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KarriereSPIEGEL

Lebenslauf

Das denken Arbeitgeber über kranke Bewerber

Zwei Jahre krank, zwei Jahre raus aus dem Arbeitsleben. Wie verpackt man das im Lebenslauf, ohne gleich aussortiert zu werden? Ein Personalchef spricht Klartext.

DPA

Eine lange Krankheit ist überstanden - aber wie geht es weiter?

Von Adrian Schimpf
Freitag, 27.11.2015   10:11 Uhr

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Eine Leserin schreibt: Zwei Jahre hat sie nicht gearbeitet, sie war schwer krank. Danach nahm sie schnell das erstbeste Jobangebot an. Nun will sie sich beruflich weiterentwickeln. Doch sie ist unschlüssig, wie sie die Zwangspause im Lebenslauf erwähnen soll und würde am liebsten "arbeitsuchend" schreiben. Jetzt mal ehrlich, Herr Schimpf, läuten beim Personalchef die Alarmglocken, wenn er "krankheitsbedingt ohne Beschäftigung" liest?


Personalchef Adrian Schimpf antwortet:
Die oberste Grundregel bei der Erstellung des Lebenslaufs lautet: Nicht lügen. Wenn Sie zwei Jahre lang aufgrund einer Krankheit nicht arbeitsuchend waren, dann sollten Sie diesen Zeitabschnitt auch nicht so beschreiben.

Außerdem würden Sie im Einstellungsgespräch mit Sicherheit gefragt werden, warum es denn so schwierig war, einen neuen Job zu finden und warum das alles so lange gedauert hat. Dann müssten Sie entweder doch von Ihrer Erkrankung berichten, schweigen oder - nun ja - irgendeine ausgedachte Geschichte erzählen. Alles keine guten Lösungen. So geht es also auf keinen Fall.

Die zweitwichtigste Grundregel für den Lebenslauf lautet: Keine Lücken. Sie können diese zwei Jahre also auch nicht einfach unkommentiert lassen.

Zwei Jahre im Knast?

Eine Möglichkeit wäre, im Lebenslauf von einer "Auszeit aus persönlichen Gründen" zu sprechen. Das kann vieles sein: die Pflege eines Angehörigen, der Roman, den man immer mal schreiben wollte - oder eben eine Erkrankung. (Zynische Arbeitgeber würden vielleicht auch an einen Gefängnisaufenthalt denken.) Den Begriff Sabbatical würde ich nicht verwenden, weil ein Sabbatical ja immer eine freiwillige Auszeit ist. Im Einstellungsgespräch werden Sie dann natürlich nach der Auszeit und den Gründen gefragt, sie sollten darauf ehrlich antworten. Ein verständiger Arbeitgeber kann nachvollziehen, dass eine Bewerberin eine so sensible Information nicht verschriftlicht.

Die von Ihnen vorgeschlagene Angabe "Krankheitsbedingt ohne Beschäftigung" kann bei Arbeitgebern zu zwei möglichen Reaktionen führen: Entweder werden Sie "erst recht" eingeladen, weil der Arbeitgeber Angst hat, dass sich dahinter der Hinweis auf eine Behinderung versteckt und Sie ihn wegen Diskriminierung verklagen, wenn er Sie nicht zum Vorstellungsgespräch einlädt - manche Arbeitgeber ticken tatsächlich so. Oder er lädt Sie wegen der Angabe nicht ein, weil er befürchtet, dass es sich bei der Bewerberin um eine nicht voll belastbare Arbeitnehmerin handelt.

Was also schreiben, "Auszeit aus persönlichen Gründen" oder "Krankheitsbedingt ohne Beschäftigung"? Meine persönliche Meinung: Wählen Sie die Alternative, mit der Sie sich wohler fühlen. Bei mir wäre das "Krankheitsbedingt ohne Beschäftigung". Je früher man ehrlich den Grund der zweijährigen Auszeit offenlegt, desto früher bekommt man die Rückmeldung, ob der potenzielle Arbeitgeber das als Problem ansieht oder nicht. Will mich ein Arbeitgeber nicht einstellen, weil ich vor einiger Zeit Hautkrebs hatte, dann würde ich bei ihm auch nicht arbeiten wollen.

So läuft ein Job-Interview


insgesamt 114 Beiträge
Antidarwinist 27.11.2015
1.
Diese Entwürdigung mit dem "lückenlosen Lebenslauf" muss endlich aufhören. Was geht einen neuen Arbeitgeber an, was man vor 10 oder 20 Jahren NICHT getan hat? Selbst die meisten Verbrechen verjähren irgendwann. [...]
Diese Entwürdigung mit dem "lückenlosen Lebenslauf" muss endlich aufhören. Was geht einen neuen Arbeitgeber an, was man vor 10 oder 20 Jahren NICHT getan hat? Selbst die meisten Verbrechen verjähren irgendwann. Am Besten, man schreibt gleich "stellenbezogener Lebenslauf" drüber. So kann einem keiner den Vorwurf machen, das man Lücken gelassen hat.
Shelly 27.11.2015
2. Na logisch!
Die Firmen samt ihren Personalchefs sind ja so mitfühlend. Wenn man da über eine zweijährige Erkrankung redet, breitet sich tiefstes Mitgefühl aus, statt der Überlegung, ob der Mitarbeiter vielleicht wieder krank wird, [...]
Die Firmen samt ihren Personalchefs sind ja so mitfühlend. Wenn man da über eine zweijährige Erkrankung redet, breitet sich tiefstes Mitgefühl aus, statt der Überlegung, ob der Mitarbeiter vielleicht wieder krank wird, ausfällt, zu hohe Kosten verursacht, ein arbeitslebenslanges Gesundheitsrisiko ist. Und ist man schwerbehindert, reißen sich ja die Arbeitgeber geradezu um einen. Ihr Beispiel gilt vielleicht für jemand, der beim Paragliden vom Himalaya gestürzt ist, weil er Spenden für arme Bergdörfer sammeln wollte und nach vielen komplizierten Beinbrüchen jetzt wieder fit ist. Nur - das Leben und die meisten Krankheiten sind weit zynischer, genauso wie dann die Personalchefs.
sawn1979 27.11.2015
3.
Meiner Meinung nach hängt es stark von der Art der Erkrankung ab. Wenn die Frau einen schweren Autounfall mit langer Rehabilitation hatte, sehe ich kein Problem dabei, das zu erzählen oder sogar direkt im Lebenslauf zu [...]
Meiner Meinung nach hängt es stark von der Art der Erkrankung ab. Wenn die Frau einen schweren Autounfall mit langer Rehabilitation hatte, sehe ich kein Problem dabei, das zu erzählen oder sogar direkt im Lebenslauf zu erwähnen. Allerdings würde ich eher Arbeitslosigkeit erfinden als psychische Erkrankungen zuzugeben. Alle Arten von chronischen Krankheiten oder mit unklarer Prognose können problematisch sein. Sogar Krebs, wenn der Arbeitgeber fürchtet, dass der Tumor zurückkommen könnte. Hier kommt es natürlich auch darauf an, wieviele Jahre seitdem schon vergangen sind. Man kann alles angeben, was völlig ausgeheilt ist und künftig sicher keine Probleme machen wird. Wenn das nicht ganz klar ist, kann eine erfundene Geschichte besser sein. In diesem Punkt kann ich dem Personalchef eindeutig nicht zustimmen.
Kurbelradio 27.11.2015
4.
Firmen denken immer wirtschaftlich - ganz hinten, wenn überhaupt, kommt das menschliche. Von daher werden wohl die allermeisten Personalchefs sich gegen einen Bewerber entscheiden, der "krankheitsbedingt" 2 Jahre [...]
Firmen denken immer wirtschaftlich - ganz hinten, wenn überhaupt, kommt das menschliche. Von daher werden wohl die allermeisten Personalchefs sich gegen einen Bewerber entscheiden, der "krankheitsbedingt" 2 Jahre ausgefallen war. Ein Unfall, bei dem man diverse Verletzungen hatte etc...und das Ausheilen eben lange dauerte, ist da schon was anderes. Wer hat schon ständig schwere Unfälle. Eine sonstige Krankheit ist abschreckend. Auch wenn es vielleicht und eventuell Personaler gibt, die menschlich denken.
Palisander 27.11.2015
5. Da merkt man
wie verlogen die Berufswelt doch ist. Du hast gefälligst gesund zu sein, und keine Lücken im Lebenslauf haben. Es wird Zeit das Roboter one AI endlich Realität werden. Dann können sie uns Menschen endlich komplett abschaffen. [...]
wie verlogen die Berufswelt doch ist. Du hast gefälligst gesund zu sein, und keine Lücken im Lebenslauf haben. Es wird Zeit das Roboter one AI endlich Realität werden. Dann können sie uns Menschen endlich komplett abschaffen. Die müssen dann Abends nur an die Service Einheit geschlossen werden und morgens geht es munter fleissig weiter. Was für ein wunderbarer Traum für alle Betriebe.

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