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Arbeitszeit und Gesundheit

So kommen Sie besser durch die Schichtarbeit

Gesundheit, Logistik, Polizei: In vielen Branchen gehört Schichtarbeit zum Alltag. Welche Rechte haben Arbeitnehmer im Schichtdienst - und was können Sie selbst tun, um sich zu schützen?

imago/photothek

Schichtarbeiter in Papenburg (Archivbild)

Von "Karrierebibel"-Autorin Julia Sima
Freitag, 18.01.2019   14:58 Uhr

Ungefähr sechs Millionen Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten in Wechselschicht - weil es nötig ist. Schließlich wollen die meisten von uns morgens frische Brötchen bekommen und, was noch viel wichtiger ist: im Notfall behandelt werden. Ohne Wechselschicht wäre das undenkbar.

Für Arbeitnehmer kann Schichtarbeit aber schwere gesundheitliche Folgen haben. Eine Studie britischer Wissenschaftler kam zu besorgniserregenden Ergebnissen: Erhöhte Blutfettwerte, ein chaotischer Hormonhaushalt und ein gesteigertes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall scheinen mit der Arbeit in Wechselschicht zusammenzuhängen.

Die Forscher stellten auch fest: Frauen kommen insgesamt schlechter mit Schichtarbeit zurecht. Sie leiden noch stärker als ihre männlichen Kollegen unter Schlafstörungen, Bluthochdruck und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems.

Für Arbeitnehmer, die in Wechselschicht arbeiten, ist der gesamte Arbeitstag, also alle 24 Stunden, in Früh-, Spät- und Nachtschichten aufgeteilt. In diesen Betrieben wird auch an Sonn- und Feiertagen gearbeitet.

Dass diese Arbeitsbedingungen Beschwerden auslösen können, liegt an unserem biologischen Tag-Nacht-Rhythmus. Denn der ist eng mit dem Tageslicht verbunden. Menschen, die regelmäßig nachts oder spätabends arbeiten, bringen auf lange Sicht ihren Rhythmus durcheinander. Die Folge: Hormonchaos mit den beschriebenen Folgen.

Doch der Gesetzgeber sorgt vor. Aus dem Arbeitszeitgesetz ergeben sich zunächst Regelungen, die für alle Arbeitnehmer - also nicht nur für diejenigen, die in Wechselschicht arbeiten - gelten:

Für Arbeitnehmer, die regelmäßig nachts arbeiten, sind die Vorschriften des Gesetzes umfassender:

Daneben hält das Arbeitszeitgesetz noch weitere Regelungen bereit: Sollte es neue wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf die Wechselschicht geben, müssen diese vom Arbeitgeber berücksichtigt werden. Eine dieser Erkenntnisse ist der sogenannte Vorwärtswechsel. Die Schichten sollen sich von Früh- über Spät- bis hin zur Nachtschicht wechseln - und nicht umgekehrt.

Außerdem empfehlen Arbeitsmediziner, dass höchstens in drei Nachtschichten in Folge gearbeitet werden soll. Dauernachtschichten sind also nicht empfehlenswert. Außerdem raten Mediziner dazu, nach der letzten Nachschicht dem Arbeitnehmer mindestens 24 Stunden Freizeit einzuräumen. So kann der Körper beginnen, wieder seinen normalen Rhythmus zu finden.

Tipps für Arbeitnehmer

Schichtarbeiter können aber auch selbst etwas für ihre Gesundheit tun: Sie können ihren Alltag dem Rhythmus anpassen.

Wenn Sie beispielsweise alle zwei oder drei Tage die Schicht wechseln, sollten Sie jeweils am letzten Arbeitstag der Schicht etwas später ins Bett gehen. So gewöhnt sich Ihr Körper daran, dass er am nächsten Tag erst später, dafür aber länger Leistung bringen muss.

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Das gilt übrigens auch für den Übergang aus der Erholungszeit in die Frühschicht. Angenommen, Sie starten dienstags mit der ersten Frühschicht, dann sollten Sie schon montags ein wenig früher aufstehen. So sind Sie abends früher müde und zum zweiten schon darauf vorbereitet, auch am Dienstag früh aufzustehen.

Sonnenbrille tragen

Wenn Sie nach der Nachtschicht nach Hause gehen, sollten Sie eine Sonnenbrille tragen. Bekommt Ihre Netzhaut zu viel Sonnenlicht ab, könnten Sie Probleme mit dem Einschlafen bekommen.

Leichtes Essen

Vermeiden Sie fettige und schwere Speisen nach der Arbeit, wenn Sie danach zügig ins Bett wollen. Die liegen Ihnen im Magen und halten Sie davon ab, schnell einschlafen zu können.

Ritual finden

Wenn Sie jeden Tag vor dem Schlafengehen das Gleiche tun, wird sich Ihr Körper daran gewöhnen und das Signal abspeichern. Eine bestimmte Musik oder auch das beliebte Stückchen Schokolade können solche Schlafrituale sein. Nach einiger Zeit fällt Ihnen danach das Einschlafen leichter.

