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KarriereSPIEGEL

Umfrage zum pädagogischen Fachkräftemangel

Fast allen Kitas fehlt Personal

Neun von zehn Kitas in Deutschland haben zu wenig Fachkräfte, um eine hohe Betreuungsqualität aufrechtzuerhalten. Das zeigt eine neue Studie des Verbands Bildung und Erziehung.

Getty Images

Erzieherin mit Kita-Kindern (Archivfoto): "Zunehmend bessere Verwahranstalten"

Mittwoch, 27.03.2019   16:10 Uhr

In Deutschlands Kitas herrscht Personalnot. Das ergab eine repräsentative Befragung unter mehr als 2600 Kitaleiterinnen und -leitern, deren Ergebnisse der Verband für Bildung und Erziehung (VBE) am Mittwoch in einer Studie vorgestellt hat. Knapp 90 Prozent der befragten Kitas gaben an, in den letzten zwölf Monaten mit zu wenig Personal gearbeitet zu haben.

Von Wissenschaftlern gebe es die Empfehlung, dass mindestens eine Fachkraft für drei unter dreijährige Kinder (U3) da sein sollte, sagte VBE-Chef Udo Beckmann. Bei über Dreijährigen (Ü3) liege der statistische Betreuungsschlüssel bei 1:7,5. Dies sei aber in der Praxis die absolute Ausnahme.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass rund 95 Prozent der Kitas eine Fachkräfte-Kind-Relation im U3-Bereich habe, die unterhalb der wissenschaftlichen Empfehlung liege. Im Ü3-Bereich ist bei rund 79 Prozent der Einrichtungen eine Fachkraft für mehr als acht Kinder zuständig. Die einst weltweit vorbildlichen deutschen Kindergärten würden "zunehmend bessere Verwahranstalten, die ihrem Bildungsauftrag trotz aller Anstrengungen nicht gerecht werden können", so Beckmann.

Viele der betroffenen Einrichtungen mussten wegen des Fachkräftemangels Angebote für die Kinder vorübergehend reduzieren: In 86 Prozent der Fälle fanden zum Beispiel weniger Ausflüge statt. Knapp 20 Prozent der Kitas gaben an, die Gruppen vorübergehend zu vergrößern. In einigen Fällen (10,8 Prozent) mussten Gruppen zeitweise geschlossen und Öffnungszeiten angepasst werden (16,2 Prozent).

Stellen bleiben länger unbesetzt

Etwa 70 Prozent der Kitaleitungen brauchen wegen des leergefegten Arbeitsmarkts mindestens drei Monate zur Nachbesetzung offener Stellen. In Großstädten benötigen 40 Prozent der Befragten im Schnitt sogar länger als fünf Monate.

Die meisten Kitaleiter litten zudem unter mangelnder Wertschätzung und schlechter Bezahlung ihrer Arbeit sowie unter zunehmender Bürokratie. Fast 77 Prozent der Befragten sehen sich noch mit dem Vorurteil konfrontiert: "Wir spielen, basteln und betreuen die Kinder nur." Das sind etwas mehr als ein Jahr zuvor. Die Ergebnisse der zum fünften Mal durchgeführten Umfrage zeigten bislang "keine spürbaren Verbesserungen in der täglichen Arbeitssituation", heißt es im Fazit der Studie.

Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte vor Kurzem einen strukturellen Personalmangel bei Erzieherinnen und Erziehern festgestellt. (Einzelheiten dazu finden Sie hier.) Das Bundesfamilienministerium will die Länder von Sommer 2019 bis 2022 mit rund drei Millionen Euro unterstützen, um mehr Kita-Fachkräfte zu gewinnen.

