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Dax-Konzerne

Sollten ältere Mitarbeiter aussortiert werden?

Einige Dax-Konzerne wollen ältere Mitarbeiter in die Frührente schicken, weil sie zu wenig von der Digitalisierung verstehen. Im Interview erklärt Ökonom Enzo Weber, warum das der falsche Weg ist.

imago images/photothek

VW-Mitarbeiter (Archiv)

Von Franca Quecke
Mittwoch, 17.04.2019   16:56 Uhr

Sind die Babyboomer, also diejenigen, die Mitte der Fünfzigerjahre bis Mitte der Sechzigerjahre geboren worden sind, in Unternehmen zukünftig nicht mehr gefragt? Dax-Konzerne wie SAP, Bayer oder Volkswagen wollen sich laut der Nachrichtenagentur AFP teilweise von älteren Beschäftigten trennen, weil sie nicht die erforderlichen Fähigkeiten hätten, die in Zeiten der Digitalisierung gebraucht würden.

Mit großen Abfindungs- und Frühverrentungsprogrammen wollen die Unternehmen Tausende ältere Mitarbeiter loswerden, wie verschiedene Medien berichten.

Ökonom Enzo Weber widerspricht: Viele Unternehmen seien angesichts des Fachkräftemangels auf ältere Arbeitnehmer angewiesen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Weber, gibt es bald keine älteren Mitarbeiter mehr in Unternehmen?

Enzo Weber: Der Trend insgesamt geht eindeutig in die andere Richtung: Im Zuge des demografischen Wandels werden wir immer mehr ältere Beschäftigte in Unternehmen haben. Die Erwerbsquoten der Älteren steigen, die Entlassungsquoten sinken insgesamt stark, mittlerweile auf ein Rekordtief seit der Wiedervereinigung. Viele Unternehmen versuchen, ältere Beschäftigte selbst dann noch zu halten, wenn diese eigentlich schon Rentenansprüche haben.

SPIEGEL ONLINE: Älteren Mitarbeitern wird häufig unterstellt, kaum digitale Kompetenzen zu haben.

Weber: In manchen Fällen kann es schon sein, dass bestimmte Kompetenzen von älteren Beschäftigten heute eher weniger gefragt sind.

SPIEGEL ONLINE: Warum ist es dann so wichtig, ältere Beschäftigte zu halten?

Weber: Der demografische Wandel wird dazu führen, dass die Arbeitnehmerschaft immer weiter altert. Daher ist es ganz entscheidend, das Potenzial von älteren Beschäftigten aktiv zu nutzen.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann das gehen?

Weber: Unternehmen und Arbeitsmarktpolitik können dazu viel beitragen, wenn die digitalen Kompetenzen der Babyboomer weiterentwickelt oder Arbeitnehmer in benachbarte Bereiche mit Fachkräfteengpässen vermittelt werden, anstatt sie vorzeitig in Rente zu schicken.

SPIEGEL ONLINE: Wie können Unternehmen ältere Beschäftigte noch bei sich halten?

Weber: Bei den Angeboten, die gemacht werden, geht es in erster Linie nicht um mehr Geld, sondern um kürzere und flexiblere Arbeitszeiten - das ist das, was sich viele ältere Beschäftigte wünschen.

SPIEGEL ONLINE: Welche Unternehmen leiden am meisten unter dem Fachkräftemangel?

Weber: Kleine Unternehmen haben die größten Engpässe an Fachkräften, das betrifft gerade Berufe im sozialen und gesundheitlichen sowie im technischen Bereich. Die Betriebe wissen: Wenn sie neu einstellen müssen, dann wird das schwierig, es dauert lange und es wird teuer. Das versuchen sie, so weit wie möglich zu vermeiden.

insgesamt 90 Beiträge
53er 17.04.2019
1. Trennen dürfen die sich gerne,
aber nur gegen entsprechende Zahlungen an die Rentenkasse. Der Betrag, den der zwangsweise Rentner bis zum regulären Renteneintritt einbezahlt hätte (natürlich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zusammen) ist dann zu [...]
aber nur gegen entsprechende Zahlungen an die Rentenkasse. Der Betrag, den der zwangsweise Rentner bis zum regulären Renteneintritt einbezahlt hätte (natürlich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge zusammen) ist dann zu begleichen inklusive entsprechenden Abfindungen an die geschassten Arbeitnehmer. Sollten die Konzerne wiedermal mit CDU/CSU Unterstützung drumherumkommen, muss uns die jeweils amtierende Regierung stichhaltig begründen, warum der Rest dann bis 67 oder gar 70 arbeiten soll. Ich bin dann mal auf die Antwort gespannt.
spiegkom 17.04.2019
2. Passt nicht
1. Überschrift passt nicht. 2. Ein Wahnsinns-Interview. 3. Ist halt SPON.
1. Überschrift passt nicht. 2. Ein Wahnsinns-Interview. 3. Ist halt SPON.
eigene_meinung 17.04.2019
3. Altersdiskriminierung
Altersdiskriminierung ist in diversen Konzernen schon seit Jahren Brauch. Man versucht es mit Frühverrentung, "Altersteilzeit", Abfindungen, etc. Und wenn das nicht klappt, ist Mobbing angesagt. Bis die Betroffenen [...]
Altersdiskriminierung ist in diversen Konzernen schon seit Jahren Brauch. Man versucht es mit Frühverrentung, "Altersteilzeit", Abfindungen, etc. Und wenn das nicht klappt, ist Mobbing angesagt. Bis die Betroffenen aufgeben oder krankheitsbedingt aufhören müssen.
max-mustermann 17.04.2019
4.
Ja ja und dann schreien wir wieder Fachkräftemangel, schon klar.
Ja ja und dann schreien wir wieder Fachkräftemangel, schon klar.
bluebill 17.04.2019
5. Nicht nur in DAX-Konzernen.
So verfahren auch kleinere Unternehmen, die es verpasst haben, ihr Angebot den steigenden Anforderungen anzupassen und ihr Heil in Kostensenkung suchen. Da sind ältere Mitarbeiter gerne Opfer von Mobbing und Schikane. Sie werden [...]
So verfahren auch kleinere Unternehmen, die es verpasst haben, ihr Angebot den steigenden Anforderungen anzupassen und ihr Heil in Kostensenkung suchen. Da sind ältere Mitarbeiter gerne Opfer von Mobbing und Schikane. Sie werden dann wegen jeder Nichtigkeit angeprangert, abgemahnt, bedroht, zum "freiwilligen" Aufhören gedrängt. Ihre Rechte werden gar nicht beachtet. Nicht jeder hat die Nerven, das auszusitzen bis zum Gericht, auch wenn er alle Chancen der Welt hätte, zu gewinnen. - Natürlich sind diese Unternehmen dem Untergang geweiht. Attraktive Löhne für junge Fachkräfte wollen sie auch nicht zahlen, sie suchen also Billigkräfte, also Einsteiger - aber die bleiben nicht lange. Die kurzsichtige Fixierung darauf, die vergleichsweise hohen Gehälter erfahrener Mitarbeiter einzusparen, mündet darin, dass sie gar niemanden mehr haben, der für sie arbeitet.

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