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KarriereSPIEGEL

Unzufriedene Azubis

Lässig wie Tim Mälzer - von wegen

Deutsche Azubis sind mit ihren Lehrstellen so unzufrieden wie nie, zeigt eine DGB-Umfrage. Kritikpunkte: schlechte digitale Ausstattung und Überstunden. Von der Arbeitgeberseite kommt Kritik zurück.

Jochen Zick/ Keystone/ picture alliance/ DPAPA

Ausbildungsreport 2019: Ausbildung zum Koch wurde am schlechtesten bewertet

Von Franca Quecke
Donnerstag, 29.08.2019   19:18 Uhr

Knapp 70 Prozent der deutschen Lehrlinge geben an, mit ihrer Ausbildung "zufrieden" oder "sehr zufrieden" zu sein. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2019 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. Das sei der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung vor 13 Jahren, sagte die DGB-Bundesjugendsekretärin Manuela Conte am Donnerstag in Berlin. Vor zehn Jahren seien es noch 75,5 Prozent gewesen.

Mehr als ein Drittel der Befragten klagte über regelmäßig anfallende Überstunden. Fast jeder achte Jugendliche unter 18 Jahren gab an, verbotenerweise mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten - vor einem Jahr war es jeder zehnte.

Vor allem bei der Digitalisierung ist dem Bericht zufolge noch "viel Luft nach oben": Fast jeder zweite Lehrling ist demnach der Meinung, nicht gezielt für digitale Technologien qualifiziert zu werden. Ein Grund dürfte die digitale Ausstattung der Berufsschulen sein, die knapp ein Drittel als "ausreichend" oder "mangelhaft" bewertet.

Jeder zweite Koch bricht vorzeitig die Ausbildung ab

Industriemechaniker, Verwaltungsfachangestellte und Industriekaufleute bewerteten ihre Ausbildung am besten. Am schlechtesten schnitten die Ausbildungen zum Koch, Friseur, Maler, Lackierer sowie Hotelfachmann/-frau ab - die auch in den vergangenen Jahren häufig als mittel bis sehr schlecht bewertet wurden. Der DGB-Umfrage zufolge bricht fast jeder zweite Koch die Ausbildung vorzeitig ab.

Die Schuld liege aber nicht unbedingt bei den Betrieben, meint Ulrike von Albedyll, Landesgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes e.V. in Hamburg. Sie glaubt, dass die hohe Abbrecherquote vor allem damit zu tun hat, dass viele Auszubildende falsche Erwartungen an die Lehrstelle haben: "Sie sehen den Koch Tim Mälzer lässig im Fernsehen und denken, so würde auch die Ausbildung ablaufen."

Die Arbeit als Koch sei körperlich anspruchsvoll, die Gäste seien hin und wieder kritisch und der Umgangston in der Küche auch schon mal rau - das würden viele nicht beachten, wenn sie sich für eine Ausbildung entscheiden.

Mehr zur Studie

Wer wurde befragt?
Für die Studie wurden 16.181 Auszubildende in den 25 am häufigsten frequentierten Ausbildungsberufen befragt.
Wann wurden die Azubis befragt?
Die Jugendlichen wurden von September 2018 bis April 2019 interviewt. Die Befragung der Auszubildenden fand überwiegend bei den Berufsschultouren der Gewerkschaftsjugend statt. Dabei handelt es sich um Bildungsangebote für Schüler von Oberstufenzentren und Berufsschulen. Die Befragung wurde schriftlich durchgeführt.
Welche Kriterien sind in die Gesamtbewertung eingeflossen?
Bei der Gesamtbewertung der Ausbildungen wurden vier Kriterien berücksichtigt: "Fachliche Qualität der Ausbildung im Betrieb", "Ausbildungszeiten und Überstunden", "Ausbildungsvergütung", "Persönliche Beurteilung der Ausbildungsqualität". Alle Kriterien sind mit der gleichen Gewichtung in das Ranking eingegangen.
Wie aussagekräftig sind die Ergebnisse?
Um die Vergleichbarkeit der Angaben zu gewährleisten, wurden ausschließlich Erhebungsdaten von Auszubildenden, die sich innerhalb einer betrieblichen Ausbildung (duales System) befinden, in die Stichprobe einbezogen. Um in der Gesamtdarstellung Verzerrungen durch die Über- oder Unterrepräsentanz einzelner Berufe in der Stichprobe auszugleichen, wurden die einzelnen Berufe in den Auswertungen gemäß ihres tatsächlichen Anteils an Auszubildenden gewichtet. Aufgrund der hohen Anzahl der Befragten ist die Signifikanz der Ergebnisse gesichert.

Regelmäßige Überstunden, Druck durch die Kunden

Dem DGB-Bericht zufolge sind durchaus die Arbeitsbedingungen ein Grund für die Unzufriedenheit: Rund 52 Prozent der Köche sowie 57 Prozent der Hotelfachleute gaben an, regelmäßig Überstunden machen zu müssen.

"Die Branche richtet sich eben nach dem Gast", hält von Albedyll dagegen. "Außerdem verstärkt der Fachkräftemangel zusätzlich, dass auch mal mehr angepackt werden muss." Allerdings würden gerade große Betriebe mittlerweile viel versuchen, um ihre Auszubildenden zu halten - zum Beispiel, indem sie sie ins Ausland schicken, um dort Erfahrungen zu sammeln.