ngo/dpa

insgesamt 19 Beiträge
frank-xps 27.03.2019
1. das wird sicher ganz toll
Wenn all die Erzieher für die KiTas und die Lehrer für die Schulen und die fehlenden JVA Beamten und Polizisten die Altenpfleger und all die Integrationshelfer und Sozialarbeiter wenn all die erstmal eingestellt sind. Dann ist [...]
Wenn all die Erzieher für die KiTas und die Lehrer für die Schulen und die fehlenden JVA Beamten und Polizisten die Altenpfleger und all die Integrationshelfer und Sozialarbeiter wenn all die erstmal eingestellt sind. Dann ist das Himmelreich auf erden gekommen. Nur keiner arbeitet dann mehr in der Wirtschaft aber das erzeugt eh nur CO² wohingegen Moralismus Nestwärme und Selbsterhöhung emittiert. Nur bezahlen kann das dann am ende niemand mehr. Was interessiert dieses argument aber schon einen engagierten Medienschaffenden.
sunnys1deup 27.03.2019
2. ... gleiches Problem in den Schulen
Erstaunlich, dass erst der Etat des Ministeriums für Bildung zusammengestrichen wurde. In den Schulen zeichnet sich das gleiche Bild ab.... keine Woche vergeht, in der mindestens 3 Schulstunden unserer Schulkinder ( Grundschule [...]
Erstaunlich, dass erst der Etat des Ministeriums für Bildung zusammengestrichen wurde. In den Schulen zeichnet sich das gleiche Bild ab.... keine Woche vergeht, in der mindestens 3 Schulstunden unserer Schulkinder ( Grundschule und Realschule) ausfallen.... aber... Entschuldigung , die fallen ja laut der gefälschten Statistik nicht aus, sondern werden mit Vertretungsstunden ausgeglichen. Da wird dann Sudoku statt Mathe gemacht bzw. in den Grundschulen Bilder gemalt. Den Ausgeleichs-Unterricht erledigen dann WIR oder bei denen, die sich es leisten können das Nachhilfe-Institut. Wir sind froh, wenn unsere Kinder durch dieses Bildungssystem durch sind. Allgemein gesagt: Man kann Inklusion, frühere Einschulung , Integration und Frühförderung in den Kindergärten und auch in den Schulen unterstützen, aber dazu braucht es MEHR QUALIFIZIERTES PERSONAL IN KINDERGÄRTEN GENAUSO WIE IN SCHULEN!!
misterknowitall2 27.03.2019
3. Wieso der Sarkasmus?
Was genau stört sie denn jetzt? Dass wir eine Dienstleistungsgesellschaft werden? Oder dass wir Pfleger, Erzieher, Polizisten, Richter, Sozialarbeiter brauchen? Oder meinen Sie, dass Sie allein dafür aufkommen müssen und [...]
Zitat von frank-xpsWenn all die Erzieher für die KiTas und die Lehrer für die Schulen und die fehlenden JVA Beamten und Polizisten die Altenpfleger und all die Integrationshelfer und Sozialarbeiter wenn all die erstmal eingestellt sind. Dann ist das Himmelreich auf erden gekommen. Nur keiner arbeitet dann mehr in der Wirtschaft aber das erzeugt eh nur CO² wohingegen Moralismus Nestwärme und Selbsterhöhung emittiert. Nur bezahlen kann das dann am ende niemand mehr. Was interessiert dieses argument aber schon einen engagierten Medienschaffenden.
Was genau stört sie denn jetzt? Dass wir eine Dienstleistungsgesellschaft werden? Oder dass wir Pfleger, Erzieher, Polizisten, Richter, Sozialarbeiter brauchen? Oder meinen Sie, dass Sie allein dafür aufkommen müssen und fürchten sich ob der Ausgaben? Und bezahlen können wir das locker. Dann gibt's eben ein paar Panzer weniger. Das Problem ist eher, dass wir die Leute dafür nicht haben.
Freier.Buerger 27.03.2019
4. 1:3 für U3
Der Betreuungsschlüssel für U3 jährige ist echt irre. Wenn ich 1:3 dauerhaft gewährleisten will, braue ich wegen Urlaub, Krankheit, Weiterbildung etc. 3 Erzieher/innen für eine 6er Krabbelgruppe ?! Ein Elternteil (m/w) mit 2 [...]
Der Betreuungsschlüssel für U3 jährige ist echt irre. Wenn ich 1:3 dauerhaft gewährleisten will, braue ich wegen Urlaub, Krankheit, Weiterbildung etc. 3 Erzieher/innen für eine 6er Krabbelgruppe ?! Ein Elternteil (m/w) mit 2 kleinen Kinder lässt diese von einer Person fremdbetreuen, damit er/sie ein paar Stunden arbeiten kann. Das ist Fortschritt? Das bedeutet auch Investition in ein kindgerechtes Gebäude mit allen Extras, Sanitär, Möbel, Spielzeug... während das gleiche dann von 8:00 bis 15..16:00 zu Hause ungenutzt ist. Heizen, holen und bringen... Das ist volkswirtschaftlich und ökologisch... Ich habe Bedenken, dass etwas anderes als drei Punkte gegen die Netiquette verstoßen würde.
zahlenschubse 27.03.2019
5.
Umso weniger verstehe ich, dass das vorhandene Personal sich nicht eine goldene Nase verdient. Stattdessen werden die Erzieher/innen, zumindest in den Krippen meines Wohnortes, verheizt. Burnout, ständige Wechsel wegen [...]
Umso weniger verstehe ich, dass das vorhandene Personal sich nicht eine goldene Nase verdient. Stattdessen werden die Erzieher/innen, zumindest in den Krippen meines Wohnortes, verheizt. Burnout, ständige Wechsel wegen schlechter (menschlicher) Führung. Rein wirtschaftlich gesehen, ist das für mich absolut nicht nachzuvollziehen - von beiden Seiten.

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