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KarriereSPIEGEL

DGB-Studie

Weiterbildung ist für viele Arbeitslose unattraktiv

Die Mehrheit der Arbeitslosen in Deutschland ist ungelernt. Trotzdem bildet sich kaum jemand fort, beklagt der Deutsche Gewerkschaftsbund. Woran liegt das?

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Dienstag, 15.10.2019   12:05 Uhr

Mehr als jeder zweite Arbeitslose in Deutschland hat keinen Berufsabschluss. Das geht aus einem Papier des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor.*

Demnach waren im vergangenen Jahr 52,6 Prozent der Arbeitslosen ohne Berufsabschluss.

Von den durchschnittlich knapp 802.000 Arbeitslosengeldempfängern im Jahr 2018 hätten gerade einmal 5,7 Prozent eine abschlussbezogene Weiterbildung absolviert. Noch niedriger sind die Zahlen, nimmt man nur die Hartz-IV-Empfänger in den Blick. Laut dem DGB-Papier haben nur 1,4 Prozent von ihnen im vergangenen Jahr an einer abschlussbezogenen Weiterbildung teilgenommen.

Ohne Berufsausbildung steigt das Risiko der Arbeitslosigkeit deutlich. Das bestätigen auch die jüngsten Zahlen des Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach lag die Arbeitslosenquote bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung im vergangenen Jahr bei 3,4 Prozent. Bei Personen ohne Berufsausbildung war sie dagegen mit 17,4 Prozent mehr als fünfmal so hoch.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach forderte die Bundesregierung auf, das Nachholen eines Berufsabschlusses stärker mit finanziellen Anreizen zu fördern. "Ohne eine bessere finanzielle Unterstützung für Arbeitslose wird das Recht auf das Nachholen des Berufsabschlusses ein leeres Versprechen des Arbeitsministers bleiben", sagte Buntenbach. Die Einführung eines solchen Rechts war kürzlich im Rahmen der Nationalen Weiterbildungsstrategie vereinbart worden.

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Um Betroffene besser zu motivieren, schlägt der DGB für die Dauer einer abschlussbezogenen Weiterbildung eine Erhöhung des Arbeitslosengeldes um 15 Prozent vor. Menschen mit einem geringen Arbeitslosengeld und Hartz-IV-Empfänger sollen einen Mindestbetrag von 200 Euro im Monat erhalten. Nötig sei ein "wirksames Recht auf Weiterbildung", forderte Buntenbach.

Zurzeit sei es für Hartz-IV-Empfänger lukrativer, einen Ein-Euro-Job zu machen, statt sich weiterzubilden. Denn hier gebe es durchschnittlich 180 Euro Mehraufwandsentschädigung pro Monat, heißt es im Bericht des DGB.

*Zuerst hatte die "Saarbrücker Zeitung"berichtet.

