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KarriereSPIEGEL

Arbeitsgericht entscheidet

Prostituierte hat Anrecht auf "wohlwollendes Zeugnis"

Sie wollte ein gutes Arbeitszeugnis und einen Ausgleich für nicht genommenen Urlaub - und das zu Recht, hat ein Gericht im Fall einer Prostituierten entschieden. Ihr Sugardaddy hatte das zuvor verweigert.

Mittwoch, 14.08.2019   17:04 Uhr

Im Fall eines Streits zwischen einer Prostituierten und ihrem ehemaligen Arbeitgeber hat das Landesarbeitsgericht Hamm der Frau Recht zugesprochen (Aktenzeichen: 17 Sa 46/19). Sie hatte auf einen Ausgleich für nicht genommene Urlaubstage sowie ein Arbeitszeugnis geklagt.

Ihr Arbeitgeber, ein Versicherungsvertreter, hatte ihr beides verweigert - weil die Frau seiner Meinung nach ihren Arbeitsvertrag nicht erfüllt hatte. Die Frau habe trotzdem ein Anrecht auf ein "wohlwollendes Arbeitszeugnis", so das Gericht.

Dem Vertrag nach war die Frau offiziell als Hauswirtschafterin angestellt. Zu ihren Aufgaben zählten demnach Putzen, Wäschewaschen und Kochen. Für diese Leistungen sollte sie 460 Euro im Monat erhalten, ein Stundenlohn von zehn Euro.

Doch schon vor Beginn des Arbeitsverhältnisses war nach Angaben des Mannes abgesprochen, dass er die Frau hauptsächlich für Sex bezahlen würde - ein klassisches Sugardaddy-Verhältnis. Auch auf Reisen sollte sie ihn begleiten. Zweimal wöchentlich habe sie ihn für die sexuellen Leistungen besuchen sollen. Dieses Versprechen löste sie aber nach Aussage des Versicherungsvertreters nicht ein - er kündigte ihr daraufhin.

Die Frau, Hartz-IV-Empfängerin und Mutter von drei Kindern, verlangte vor Gericht zusätzlich zum Ausgleich der Urlaubstage und des guten Arbeitszeugnisses auch eine Nachzahlung ihres Lohns für die letzten zwei Monate ihrer Anstellung.

Dieser Forderung gab das Gericht allerdings nicht statt. Sie habe die vertraglich zugesicherten Tätigkeiten nicht erbracht. Auch sexuelle Leistungen habe sie in dem Zeitraum nicht vorgenommen - daher stehe ihr der Lohn nicht zu, hieß es in der Begründung.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes fehlten die genaue Angabe des Gerichts sowie das Aktenzeichen. Beides wurde inzwischen ergänzt.

lmd

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