmuskulatur erschlaffen lassen. So kann Magensäure in die Speiseröhre gelangen. Das bedeutet aber nicht, dass es ungesund ist, Ballaststoffe zu essen. Aber, wenn man unter Sodbrennen und Aufstoßen leidet, können sie eine Ursache sein.

SPIEGEL ONLINE: Welche Risikofaktoren für Aufstoßen und Sodbrennen gibt es außerdem?

Frieling: Weitere Risikofaktoren für Aufstoßen sind Kaffee, scharfe Gewürze, scharf gebratene Speisen.

SPIEGEL ONLINE: Wie wirken Knoblauch und Alkohol?

Frieling: Beides kann zu einer Öffnung des Schließmuskels zwischen Magen und Speiseröhre führen, wodurch es zu vermehrtem Luftaufstoßen kommen kann. Aber auch das ist individuell sehr verschieden. Es gibt Patienten, die essen sehr viel Knoblauch und denen geht es gut - und andere, nehmen ein Milligramm zu sich und bekommen heftige Beschwerden. Warum wir so unterschiedlich reagieren, ist unbekannt.

SPIEGEL ONLINE: Was empfehlen Sie Menschen, die sehr unter Aufstoßen und Sodbrennen leiden?

Frieling: Wir lassen unsere Patienten ein Ernährungstagebuch führen. Auf der linken Seite wird notiert, was man isst, rechts davon, wie es einem danach ergangen ist. So kann man ermitteln, welche Nahrung bei einem Patienten Aufstoßen und Sodbrennen hervorruft. Auf dieser Grundlage kann man die Ernährung umstellen, meistens hilft es, statt einer großen mehrere kleinere Mahlzeiten einzunehmen, weniger Ballaststoffe und weniger Fett zu essen - kurz: gesundes mediterranes Essen zu sich zu nehmen. Das hilft vielen Patienten.

SPIEGEL ONLINE: Ist Sodbrennen einfach nur lästig oder sogar gefährlich?

Frieling: Sodbrennen ist lästig und in der Regel nicht gefährlich. Menschen, bei denen es sehr lang anhält oder sehr häufig auftritt, sollten aber ihren Hausarzt aufsuchen. Oft wird dann eine Magenspiegelung gemacht, um herauszufinden, ob das Sodbrennen durch die Refluxerkrankung, also den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre ausgelöst wird. Das ist die häufigste Ursache von Sodbrennen, aber es gibt aber auch andere Erkrankungen der Speiseröhre die solche Beschwerden verursachen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Folgen kann Sodbrennen im schlimmsten Fall haben?

Frieling: Im schlimmsten Fall kann die Magensäure in der Speiseröhre zu Entzündungen der Schleimhaut führen, Geschwüre und narbige Engen können entstehen. Dies verursacht Schluckbeschwerden, ein Alarmsignal, mit dem man unbedingt zum Arzt gehen sollte. Auch die Entwicklung eines "Barrett Ösophagus", das heißt, der Bildung von Magenschleimhaut in der Speiseröhre, wird durch den Reflux ausgelöst. Hieraus kann in seltenen Fällen ein Speiseröhrenkrebs entstehen.

insgesamt 3 Beiträge
berufskonsument 19.12.2014
1.
Kein Wort zum Streß und zu Depressionen? Sodbrennen ist doch DAS Symptom schlechthin für psychosomatische Erkrankungen. Wer ständig Sodbrennen hat und es nicht auf bestimmte Speisen einschränken kann, der sollte vielleicht [...]
Kein Wort zum Streß und zu Depressionen? Sodbrennen ist doch DAS Symptom schlechthin für psychosomatische Erkrankungen. Wer ständig Sodbrennen hat und es nicht auf bestimmte Speisen einschränken kann, der sollte vielleicht mal mit einem Verhaltenstherapeuten sprechen. Einfach hinnehmen und abwarten, bis man vielleicht Speiseröhrenkrebs bekommt, ist eine etwas seltsame Empfehlung.
schnittlauch_y 19.12.2014
2.
Diese Empfehlung kann ich auch im Text nirgends finden. Stattdessen rät man bei leichten Fällen zu einer Überprüfung der Essgewohnheiten (eine verhaltenstherapeutische Maßnahme) und bei schwereren Fällen, das ganze [...]
Zitat von berufskonsumentKein Wort zum Streß und zu Depressionen? Sodbrennen ist doch DAS Symptom schlechthin für psychosomatische Erkrankungen. Wer ständig Sodbrennen hat und es nicht auf bestimmte Speisen einschränken kann, der sollte vielleicht mal mit einem Verhaltenstherapeuten sprechen. Einfach hinnehmen und abwarten, bis man vielleicht Speiseröhrenkrebs bekommt, ist eine etwas seltsame Empfehlung.
Diese Empfehlung kann ich auch im Text nirgends finden. Stattdessen rät man bei leichten Fällen zu einer Überprüfung der Essgewohnheiten (eine verhaltenstherapeutische Maßnahme) und bei schwereren Fällen, das ganze abklären zu lassen. Wenn der Arzt in dem Gespräch empfohlen hätte, dass jeder Mensch mit Sodbrennen zwingend eine Gastroskopie und lebenslange PPI-Einnahme braucht, wäre das doch auch nicht in Ihrem Interesse, oder?
koka_banana 19.12.2014
3. Der Mann ist
Gastroenterologe, schaut also primär in Speiseröhre, Magen und Dünn/Dickdarm. Psychosomatik ist ein anderes Feld und da landen eh alle Patienten wenn keine organische Ursache gefunden wird
Gastroenterologe, schaut also primär in Speiseröhre, Magen und Dünn/Dickdarm. Psychosomatik ist ein anderes Feld und da landen eh alle Patienten wenn keine organische Ursache gefunden wird

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