sun/AFP

insgesamt 132 Beiträge
anonlegion 15.10.2019
1. Woran liegt das?
An den Fotbildungsangeboten der Agentur für Arbeit, der damit verbundenen Bürokratie und den meist abgelehnten Anträgen. Und damit wohl auch an dem Bonussystem für an den Ärmsten der Armen eingesparten Budgetmittel für [...]
An den Fotbildungsangeboten der Agentur für Arbeit, der damit verbundenen Bürokratie und den meist abgelehnten Anträgen. Und damit wohl auch an dem Bonussystem für an den Ärmsten der Armen eingesparten Budgetmittel für Teamleiter aufwärts in jedem Jobcenter der Republik!
echobravo 15.10.2019
2. Weiterbildung
In einem Land wie Deutschland benötigt man nunmal gut ausgebildete Leute. Schrauben nach Größe sortieren, dazu werden hier heute Maschinen verwendet. Man braucht Fachleute, ob in der Entwicklung, auf dem Bau, in der Arztpraxis, [...]
In einem Land wie Deutschland benötigt man nunmal gut ausgebildete Leute. Schrauben nach Größe sortieren, dazu werden hier heute Maschinen verwendet. Man braucht Fachleute, ob in der Entwicklung, auf dem Bau, in der Arztpraxis, oder wo auch immer. Deswegen müssen Weiterbildungen gefördert werden, meinenthalben auch durch eine Erhöhung der Hartz4-Sätze oder des Arbeitslosengeldes nach bestandener Prüfung.
SusiWombat 15.10.2019
3. Schade
Hier steht so gar nichts dazu, welche Angebote es denn gäbe, einen Abschluss zu machen. Ich kenne persönlich nur 1 Beispiel, da wurde eine Freundin in einen Webdesigner-Kurs geschickt. Also nicht, dass man da einen echten [...]
Hier steht so gar nichts dazu, welche Angebote es denn gäbe, einen Abschluss zu machen. Ich kenne persönlich nur 1 Beispiel, da wurde eine Freundin in einen Webdesigner-Kurs geschickt. Also nicht, dass man da einen echten "Abschluss" hätte machen können, aber immerhin gabs ein Zertifikat. Leider war der Kurs ausschließlich von Menschen wie ihr besucht: Lauter Leute mit Null Affinität zu Grafik, Internet, Webdesign. Ich selbst bekam dereinst das "Bewerbertraining" angeboten - als ich fragte, ob ich es halten soll, wurde die Drohung auf Leistungskürzung direkt wieder zurückgezogen...
Little_Nemo 15.10.2019
4. Fortbilden, ganz weit fort
Ich denke, dass man die Arbeitslosen nicht vordergründig mit finanziellen Anreizen locken sollte, sondern vor allem mit Perspektiven. Das erfodert, dass man ganzheitlich und strukturiert an die Sache herangeht und auch die [...]
Ich denke, dass man die Arbeitslosen nicht vordergründig mit finanziellen Anreizen locken sollte, sondern vor allem mit Perspektiven. Das erfodert, dass man ganzheitlich und strukturiert an die Sache herangeht und auch die Qualität der Bildungsmaßnehmen sicherstellt. Ich selbst habe vor rund 15 Jahren eine Umschulung gemacht, die ich super fand. Ich habe dort wesentlich mehr gelernt als in meinem Studium, das erheblich länger gedauert hat. Das Problem an der Umschulung war nur, dass die Agentur für Arbeit dort damals ziemlich wahllos Leute hineingesteckt hat, offenbar völlig ungeachtet ihrer Eignung und aus nahezu jedem erdenklichen Berufsfeld kommend, oder eben sogar ungelernt. Aber die Qualität der Ausbildung war großenteils sehr zufriedenstellend. Vor einiger Zeit habe ich auch an einer siebenmonatigen Fortbildung teilgenommen. Und die war leider ein komplettes Desaster. Technisch ungenügend ausgestattet (Telelearning mit häufigen Server- und Skype-Ausfällen), Dozenten teils sehr fragwürdiger Qualifikation, ein organisatorisches Chaos und bei den Klausuren wurde auch noch gemogelt um den Notendurchschnitt zu heben. Teils wurde am Vortag der Klausur exakt die Klausur, mit identischen Inhalten, durchexerziert. Entsprechend hatten nahezu alle Teilnehmer bei fast jeder Klausur eine Eins. Und seitens Agentur für Arbeit/Jobcenter scheint das eher zweitrangig zu sein. Hauptsache billig. So kann das natürlich nicht zielführend sein.
SamZidat 15.10.2019
5. Auch ein Problem, aber nicht das größte
Ich mache grade eine Umschulung. Und natürlich wird es eng, wenn man mit seinem üblichen Satz unter doch gerne etwas teurereren Umständen auskommen muß: Verpflegung außer Haus z.B., Kosten für Büro- und Lernmaterial, ggf. [...]
Ich mache grade eine Umschulung. Und natürlich wird es eng, wenn man mit seinem üblichen Satz unter doch gerne etwas teurereren Umständen auskommen muß: Verpflegung außer Haus z.B., Kosten für Büro- und Lernmaterial, ggf. auch passende Bekleidung usw. Allerdings gibt es trotzdem genug Lernwillige. Aber fragen sie mal bei Leuten, die eine Umschulung machen, wie lange es gedauert hat, und durch was sie für Reifen springen mußten, um überhaupt soweit zu kommen. Bewerbungstrainings und ähnliche Überflüssigkeiten bekommen sie beim Amt hinterhergeworfen, wenn sie Pech haben auch irgendwelche mehrwöchigen bis -monatigen "Testungen" ob sie überhaupt "arbeitsfähig" sind. Aber Umschulungen? Nicht ganz so einfach. Und eine anständige Beratung dazu? Vergessen sie es.

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