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KarriereSPIEGEL

Lehrerstreik in Chicago

Unterrichtsausfall für 300.000 Schüler

Seit vier Tagen hat fast ganz Chicago schulfrei. Der Grund: 25.000 Lehrer an öffentlichen Schulen streiken für mehr Personal und bessere Bezahlung. Ein Ende der Proteste scheint nicht in Sicht.

Scott Olson/ AFP

Seit Donnerstag haben Zehntausende Lehrer in Chicago ihre Arbeit niedergelegt

Dienstag, 22.10.2019   15:08 Uhr

Seit Donnerstag gehen rund 25.000 Lehrer in Chicago für höhere Gehälter, mehr Personal und kleinere Klassen auf die Straße. Vertreter der öffentlichen Schulen in der Stadt teilten mit, dass der Unterricht sowie alle Veranstaltungen an Nachmittagen für 300.000 Schüler bis auf Weiteres ausfielen.

Die Lehrergewerkschaft Chicago Teachers Union hatte zu den Streiks aufgerufen, nachdem sich Stadt und Gewerkschaft bei vorherigen Verhandlungen nicht über die Gehälter sowie Maßnahmen gegen Personalmangel und überbelegte Schulen einigen konnten.

So fordert die Gewerkschaft unter anderem, dass jede öffentliche Schule in Chicago mit einem Bibliothekar und einem Sozialarbeiter in Vollzeit ausgestattet werden soll. Gleichzeitig sollen sich auch die sozialen Bedingungen der Schüler und ihrer Familien verbessern, zum Beispiel in Bezug auf bezahlbare Wohnungen.

Jesse Sharkey, Präsident der Gewerkschaft, sagte auf einer Veranstaltung, dass die aktuellen Vorschläge und Maßnahmen der Chicagoer Regierung nicht ausreichten. "Wenn es an der Spitze dieser Stadt keine Bereitschaft gibt, um wirklich etwas zu verändern, wird es wahrscheinlich kein schnelles Ende der Streiks geben", so Sharkey.

Bürgermeisterin Lori Lightfoot forderte die Lehrer unterdessen auf, wieder zu unterrichten, während die Regierung mit der Gewerkschaft verhandeln würde: "Genug ist genug, es gibt keine weitere Entschuldigung, die Kinder aus der Schule fernzuhalten."

Die Stadt hätte schriftliche Vorschläge für mehr Personal und bessere Bezahlung gemacht. Allerdings müsste auch die Lehrergewerkschaft dringend Bereitschaft zeigen, sich schnell zu einigen, sagte Lightfoot auf einer Veranstaltung. Auf Twitter äußerte sie sich ähnlich.

Das wiederum kommt für die Gewerkschaft nicht infrage: "Wir können nicht darauf vertrauen, dass die Schulen in Chicago die Schüler richtig behandeln, wenn wir ohne Vertrag zurückkehren", teilte die Chicago Teachers Union auf Twitter mit.

Obwohl der Unterricht ausfällt, sind die Schulen aber nach wie vor geöffnet, damit Schüler sich zumindest darin aufhalten und essen können.

Vor sieben Jahren hatte schon einmal ein Lehrerstreik die Schulen in Chicago lahmgelegt. Damals konnten mehr als 350.000 Schüler und Kindergartenkinder über eine Woche lang nicht zur Schule gehen.

faq/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
spiegerlguckerl 22.10.2019
1. Ein Hoffnungsschimmer in dunkler Zeit
"Wir können nicht darauf vertrauen, dass die Schulen in Chicago die Schüler richtig behandeln, wenn wir ohne Vertrag zurückkehren" - ganz richtig. Denn der Real Existierende Amerikanische [...]
"Wir können nicht darauf vertrauen, dass die Schulen in Chicago die Schüler richtig behandeln, wenn wir ohne Vertrag zurückkehren" - ganz richtig. Denn der Real Existierende Amerikanische Bankrottokleptocasinokapitalismus ist nicht an selbständig-kritischem Denken fördernder Pädagogik, und deshalb schon garnicht an entsptechend ausgebildeten und bezahlten Pädagogen, sondern an williges Ausbeutepräkariat interessiert. Das ist alles natürlich "zum Wohl der Kinder" gemeint, die als Ungeborene, also politisch nützliche Stimmungsmachemasse geschützt, als Mensch aber nach der Geburt rücksichtslos dem Schicksal des Leibeigenen überlassen werden. Lebte Charles Dickens heute in Chicago, er hätte an einem Leben nie genug, um das was er sähe zu beschreiben.
udo46 24.10.2019
2.
zu Nr. 1 Sie haben vollkommen recht. Es geht ja hier auch um die staatlichen Schulen. Teure private und religiös ausgerichtete Schulen oder auch Homeschooling oder im schlimmsten Fall gar keine Erziehung haben indessen [...]
zu Nr. 1 Sie haben vollkommen recht. Es geht ja hier auch um die staatlichen Schulen. Teure private und religiös ausgerichtete Schulen oder auch Homeschooling oder im schlimmsten Fall gar keine Erziehung haben indessen Hochkonjunktur. Schon lange wird von interessierter Seite die öffentliche Schule in den USA in Misskredit gebracht und von der Politik vernachlässigt.

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