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Tipps zu Inhalt und Aufbau

So sieht eine Bewerbung auf Englisch aus

Ein deutsches Unternehmen hat Ihren Traumjob ausgeschrieben - auf Englisch? Oder Sie möchten sich international bewerben? Lesen Sie hier, was bei einer Bewerbung auf Englisch zu beachten ist.

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Ein häufiger Fehler bei Bewerbungen auf Englisch: Deutsche googeln auf Deutsch und stolpern so über gängige Sprachfehler

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Freitag, 30.08.2019   10:45 Uhr

"Englischkenntnisse im Bewerbungsprozess abzufragen, ist seit etwa fünf Jahren ein großer Trend", sagt Bewerbungscoach Liz Naithani. Durchaus sinnvoll, denn bei einem internationalen Job haben Angestellte schließlich mit Kollegen und Kunden aus aller Welt zu tun und sollten sich auf Englisch mit allen verständigen können.

Wenn Sie sich in Deutschland bei einem international agierenden Unternehmen bewerben, kann schon mal eine Bewerbung auf Englisch gefordert werden. Und wenn die Ausschreibung auf Englisch verfasst ist, sollten Ihre Bewerbungsunterlagen das auch sein.

In solchen Fällen kann neben der schriftlichen Bewerbung auch direkt das Vorstellungsgespräch auf Englisch sein. "Aus meiner Erfahrung wird bei mittelständischen und kleineren Unternehmen eher kurz im Gespräch auf Englisch gewechselt", sagt Naithani. Bewerberinnen und Bewerber sollen dann für zehn bis 20 Minuten eher einfache Fragen auf Englisch beantworten. Anschließend werde oft zurück ins Deutsche gewechselt, "für die anspruchsvolleren Themen".

Wann in Deutschland eine Bewerbung auf Englisch gefordert wird

Wird eine deutsche Firma von einem Konzern mit Hauptsitz im nicht deutschsprachigen Ausland aufgekauft, sind die Interviewer laut Expertin oft deutsche Muttersprachler. Doch selbst wenn nur einer der Entscheider nicht Deutsch spricht, aber sein Einverständnis geben muss, kann es schon passieren, dass die gesamte schriftliche Bewerbung auf Englisch erfolgen muss.

Ein Anschreiben auf Englisch vorbereiten

Sich in kurzer Zeit auf Englisch zu bewerben, kann stressig sein. Wer sein Englisch noch auffrischen muss, kann schnell Schwierigkeiten bekommen, wenn er noch einen Kurs absolvieren oder sich mit Büchern einarbeiten möchte.

Wer nicht zum Profi geht, sollte laut Naithani Dienste wie etwa Linguee nutzen, wo Wörter und Phrasen in Beispielkontexte gebracht werden, und mit einem Online-Übersetzer wie Deepl arbeiten. Der Expertin zufolge sollten Nichtmuttersprachler zehn bis 20 Stunden Zeit investieren: für das Anschreiben mindestens fünf Stunden, für den Lebenslauf mindestens vier Stunden und etwa fünf bis zehn Stunden für die Vorbereitung auf das Gespräch auf Englisch.

"Ein häufiger Fehler ist: Deutsche googeln auf Deutsch", sagt Naithani. Suchen Sie für Satzbeispiele stattdessen auf Englisch, wenn Sie Ihre Bewerbungsunterlagen vorbereiten - das hilft sehr. Vor allem, wenn Sie sich außerhalb des deutschsprachigen Raums bewerben, sind Form und Anforderungen anders. Wenn Sie sich zum Beispiel für ein Studium in England bewerben, können Sie auf Englisch mit folgenden Keywords googeln: "sample", "example", "letter of motivation", "university", "England".

So ist eine schriftliche Bewerbung auf Englisch aufgebaut

Wenn Sie sich auf Englisch im deutschsprachigen Raum bewerben, ist der Aufbau wie bei einer Bewerbung auf Deutsch. Nur dass Sie diese ins Englische übersetzen. "Perfektion wird nicht erwartet, weil die Leser oft selbst keine Muttersprachler sind", sagt Naithani. Nähere Informationen finden Sie in unserem Beitrag zum Lebenslauf und in diesem Artikel zum Bewerbungsanschreiben. Doch für eine Bewerbung im englischsprachigen Ausland gilt: auf Englisch einlesen.

Cover Letter - das Anschreiben

Anschreiben nach deutschem Vorbild seien in der Regel zu demütig und zurückhaltend für eine Bewerbung in den USA. Hier gilt: "Richtig dick auftragen: 'Ich bin der Beste und Sie wollen mich'", sagt die Bewerbungsexpertin. Und das sollten Sie auch an konkreten Beispielen festmachen und mit passenden Geschichten belegen.

Insgesamt sollte der Cover Letter sehr selbstbewusst und motiviert rüberkommen.

Résumé - der berufseinschlägige Lebenslauf

Auf einer Seite (maximal zwei) sollte das Résumé Ihre wichtigsten Stationen und für die Stelle relevante Fähigkeiten darlegen. Den Aufbau eines Résumés erläutert Naithani wie folgt:

1. Kontaktdaten

2. "Professional Profile"/ "Executive Summary"/ "Professional Summary": "Die Summary muss kurz sein und sollte auch sprachlich überzeugen", sagt die Expertin. Sie bestehe aus zwei bis drei knackigen Sätzen, die wie ein Marketingtext klingen und die wichtigsten Stärken und Erfahrungen des Bewerbers rüberbringen. Diese "Professional Summary" in einer Fremdsprache zu schreiben, sei recht anspruchsvoll. "Hier lohnt es sich, einige gute englische Beispiele für seine jeweilige Branche und Berufserfahrung herauszusuchen - auf Englisch googeln", rät Naithani. Passen Sie den Text dann entsprechend an. Ein von der Expertin empfohlenes Beispiel finden Sie hier.

3. "Work Experience" (Toperfolge): Das sind alle für die Stelle relevanten Informationen über Sie, beginnend mit der aktuellsten. Bei einer Seite Résumé sollten das etwa drei bis vier Punkte sein.

4. "Education" (Bildung): kurz und knackig.

5. "Top Skills" (Topfähigkeiten): Nutzen Sie hier - und bei "Work Experience" - nicht nur Substantive als Schlagworte, sondern formulieren Sie aktiver mit "active verbs": "I initiated..." (statt "initiation of…"), "responsible for establishing our newest..." (statt "responsible for the establishment of our newest…").

CV - der Lebenslauf

In den USA fällt der CV (kurz für Curriculum Vitae) teils sehr lang aus. Denn wenn Sie beispielsweise in der Forschung arbeiten, können Sie auf zehn Seiten kommen, da alle Publikationen aufgelistet werden. Das Résumé ist in den USA die geläufigere Variante.

Fehler im Anschreiben, die Sie vermeiden sollten

Speziell im Cover Letter gibt es Fehler, die häufig vorkommen. "Berufsbezeichnung und technisches Fachwissen sind meist richtig übersetzt, doch Zeichensetzung und Orthografie fallen oft hinten runter", sagt die Expertin. Um dem vorzubeugen, sollten Sie auf die folgenden Fehlerquellen achten:

1. Das Datum: Schreiben Sie in die USA ("July 23rd, 2019") oder nach Großbritannien ("23 July 2019")?

2. Die Anrede: Ms. muss als Anrede verwendet werden, wenn Sie eine weibliche Person anschreiben. Als Notlösung geht immer noch "Dear Sir or Madam,". Achtung: Der erste Satz (nach dem Komma) der Anrede beginnt im Englischen mit einem Großbuchstaben.

3. "I" (ich) sollte nicht der Beginn eines jeden Satzes oder Absatzes sein.

4. Nicht einfach den Lebenslauf durchgehen, sondern beziehen Sie sich genau auf die Stelle und das Unternehmen.

5. Uneinheitlichkeit: Egal, was Sie schreiben, schreiben Sie einheitlich. "e mail" können Sie mit und ohne Bindestrich schreiben - wichtig ist, dass sie bei einer Form bleiben - in Anschreiben und CV. Und geben Sie auf allen Unterlagen die gleichen Kontaktdaten an.

6. Länder und Sprachen werden im Englischen immer großgeschrieben: German engineer und nicht german engineer.

7. "current" (aktuell) wird gern verwechselt mit "actual", dann steht in der Bewerbung zum Beispiel ins Deutsche übersetzt: "Mein eigentlicher Job", wenn Sie von ihrem aktuellen Beruf schreiben wollten.

8. "address" - im Englischen mit doppeltem d.

9. Satzzeichen: " " - Anführungszeichen immer oben, Gedankenstriche und Bindestriche unterscheiden (Gedankenstriche sind länger als Bindestriche).

10. Schluss: "I look forward to hearing from you."

Unbedingt beachten: In den USA wollen die Arbeitgeber kein Foto, keine Angabe von Alter, Nationalität, Zivilstand oder darüber, ob oder wie viele Kinder Sie haben. In Deutschland sind Fotos meist sogar gewünscht, selbst wenn Sie sich bei einem Unternehmen mit Hauptsitz in den USA bewerben. Insgesamt bleibt alles wie in einer herkömmlichen Bewerbung, wenn Sie sich in Deutschland bewerben, nur auf Englisch. Im Zweifel fragen Sie am besten nach, welche Form gewünscht ist: deutsche Bewerbung auf Englisch oder Anonymisierung (kein Geschlecht etc.).

