Schrift:
Ansicht Home:
KarriereSPIEGEL

Ausbildung zum Bankkaufmann

"Das viele Geld hat mich nervös gemacht"

Schlips und Kragen sind Pflicht: Viele Schulabgänger fremdeln mit der Berufskleidung des Bankkaufmanns. Trotzdem ist die Ausbildung begehrt - dank rosiger Übernahmechancen und guter Gehälter.

TMN

Beruf Bankkaufmann: Florian Krebs startet nach der Ausbildung ein Studium

Sonntag, 12.07.2015   09:41 Uhr

Bei Florian Krebs, 21, hängen sechs Anzüge im Schrank. Jackett und gepflegtes Auftreten gehören bei ihm zum Beruf. Als Privatkundenberater der Sparkasse Weimar erscheint er jeden Tag mit Hemd und Krawatte bei der Arbeit. "Direkt nach der Schule war das noch ungewohnt", sagt er. Inzwischen hat er sich daran gewöhnt. Da fühlt es sich schon seltsam an, wenn er am Wochenende in Jeans und T-Shirt schlüpft.

Krebs war noch Schüler, als er sich bewarb. Wenige Monate nach dem Abitur begann er mit der Ausbildung. Das war vor drei Jahren. Nach der Abschlussprüfung übernahm ihn die Bank. Seit Januar arbeitet er in einer Filiale in Weimar. Am Anfang hätten ihn die Geldmengen, mit denen ein Bankkaufmann hantiert, nervös gemacht, sagt der junge Mann.

Es ist nicht leicht, einen der wenigen Ausbildungsplätze zu ergattern. Die Banken bevorzugen mehr und mehr Bewerber mit Abitur oder Fachhochschulreife. "Manchen reicht aber ein sehr guter Realschulabschluss", erklärt Sandra Sadighi, Ausbildungsberaterin bei der Industrie- und Handelskammer in Frankfurt am Main. Formal gibt es keine Vorgaben, dass ein bestimmter Schulabschluss erforderlich ist. "Junge Menschen, die sich bei einem Praktikum bewähren, können unter Umständen mit einem sehr guten Hauptschulabschluss Chancen haben."

Fotostrecke

Bankkaufmann mal anders: "Rock ist ein Zustand aus Glück"
Bankkaufleute haben einen Job mit hoher Verantwortung, der mehr abverlangt als gutes Kopfrechnen, sagt Gabriele Jordanski, Bank-Expertin beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Bei den Zeugnissen schauen die Unternehmen nicht nur auf die Mathematiknote. Deutsch ist ebenso wichtig. Denn Bankkaufleute sind ständig in Kontakt mit Kunden. "Sie müssen sich gut ausdrücken können und kommunikativ sein", erläutert Sadigh. Junge Menschen, die Scheu vor Gesprächen haben, sind kaum für den Beruf geeignet.

Nach Beginn der Ausbildung arbeiten angehende Bankkaufleute bald am Schalter. Dort lernen sie, wie man Konten einrichtet und verwaltet. Im weiteren Verlauf der Ausbildung stehen dann Geldanlagen und Kreditgeschäfte auf dem Lehrplan. Gerade zum Ende der Lehre nehmen die Beratungen von Kunden zu. "Ein erfahrener Kollege ist dabei in der Regel immer im Hintergrund, um eingreifen zu können", erklärt Jordanski.

Azubis haben ein knackiges Pensum

Die Ausbildung dauert drei Jahre. Abiturienten können sie in Abstimmung mit der Geschäftsleitung um zwölf Monate verkürzen. "Das ist dann aber ein knackiges Pensum", erzählt Sadighi. Im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen erhalten angehende Bankkaufleute relativ viel Lohn: Laut BIBB kamen sie 2014 bei einer Bezahlung nach Tarif im ersten Lehrjahr im Schnitt auf 880 Euro Vergütung pro Monat (Ost: 876; West: 888). Zum dritten Lehrjahr hin steigt das Salär auf etwa 1000 Euro.

"Die Finanzkrise hat die Kunden vorsichtiger gemacht", registriert Krebs. "Die Sicherheit einer Anlage ist ihnen wichtig." Ihm als frisch gebackenem Bankkaufmann begegnen sie manchmal noch zurückhaltend. Dann versucht er im Gespräch mit fundiertem Wissen das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.

Azubis werden nach der Ausbildung oft direkt übernommen. Die Chancen stehen gut, sagt Sadigh. Florian Krebs will sich auf den Firmenkundenbereich spezialisieren und absolviert dafür jetzt neben seiner Arbeit ein zweijähriges Studium.

Der Besuch einer Hochschule ist nur eine Möglichkeit der Weiterentwicklung. Wer beruflich aufsteigen möchte, kann auch eine Fortbildung zum Bankfachwirt machen.

Bankkaufleute finden nicht nur bei Banken und Sparkassen Jobs. "Ihnen steht ein relativ breiter Arbeitsmarkt zur Verfügung", sagt Jordanski. Sie können an der Börse arbeiten oder bei Versicherungen. Eine andere Möglichkeit ist, sich als unabhängiger Finanzberater selbstständig zu machen.

Fotostrecke

Banker für Reiche: Millionenschwerer Job mit guten Aussichten

Tom Nebe, dpa/sid

Fotostrecke

Verwandte Themen

Verwandte Artikel

Fotostrecke

Verwandte Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP