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KarriereSPIEGEL

Gerichtsbeschluss

Bundespolizei darf Bewerber aufgrund ihres Charakters ablehnen

Ein 21-Jähriger wollte sich zum Bundespolizisten ausbilden lassen. Er verschwieg aber, dass gegen ihn wegen Körperverletzung ermittelt wurde. Die Bundespolizei lehnte ihn ab - zurecht, entschied nun ein Gericht.

DPA

Beamte der Bundespolizei (Symbolbild)

Dienstag, 02.04.2019   17:58 Uhr

Die Bundespolizei darf Bewerber ablehnen, wenn sie Zweifel an deren charakterlichen Eigenschaften hat. Das hat das Verwaltungsgericht Mainz am Dienstag verkündet.

Geklagt hatte ein 21-Jähriger, der im Februar von der Bundespolizei wegen charakterlicher Schwächen abgelehnt worden war. Er wollte per Eilantrag eine vorläufige Aufnahme in den Polizeidienst zum Ausbildungsbeginn am 1. März 2019 erreichen. Diesen Antrag hat das Verwaltungsgericht nun abgelehnt.

Eigene Interessen in den Vordergrund gestellt?

Der Mann hatte im Bewerbungsprozess verschwiegen, dass gegen ihn Ermittlungen wegen Körperverletzung liefen. Dieses Verfahren wurde zwar mittlerweile eingestellt. Doch weil er nicht offen damit umgegangen sei, habe der 21-Jährige die Pflicht zu wahren Aussagen gegenüber seinem Arbeitgeber ignoriert und seine eigenen Interessen in den Vordergrund gestellt, befand das Gericht.

Insbesondere von Bundespolizisten werde zudem erwartet, dass sie rechtsstaatliche Regeln beachteten. Der Vorwurf der Körperverletzung stehe im Widerspruch zum Beruf eines Polizisten, dessen Aufgabe es sei, Straftaten zu verhindern und zu verfolgen.

Wer sich bei der Bundespolizei bewerbe, müsse hohen Anforderungen an seine charakterlichen Eigenschaften gerecht werden, stellte das Verwaltungsgericht fest. Dass der 21-Jährige die Ermittlungen gegen ihn verschwiegen habe, lasse künftig ein ähnliches Verhalten befürchten.

Nun ist es an der Bundespolizei, die Bewerbung auf Grundlage des Beschlusses erneut zu prüfen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, das Gericht habe ein Urteil verkündet. Tatsächlich handelt es sich um einen Beschluss. Wir haben die Stelle korrigiert.

mes/AFP

insgesamt 12 Beiträge
dasfred 02.04.2019
1. Wozu der Aufwand
Wenn er Polizist ist braucht er auch nicht mehr zugeben, dass er Körperverletzungen begeht. Im Zweifelsfall wird das Opfer angezeigt. Hier ging es um ein Ermittlungsverfahren, nicht um ein Strafverfahren.
Wenn er Polizist ist braucht er auch nicht mehr zugeben, dass er Körperverletzungen begeht. Im Zweifelsfall wird das Opfer angezeigt. Hier ging es um ein Ermittlungsverfahren, nicht um ein Strafverfahren.
kaltmamsell 02.04.2019
2. Könnte das eine unglaublich bescheuerte Schlagzeile sein?
Es handelt sich im vorliegenden Fall um die Art und Weise, wie ein Bewerber mit der Wahrheit von Aussagen umgeht. Das ist ein Kernpunkt der Logik, die wiederum für Ermittlungsprozesse essentiell ist. Wird zur [...]
Es handelt sich im vorliegenden Fall um die Art und Weise, wie ein Bewerber mit der Wahrheit von Aussagen umgeht. Das ist ein Kernpunkt der Logik, die wiederum für Ermittlungsprozesse essentiell ist. Wird zur schwammig-volkstümlichen Umschreibung das Stichwort "Charakter" erwähnt, denkt jeder Leser, aha, der Kandidat ist etwas zu ruppig oder etwas zu sanft. Dabei geht es um ganz andere Punkte. Eine echt bekloppte Berichterstattung.
c.PAF 03.04.2019
3.
"Der Vorwurf der Körperverletzung stehe im Widerspruch zum Beruf eines Polizisten, dessen Aufgabe es sei, Straftaten zu verhindern und zu verfolgen." Ok, wenn ich einen Bundespolizisten nicht mag, reicht es also, ihm [...]
"Der Vorwurf der Körperverletzung stehe im Widerspruch zum Beruf eines Polizisten, dessen Aufgabe es sei, Straftaten zu verhindern und zu verfolgen." Ok, wenn ich einen Bundespolizisten nicht mag, reicht es also, ihm Körperverletzung vorzuwerfen, um ihn aus dem Dienst zu entfernen? Sorry, aber (nicht nur) dieser Satz ist doch Käse...
fatherted98 03.04.2019
4. Für so was...
...reicht schon eine Schubserei in einer Kneipe. Das der Bewerber es beim Gespräch nicht gesagt hat, ist meiner Meinung nach sein gutes Recht...er war weder verurteilt noch angeklagt....das ermittelt wird/wurde sagt nichts über [...]
...reicht schon eine Schubserei in einer Kneipe. Das der Bewerber es beim Gespräch nicht gesagt hat, ist meiner Meinung nach sein gutes Recht...er war weder verurteilt noch angeklagt....das ermittelt wird/wurde sagt nichts über Schuld oder Unschuld aus und hat deshalb im Bewerbungsgespräch nichts zu suchen.....seine Sache....Charakterschwäche....übler Vorwurf....wäre wohl eher der Fall wenn er Drogen, Alkoholabhängig wäre oder Spielsüchtig.
frenchie3 03.04.2019
5. Schon interessant
Da darf man beim Vorstellungsgespräch lügen daß die Balken biegen außer wenn man durch eine Verurteilung (Bankräuber) für den Posten (Geldtransporter) ungeeignet ist. Das mit der verbüßten Strafe und zweiten Chance lassen [...]
Da darf man beim Vorstellungsgespräch lügen daß die Balken biegen außer wenn man durch eine Verurteilung (Bankräuber) für den Posten (Geldtransporter) ungeeignet ist. Das mit der verbüßten Strafe und zweiten Chance lassen wir mal beiseite. Und der Bub war noch nicht mal verurteilt! Nee Leute, von einem kriminellen Polizisten will ich auch nicht behandelt werden. Aber ein Ausbildung "auf Probe" , ggf unter Auflagen, dünkt mir vernünftig

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