Richtig bewerben: Diese Tipps helfen Ihnen bei Ihrer Bewerbung

In den USA ein Muss: Der Letter of Recommendation

"Bei einer Bewerbung in den USA sind Letters of Recommendation ein Muss", sagt Naithani. Dabei handelt es sich nicht etwa um Arbeitszeugnisse, sondern um sehr positive Empfehlungsschreiben.

Laut Naithani sollten Sie Ihren (früheren) deutschen Arbeitgeber bitten, einen Letter of Recommendation auf Deutsch zu schreiben - und lassen Sie diesen dann professionell übersetzen. Der Text muss richtig positiv und hochlobend geschrieben sein und sollte Formulierungen enthalten wie "whole heartedly" oder "he/she is awesome". Lassen Sie sich die Zustimmung geben für die übersetzte Version. Anschließend lassen Sie diese dann auf Firmenpapier drucken und unterschreiben. Tipp der Expertin: Wie positive Empfehlungsschreiben ausfallen, können Sie hier nachschauen.

Ein Letter of Recommendation sollte etwa eine Seite lang sein. Welche Kosten auf Sie zukommen: Jedes Arbeitszeugnis (Letter of Recommendation) kostet Naithani zufolge etwa 100 bis 130 Euro - mit professioneller Übersetzung und Beglaubigung. Ein Arbeitszeugnis ins Englische zu übersetzen, brauche viel interkulturelles und sprachliches Feingefühl und sei arbeitsintensiv, daher teurer. Zum Vergleich: Für ein Unizeugnis fallen etwa 60 bis 80 Euro für Übersetzung und Beglaubigung an, da diese standardisiert und somit auch weniger aufwendig zu übersetzen sind.

Übersetzungen, Beglaubigungen, Kosten

In den USA werden nicht alle Dokumente direkt eingefordert - zunächst nur Résumé und Anschreiben.

Alle relevanten Dokumente schon einmal übersetzen und beglaubigen zu lassen, lohnt sich für jene, die sicher sind, dass sie längerfristig im Ausland arbeiten werden. "Wer zum Beispiel eine Amerikanerin heiratet und langfristig in den USA arbeiten und leben möchte, wird sich über die Jahre häufiger auf Englisch bewerben", sagt Naithani, "und kann selbstverständlich schon direkt alles übersetzen lassen."

Wer alles auf diese Chance setzt, solle dafür ein Budget von etwa 300 bis 400 Euro einplanen - beispielsweise für professionelle Übersetzung und Lektorat des Anschreibens und CV, beglaubigte Übersetzungen von Zeugnissen und Empfehlungsschreiben. Hinzu kommen weitere Kosten, sollte der Bewerber sich für ein professionelles Bewerbungstraining auf Englisch entscheiden.

Die drei wichtigsten Unterschiede zwischen einer Bewerbung auf Englisch im deutschsprachigen Raum und einer Bewerbung für einen Job in den USA

1. Résumé: Der Lebenslauf ist im deutschsprachigen Raum maximal zwei Seiten lang. Das Résumé, das in den USA gefordert wird, ist eine Seite lang und nicht zu verwechseln mit dem CV, der über mehrere Seiten lang sein kann.

2. Foto: Bei Bewerbungen in Deutschland sind Fotos gängig. Wer ein Foto mitsendet, wirkt in der Regel sympathischer. In den USA hingegen sollten Sie unbedingt auf das Foto sowie persönliche Informationen verzichten. Das ist dort gesetzlich so geregelt, um Diskriminierung zu vermeiden. Die Expertin empfiehlt aber, auf das LinkedIn-Profil zu verweisen - wenn dies auf Englisch ist - und dort ein attraktives professionelles Foto zu haben. Zum Thema Online-Karrierenetzwerke empfiehlt die Expertin: "LinkedIn auf Englisch, Xing-Profil auf Deutsch."

3. Recommendation: Wenn Sie sich in Deutschland bewerben, dann mit Arbeitszeugnissen und eventuell Empfehlungsschreiben. "In den Vereinigten Staaten sind Letters of Recommendation unverzichtbar", sagt die Expertin. Diese Empfehlungsschreiben lesen sich persönlicher, positiver und enthusiastischer als ein Arbeitszeugnis in Deutschland. Doch in der Regel habe niemand ein Anrecht auf ein solches Schreiben. "Man holt sich diese von den Vorgesetzten ein, mit denen man sich sehr gut versteht", sagt Naithani.

