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Gesundheit

Männer-Studie

Vitaminpillen schützen nicht vor Herzinfarkt

Auch wer elf Jahre täglich Multivitamin-Präparate schluckt, reduziert sein Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten nicht. Das belegt eine US-Studie an knapp 15.000 Männern. Das Rezept für die beste Vorbeugung ist ein anderes - ganz ohne Pillen.

Corbis

Pillen für die Gesundheit: Vitaminpräparate schützen Männer nicht vor Herz-Kreislauf-Krankheiten.

Dienstag, 06.11.2012   09:09 Uhr

Bei Schnupfen schnell Vitamin C einschmeißen? Als Raucher prophylaktisch Vitamin A und Betacarotin schlucken? Noch immer haben Vitaminpräparate das Image "viel hilft viel". Zu Unrecht, wie eine aktuelle Studie erneut belegt: Demnach können Multivitaminpillen Männer auch nach jahrelangem Konsum nicht vor schweren Herz-Kreislauf-Krankheiten wie Schlaganfällen oder Herzinfarkten schützen.

An der sogenannten Physicians Health Study II nahmen knapp 15.000 zufällig ausgewählte US-Ärzte im Alter von 50 Jahren und älter teil. Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe schluckte mehr als zehn Jahre lang täglich ein Multivitaminpräparat mit den Vitaminen E, C und Betacarotin und nahm damit mehr als 100 Prozent der empfohlenen Tagesdosis für diese Vitamine zu sich. Die zweite Gruppe bekam über den selben Zeitraum täglich nur ein Placebo-Präparat, ein Scheinmedikament ohne Wirkstoffe. Weder Ärzte noch Probanden wussten dabei, wer welche Pillen bekam - dieses Verfahren nennt man bei wissenschaftlichen Studien Doppelverblindung.

Vitamine ohne Einfluss auf die Lebensdauer

Durchschnittlich 11,2 Jahre lang befragten Wissenschaftler von der Harvard Medical School die Teilnehmer regelmäßig zu ihrem Gesundheitszustand. Ziel der Studie war es zu überprüfen, ob sich die Einnahme der Vitaminpillen auf die Häufigkeit von Schlaganfällen, Herzinfarkten und anderen - teilweise tödlichen - Herz-Kreislauf-Krankheiten auswirkt.

Das Ergebnis: Die Teilnehmer der Vitamin-Gruppe hatten bezüglich des Auftretens von Herz-Kreislauf-Krankheiten keinen Vorteil gegenüber der Placebo-Gruppe. In beiden Gruppen kam es gleich häufig zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Hirnblutungen, Herzversagen oder anderen Symptome wie etwa Angina Pectoris. Auch auf die gesamte Lebensdauer gesehen blieben die Vitamine ohne Einfluss.

Damit reiht sich die in der Fachzeitschrift "The Journal of the American Medical Association" publizierte Studie in eine wachsende Anzahl von Untersuchungen ein, die eine angenommene positive Wirkung von ergänzend eingenommenen Vitaminen widerlegen. Inzwischen mehren sich sogar Untersuchungen, die zeigen, dass manche Supplemente schwere Krankheiten fördern können. 2011 etwa erschien ebenfalls eine Studie im "Journal of the American Medical Association", deren Ergebnis schockierte: Männer, die regelmäßig Vitamin-E-Präparate einnehmen, leiden demnach häufiger unter Prostatakrebs.

Das Gros der Experten ist sich indes einig: Wer sich gesund und vollwertig ernährt, hat zusätzliche Vitamin- und Mineralpräparate nur in seltenen Ausnahmefällen nötig. Doch längst nicht jedem ist bewusst, welche Vitamine in welchen Nahrungsmitteln stecken und wie hoch die tägliche Dosis sein sollte. Wenn Ihnen das auch so geht, testen Sie Ihr Wissen in unserem SPIEGEL-ONLINE-Ernährungs-Quiz .

hei

insgesamt 47 Beiträge
ReneMeinhardt 06.11.2012
1. Warum sollten Vitamine auch gegen
Herzinfarkt vorbeugen, es besteht ja kein kausaler (substantiell) Zusammenhang. Allein, dass Forscher dies schon als Möglichkeit angenommen haben, ist mir schleierhaft. Aber nun ja, so ist es halt in der medizinischen Forschung. [...]
Herzinfarkt vorbeugen, es besteht ja kein kausaler (substantiell) Zusammenhang. Allein, dass Forscher dies schon als Möglichkeit angenommen haben, ist mir schleierhaft. Aber nun ja, so ist es halt in der medizinischen Forschung. Zumindest weiß man nun besseres und die Leute im Land können die ganzen Vitaminpräparate im Supermarkt und in den überteuerten Apotheken lassen.
pereseda 06.11.2012
2. optional
Auch bemerkenswert: Schuheinlagen schützen nicht vor Haarausfall!
Auch bemerkenswert: Schuheinlagen schützen nicht vor Haarausfall!
level 06.11.2012
3.
Ich habe auch noch auf keiner Vitaminverpackung gelesen, das der Inhalt gegen Herzinfarkt wirken soll ;-) Brot hilft übrigens auch nicht gegen O-Bein.
Ich habe auch noch auf keiner Vitaminverpackung gelesen, das der Inhalt gegen Herzinfarkt wirken soll ;-) Brot hilft übrigens auch nicht gegen O-Bein.
protodoc 06.11.2012
4.
Rauchern ist von Vitamin A und Betacarotin abzuraten weil sie das Risiko fuer Lungenkrebs erhoehen.
Rauchern ist von Vitamin A und Betacarotin abzuraten weil sie das Risiko fuer Lungenkrebs erhoehen.
chalchiuhtlicue 06.11.2012
5. optional
Ausgewogene Ernährung, kein Rauchen, in Maßen betriebener Ausdauersport, Normalgewicht anstreben - das hilft. ------------- Warum hier gleich wieder der erste Poster die Forscher "basht", ist mir völlig schleierhaft? [...]
Ausgewogene Ernährung, kein Rauchen, in Maßen betriebener Ausdauersport, Normalgewicht anstreben - das hilft. ------------- Warum hier gleich wieder der erste Poster die Forscher "basht", ist mir völlig schleierhaft? Wenn Millionen von medizinischen Laien im lustigen Aberglauben, daß Vitamine Allheilmittel und Universalprophylaxen seien, sich mit künstlichen Vitaminen bis Oberkante Unterlippe vollstopfen, dann ist es eine legitime Fragestellung, um solchen Menschen ihr sinnloses (und teures) Handeln aufzeigen zu können.

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