Störquellen ausschalten

Wenn Sie dann schlafen, wenn alle anderen wach sind, müssen Sie sich ganz besonders abschotten. Um in den erholsamen Tiefschlaf zu fallen, sollten Sie Telefon und wenn möglich auch die Türklingel ausschalten. Ideal ist es außerdem, wenn das Schlafzimmer nicht wärmer als 19 Grad Celsius ist und Sie es abdunkeln können. So können Sie ihrem Körper vorspielen, es sei Nacht.

Alkohol meiden

Einige Schichtarbeiter versuchen es mit Alkohol, um nach der Spät- oder Nachtschicht besser einschlafen zu können. Möglich, dass das Einschlafen damit besser gelingt, der Schlaf wird aber trotzdem nicht erholsam. Alkohol ist ein Nervengift, das den Körper davon abhält, in die regenerativen Tiefschlafphasen zu fallen.

insgesamt 28 Beiträge
winki 18.01.2019
1. Arbeitszeit und Gesundheit
Von den 45 Jahren meiner Berufstätigkeit habe ich 31 Jahre im 4-Brigade 3-Schichtsystem im Bergbau gearbeitet und das sehr gerne. Man muss sein Leben und das seiner Familie, wer eine hat, komplett darauf einstellen. Nicht nur [...]
Von den 45 Jahren meiner Berufstätigkeit habe ich 31 Jahre im 4-Brigade 3-Schichtsystem im Bergbau gearbeitet und das sehr gerne. Man muss sein Leben und das seiner Familie, wer eine hat, komplett darauf einstellen. Nicht nur das, auch das Wohnumfeld muss passen. Immerhin muss man aus der Nachtschicht kommend am Tage schlafen können ohne von ständigem Lärm geweckt zu werden. Bei mir hat das alles gepasst. An den ständigen Wechsel habe ich mich relativ schnell gewöhnt. Gesundheitliche Probleme die durch die Schichtarbeit aufgetreten wären hatte ich keine. Die Firma hat sich um unsere Gesundheit gekümmert. Jährlich fanden durch den Betriebsarzt Untersuchungen statt und bei Bedarf erhielt man eine 3-wöchige Erholungskur. Ansonsten konnte man aller 5 Jahre ein Vorbeugungskur beantragen, ohne besonderen gesundheitlichen Anlass. Das ganze fand nicht im Schlaraffenland statt sondern in der DDR.
sarapo29 18.01.2019
2. Es gibt da leider nur ein Problem
Was die Arbeitsmediziner - sicher mit besten Wissen- empfehlen deckt sich aus meiner Wahrnehmung heraus leider so überhaupt nicht mit den Bedürfnissen meiner Arbeitskollegen die in Schicht arbeiten. Ebensowenig wie mit der [...]
Was die Arbeitsmediziner - sicher mit besten Wissen- empfehlen deckt sich aus meiner Wahrnehmung heraus leider so überhaupt nicht mit den Bedürfnissen meiner Arbeitskollegen die in Schicht arbeiten. Ebensowenig wie mit der betrieblichen Realität. Arbeitnehmer und Vorgesetzte wünschen sich planbare und ja: Vollständige Arbeitswochen mit bis zu sieben Tagen Schicht am Stück. "Fordern" und " für richtig halten" kann man als Schreibtischtäter immer viel. Es in den Betrieben auch umzusetzen und den Kollegen zu vermitteln ist eine ganz andere Frage...
Der Name 18.01.2019
3. Gott sei dank sind die Zeiten vorbei
Ich habe es in meinen jungen Jahren genau 7 Jahre lang gemacht und damit aufzuhören war wohl die beste Entscheidung im Leben. Meine älteren ehemaligen Kollegen sterben fast alle schon Mitte 50. hoffentlich haben mir die 7 Jahre [...]
Ich habe es in meinen jungen Jahren genau 7 Jahre lang gemacht und damit aufzuhören war wohl die beste Entscheidung im Leben. Meine älteren ehemaligen Kollegen sterben fast alle schon Mitte 50. hoffentlich haben mir die 7 Jahre Schicht nicht geschadet.
Nierengulasch 18.01.2019
4. Depression?
Meine älteren Kollegen arbeiten zum Teil schon 40 Jahre im 3 Schicht System und gehen dann in Rente. Ich glaube nicht das fast alle Kollegen mit 50 sterben. Ich würde da eher auf eine negative Sicht auf das Leben tippen.
Meine älteren Kollegen arbeiten zum Teil schon 40 Jahre im 3 Schicht System und gehen dann in Rente. Ich glaube nicht das fast alle Kollegen mit 50 sterben. Ich würde da eher auf eine negative Sicht auf das Leben tippen.
ichwill_wassagen 19.01.2019
5. 7 Tage? Nie wieder!
Ich habe früher die 7 Tagesschichten gemacht Dann würde vor ca. 25 Jahren, gegen den Willen der Belegschaft, die 2-3 Schichten eingeführt. Eine Umfrage nach einem Jahr ergab daß nur 1 von 100 die alte Schicht wieder haben [...]
Ich habe früher die 7 Tagesschichten gemacht Dann würde vor ca. 25 Jahren, gegen den Willen der Belegschaft, die 2-3 Schichten eingeführt. Eine Umfrage nach einem Jahr ergab daß nur 1 von 100 die alte Schicht wieder haben wollte.

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