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KarriereSPIEGEL

Berufsbildungsbericht

So viele junge Ungelernte wie noch nie

In Deutschland gibt es mehr Ausbildungsplätze als mögliche Auszubildende - trotzdem schließen mehr Jugendliche keine Berufsausbildung ab. Eine Gruppe ist besonders gefährdet.

picture alliance / imageBROKER

Auszubildende in Düsseldorf

Mittwoch, 10.04.2019   12:40 Uhr

Die Zahl der jungen Menschen in Deutschland ohne abgeschlossene Berufsausbildung hat ein Rekordhoch erreicht: 2,12 Millionen waren laut dem Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zuletzt ungelernt. Das sind 130.000 mehr als noch im Jahr zuvor. Der Bericht erscheint jährlich und befasst sich mit der Gruppe der 20- bis 34-Jährigen.

Vor allem Menschen ohne Schulabschluss haben keine Berufsausbildung, heißt es in dem Bericht. Zwei von drei Schulabbrechern schließen demnach keine Ausbildung ab. Je höher der Schulabschluss, desto eher klappt es auch mit Lehre oder Studium: Bei Schulabgängern mit Abitur oder Fachhochschulreife liegt die Ungelerntenquote bei nur 5,5 Prozent.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte mehr Hilfe für die Betroffenen. Betriebe klagten über unbesetzte Ausbildungsplätze, gleichzeitig seien immer mehr Jugendliche ohne Ausbildung. Das führe zu "erheblichen gesellschaftlichen Spannungen", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Besonders dramatisch sei die Lage im Ruhrgebiet, in den mittleren Städten Hessens und Niedersachsens und im Norden Schleswig-Holsteins. Man dürfe nicht zulassen, dass eine "abgehängte Generation" heranwachse, sagte Hannack.

Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland stehen statistisch gesehen einem Überangebot an Ausbildungsplätzen gegenüber: Auf 100 Interessierte kommen 106 Lehrstellen. Trotzdem finden einige keinen passenden Ausbildungsplatz - nicht immer sind die Angebote in der richtigen Gegend, im richtigen Job oder von einem Chef, mit dem der Bewerber gut auskommt. Die IG Bau forderte deshalb vor Kurzem ein verpflichtendes Schulpraktikum im Handwerk. Auch die Bundesregierung bemüht sich: Sie kündigte an, die Zuschüsse für Azubis deutlich zu erhöhen, vor allem für Lehrlinge, die weit von ihrem Betrieb entfernt wohnen.

Etwa 57.700 Stellen blieben 2018 unbesetzt. "Um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, gilt es, alle vorhandenen Kräfte zu mobilisieren und gezielt einzusetzen", heißt es in dem Bericht. Laut der Bundesagentur ist das Arbeitslosigkeitsrisiko für Ungelernte immer noch etwa fünfmal so hoch wie für Personen mit einem Berufsabschluss.

Insgesamt stieg die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr an. Etwa 531.000 Azubis, 8000 mehr als im Vorjahr, lernten in den Betrieben. Ein Grund dafür sind laut dem Bericht Geflüchtete, die häufiger eine Ausbildung absolvieren.

Bisher waren viele von ihnen in Programmen untergekommen, die ihnen die Integration im deutschen Arbeitsmarkt erleichtern sollten. Die Geflüchteten nutzten die Angebote vorrangig, um die deutsche Sprache zu erlernen. Seit 2017 nehmen diese jungen Menschen nun Ausbildungen auf - den Mangel an Auszubildenden können aber auch sie nicht ausgleichen.