Ein Blick auf den Arbeitsmarkt zeigt, wie sehr Betriebe auf junge Fachkräfte angewiesen sind. Zwar kommen auf 100 junge Menschen, die eine Lehrstelle suchen, knapp 97 Lehrstellen. Trotzdem blieb dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr jeder zehnte Platz unbesetzt.

"Die Möglichkeiten der Auszubildenden, einen anderen Ausbildungsplatz zu finden, sind heutzutage so gut, dass sie schneller das Handtuch werfen, sobald sie unzufrieden sind", glaubt Kirsten Kielbassa-Schnepp, die als Bildungsreferentin beim Zentralband des Deutschen Handwerks arbeitet.

Gerade in Dienstleistungsberufen wie Friseur oder als Maler würde das häufiger mal der Fall sein: "Anders als Zahntechniker im Labor sind Azubis auf der Baustelle oder im Friseursalon direkt im Kontakt mit den Kunden und deren Erwartungen. Das erzeugt Druck, den natürlich auch die Azubis spüren."

insgesamt 47 Beiträge
disch73 29.08.2019
1. Komische Stellungnahme
Der Ton is halt rau, Überstunden sind ja normal und der Azubi is halt dumm aufgrund falscher Erwartungen. Na, da würd ich auch abbrechen, schräg.
Der Ton is halt rau, Überstunden sind ja normal und der Azubi is halt dumm aufgrund falscher Erwartungen. Na, da würd ich auch abbrechen, schräg.
Mindbender 29.08.2019
2. .
Wenn ich noch mal "Digitalisierung" lese beiße ich in die Auslegeware... was bitte will ein Kochlehrling mit "Digitalisierung"? Seinen Thermomix programmieren oder Rezepte aus dem Internet bekommen?
Wenn ich noch mal "Digitalisierung" lese beiße ich in die Auslegeware... was bitte will ein Kochlehrling mit "Digitalisierung"? Seinen Thermomix programmieren oder Rezepte aus dem Internet bekommen?
matbhmx 29.08.2019
3. Natürlich sind die Azubis heute ...
... unzufriedener denn je! Überstunden? Was ist denn das? Die Generation ist einfach stinkfaul! Berufswunsch: Multimillionär! Und dann in der einen Hand am Pool das Gläschen Schampus und in der anderen das Häppchen mit Kaviar.
... unzufriedener denn je! Überstunden? Was ist denn das? Die Generation ist einfach stinkfaul! Berufswunsch: Multimillionär! Und dann in der einen Hand am Pool das Gläschen Schampus und in der anderen das Häppchen mit Kaviar.
sough 29.08.2019
4. niemals
würde ich mit meinen kollegen in der küche tauschen wollen ... maximal im winter, wenn es da immer noch 30 grad hat und draußen -10. ne spass beiseite: "der ton ist rau" ist mega untertrieben, leistung auf den [...]
würde ich mit meinen kollegen in der küche tauschen wollen ... maximal im winter, wenn es da immer noch 30 grad hat und draußen -10. ne spass beiseite: "der ton ist rau" ist mega untertrieben, leistung auf den punkt genau bei einem gewissen lärmpegel ist angesagt, wer das nicht erfüllt, ist raus. und dann das ganze immer wieder. und wieder. und wieder. "kochen" ist romantisiert worden in letzter zeit. tatsächlich wollen alle nur pute, schnitzel, leber oder zander .............btw schon mal 100 oder 200 beilagensalate gemacht nebenher? viel geschrei, nach der schicht haben sich dann alle wieder lieb, wirklich. viele küchen/köche lassen noch nichtmal die schlichteste konversation zu während ihrer dienstzeit (ich bin perfekt, lass mich in ruhe weiter den gleichen shice machen). ich kann das direkt (es gibt keine/n nachfolger in meinem betrieb) und indirekt (niemals würde ich in der gastro chef werden wollen) nachvollziehen. Macht mir spass, aber jeden abend, jedes wochenende, ja immer dann, wenn die leute feiern, arbeiten zu müssen (und als selbstständiger weit darüber hinaus), ist kein lebensziel für niemanden mehr. liegt nicht an der generation smartphone, es ist einfach nur unglaublich undankbar und überreguliert geworden. gäbs das trinkgeld nicht (oder unsere lieben gewählten parteien würden es versteuern), gäbe es auch plötzlich keine servicekräfte mehr. so wie mich. ich wär dann raus aus der gastro, so wie viele studenten auch. dann setz ich mich lieber hin und pflege datenbanken von 8-16
nanonaut 29.08.2019
5. "Traumberuf Koch"
Auf Youtube gibt es unter dem oben genannten Titel eine ZDF-Doku, nach der jeder von diesem Ausbildungsberuf weiten Abstand nehmen sollte. Brüllende Höhlenmenschen mit Kochhut jagen milchgesichtige Azubis durch die Gegend, die [...]
Auf Youtube gibt es unter dem oben genannten Titel eine ZDF-Doku, nach der jeder von diesem Ausbildungsberuf weiten Abstand nehmen sollte. Brüllende Höhlenmenschen mit Kochhut jagen milchgesichtige Azubis durch die Gegend, die hauptsächlich anstrengende, eintönige Hilfsarbeiten im Umfeld der Küche verrichten. Das sind zu 99% Tätigkeiten mit null Ausbildungsrelevanz, für die regulären Hilfsarbeitern der Mindestlohn zu bezahlen wäre. Unter dem Mantel der sogenannten "Ausbildung" halten sich die Hotel- und Restaurantküchen mit teilweise weit über 12 Stunden und 12 Euro pro Tag ultrabillige Lohnsklaven, die dann auch noch wie Dreck behandelt werden.

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