Worauf Sie sich nach der schriftlichen Bewerbung auf Englisch einstellen sollten

Ein Skype-Gespräch ist der erste Schritt bei einer Bewerbung im englischsprachigen Ausland und ein möglicher letzter bei einer Bewerbung auf Englisch in Deutschland, wenn beispielsweise die letzte Entscheidungsinstanz nicht deutschsprachig ist.

insgesamt 6 Beiträge
klichti 30.08.2019
1.
Alles gut, nur die Sache mit den "letters of recommendation" ist ein Riesenproblem. Entweder man trennt sich im Streit (dann ist sowas schwer zu kriegen) oder nicht (dann ist der zukünftige ehemalige Arbeitgeber noch in [...]
Alles gut, nur die Sache mit den "letters of recommendation" ist ein Riesenproblem. Entweder man trennt sich im Streit (dann ist sowas schwer zu kriegen) oder nicht (dann ist der zukünftige ehemalige Arbeitgeber noch in der Trauer- oder gar in der Trotzphase, wenn man die Dinger braucht. Diese letters sind der Ersatz für das deutsche Arbeitszeugnis, denn das kriegt man in den USA eben nicht. Der Unfug mit den letters reißt auch in Deutschland inzwischen ein, Robert Half z.B. nimmt anscheinend keine Bewerber mehr an, ohne daß sie "letters" liefern. Hat 27 Zeugnisse vorliegen von ehemaligen Entsende-Arbeitgebern, aber ohne "letters" keine Chance. Na ja, ist sowieso eine Parasiten-Branche.
minimalist 30.08.2019
2. Letters of Recommendation
Das ist mir neu, dass man hier in den USA ein solches Schreiben braucht. Keiner der ca 30 Kandidaten hat das in den letzten Jahren bei uns eingereicht. Auch keine Kandidaten, die wir ueber Robert Half bekommen haben. Wir haben [...]
Das ist mir neu, dass man hier in den USA ein solches Schreiben braucht. Keiner der ca 30 Kandidaten hat das in den letzten Jahren bei uns eingereicht. Auch keine Kandidaten, die wir ueber Robert Half bekommen haben. Wir haben das auch nicht verlangt. Was durchaus ueblich ist, sind Referenzen. Das koennen kurze Paragraphen ueber den Kandidaten sein, oder auch werden Kontaktdaten weitergegeben. Referenzen sind ehemalige Kollegen, Chefs aber auch Untergebene.
thomasbi 30.08.2019
3. Letters of Recommendation?
Ich war 20 Jahre in den USA im IT Bereich, bei 8 verschiedenen Firmen und ich habe auch selbst Mitarbeiter eingestellt. Letters of Recommendation habe ich nie gesehen und nie gebraucht. Allerdings "Referenzen", also [...]
Ich war 20 Jahre in den USA im IT Bereich, bei 8 verschiedenen Firmen und ich habe auch selbst Mitarbeiter eingestellt. Letters of Recommendation habe ich nie gesehen und nie gebraucht. Allerdings "Referenzen", also Kontaktdaten von frueheren Arbeitskollegen oder Chefs. Wenn ich einen frueheren Chef eines Bewerbers angerufen hatte, war immer ein gute Frage: "Falls ich den Bewerber einstelle, was koennte ich tun, damit er noch besser wird ..."
Sibylle1969 30.08.2019
4.
Ich bin in der IT-Branche, und da habe ich in den letzten 10-15 Jahren fast nur noch englischsprachige Bewerbungen gebraucht. Irgendwer im Recruiting-Prozess ist immer dabei, der kein Deutsch kann. Die meisten Bewerbungen liefen [...]
Ich bin in der IT-Branche, und da habe ich in den letzten 10-15 Jahren fast nur noch englischsprachige Bewerbungen gebraucht. Irgendwer im Recruiting-Prozess ist immer dabei, der kein Deutsch kann. Die meisten Bewerbungen liefen über Headhunter, und die wollten so gut wie nie einen Cover-Letter, sondern immer nur einen CV. Ich hatte immer folgende Gliederung in meinem CV: Kontaktdaten, About me - wer bin ich und was sind meine Stärken, Top Skills, Work Experience, Education, other skills. Meine Firma geht in letzter Zeit aber wieder dazu über, Stellenausschreibungen auf Deutsch zu veröffentlichen und Bewerbungen auf Deutsch zu verlangen, denn sonst bewerben sich oft fast nur Leute, die überhaupt kein Deutsch können, obwohl die Stellenausschreibung explizit sehr gute Deutschkenntnisse verlangt hatte.
kika2012 31.08.2019
5. Ich habe in meinem Leben nur englische CVs verfasst
und zwar ohne die lächerlichen Angaben von Zivilstand, Religion oder Geburtsdatum. Das hat am Arbeitsplatz nicht zu suchen.
und zwar ohne die lächerlichen Angaben von Zivilstand, Religion oder Geburtsdatum. Das hat am Arbeitsplatz nicht zu suchen.

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