lmd/dpa

insgesamt 63 Beiträge
zeisig 10.04.2019
1. Hilfe für die Betroffenen ?
Wie soll den diese Hilfe bitteschön aussehen, wenn diese jungen Leute nicht einmal die Schule regulär beenden? Was sind das für Menschen? Vielleicht sollte man in der Schule auch Lebenswirklichkeit vermittel, vielleicht im [...]
Wie soll den diese Hilfe bitteschön aussehen, wenn diese jungen Leute nicht einmal die Schule regulär beenden? Was sind das für Menschen? Vielleicht sollte man in der Schule auch Lebenswirklichkeit vermittel, vielleicht im Gemeindschaftskundeunterricht. Die jungen Leute sollten sehen was auf sie zukommt, wenn sie nicht willens sind, etwa Anständiges zu lernen.
030Berlin 10.04.2019
2.
Kein Wunder wenn man als einfacher ungelernter Arbeiter von heute auf morgen einen Job annehmen kann, der besser bezahlt wird als das was man mit fünf Jahren Berufserfahrung und nach 2-3 Jahren Ausbildung verdient.
Kein Wunder wenn man als einfacher ungelernter Arbeiter von heute auf morgen einen Job annehmen kann, der besser bezahlt wird als das was man mit fünf Jahren Berufserfahrung und nach 2-3 Jahren Ausbildung verdient.
hexenbesen.65 10.04.2019
3.
Hm--solange manche Chefs ihre AZUBIS wirklich als "AZUBI" (A*** zum Bierholen" benutzen- brauchen die sich nicht wundern, dass sich dort keine Leute bewerben (spricht sich eben auch rum). dann wiederrum verlangen [...]
Hm--solange manche Chefs ihre AZUBIS wirklich als "AZUBI" (A*** zum Bierholen" benutzen- brauchen die sich nicht wundern, dass sich dort keine Leute bewerben (spricht sich eben auch rum). dann wiederrum verlangen manche für einen "Pipi-Fax"-Beruf doch wirklich Abitur, wo ein Hauptschüler das vielleicht auch könnte. Mein Sohn zb bewarb sich mit Mittlere Reife auf die entsprechenden Stellen...Absagen- der Grund: Wir nehmen NUR Abiturienten (sorry, hat sich die Firma selber disqualifiziert, weil in der Stellenausschreibung stand: Mittlere Reife ! -----Diese zwei Firmen wurden von uns gemeldet....upps, sorry, wir haben gepetzt..) Die GUTEN Firmen können sich vor Bewerbungen nicht retten. Allerdings sind auch viele Eltern dran schuld: "Kind, studier was ! Dann Verdienste gutes Geld !"---denen ist ein schnöder Handwerker als Sohn unter ihrer Würde...
oifrr 10.04.2019
4.
Nachdem der Artikel keinerlei Angaben dazu macht, warum es so viele und immer mehr junge Leute ohne Berufsausbildung in D gibt, bleibt viel Raum für Spekulationen. Eventuell gibt es auch in den anderen Altersgruppen immer mehr [...]
Nachdem der Artikel keinerlei Angaben dazu macht, warum es so viele und immer mehr junge Leute ohne Berufsausbildung in D gibt, bleibt viel Raum für Spekulationen. Eventuell gibt es auch in den anderen Altersgruppen immer mehr Leute ohne Ausbildung. Eventuell hängt das damit zusammen, dass so viel gering Qualifizierte nach D einwandern, aus aller Welt, aber v.a. aus anderen EU Ländern, die Freizügigigkeit lockt eben auch Ungelernte an, die hier Billigjobs haben. Ich finde, wir brauchen mehr qualifizierte Zuwanderung, wenn überhaupt.
Freier.Buerger 10.04.2019
5. Junge Erwachsene
Kann man nicht aktiv was dafür tun Erwachsene, die vor 5..10..15 Jahren eben keine Lehre machten, jetzt in die Lehre zu bringen? 1.) Aufstockerregeln H4 zum Ausbildungsentgeld verbessern 2.) Betreuung durch überbetriebliche [...]
Kann man nicht aktiv was dafür tun Erwachsene, die vor 5..10..15 Jahren eben keine Lehre machten, jetzt in die Lehre zu bringen? 1.) Aufstockerregeln H4 zum Ausbildungsentgeld verbessern 2.) Betreuung durch überbetriebliche Organisationen, Ansprechpartner für Auszubildenden und Ausbilder bei Zusatzangeboten, Nachhilfe etc. 3.) Hilfestellung für den Ausbildungsbetrieb, vielleicht Anrechnung eine Schwerbehindertenarbeitsplatz, Zuzahlung bei externen Lehrgängen o.ä.

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