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Rätsel der Woche

Die Vase und der falsche Fünfziger

Eigentlich kann der Händler sehr gut rechnen. Doch ein 50-Euro-Schein, der sich im Nachhinein als Falschgeld entpuppt, lässt ihn an seinen Rechenkünsten zweifeln: Wie groß ist sein Schaden tatsächlich?

SPIEGEL ONLINE

Von und (Grafik)
Sonntag, 20.10.2019   11:44 Uhr

Auf dem Flohmarkt laufen die Geschäfte zäh. Endlich bahnt sich ein Geschäft am Stand für Gläser, Vasen und Geschirr an. Ein Kunde interessiert sich für eine alte Vase und einigt sich mit dem Händler auf einen Preis von 30 Euro. Er will mit einem 50-Euro-Schein bezahlen - doch der Händler kann nicht wechseln.

Also geht der Händler hinüber zum Nachbarstand, wo er die 50 Euro in zwei 20- und einen 10-Euro-Schein eintauscht. Der Kunde bekommt 20 Euro zurück, lässt sich die Vase einpacken und geht.

Einen Tag später meldet sich der Händler vom Nachbarstand: Der 50-Euro-Schein sei gefälscht, er wolle die 50 Euro zurück. Der Geschirrhändler will keinen Ärger, geht zum Bankautomaten, um Geld abzuheben, und gibt dem Kollegen davon 50 Euro.

Dann fängt der Händler an zu rechnen: Wie viel Geld habe ich wegen des falschen Fünfzigers eigentlich verloren? 50 Euro musste ich zurückzahlen, 20 Euro habe ich dem Käufer rausgegeben. Also sind es 70 Euro. Oder sind es 80 Euro, weil ich die Vase für 30 Euro los bin und nun noch zusätzlich 50 Euro?

Wie lautet die richtige Antwort?

insgesamt 62 Beiträge
rotella 20.10.2019
1. Genauer: 20 EUR plus den EK der Vase
Wie viel die Vase wirklich im Einkauf dem Händler gekostet hat, wissen wir ja nicht. Der Händler kauft die Vasen vielleicht in großen Mengen bei Aliexpress für 1 EUR pro Stück ein, dann wäre sein Schaden nur 20 EUR [...]
Wie viel die Vase wirklich im Einkauf dem Händler gekostet hat, wissen wir ja nicht. Der Händler kauft die Vasen vielleicht in großen Mengen bei Aliexpress für 1 EUR pro Stück ein, dann wäre sein Schaden nur 20 EUR Wechselgeld und 1 EUR für die Vase gewesen.
davidmasch 20.10.2019
2. Das geht auch einfacher:
Vor dem falschen Fünfziger war alles gut. (Geldwechsel und Handel nach fairen Bedingungen) Danach musste er 50 € ohne Gegenleistung weggeben. Der Verlust muss also 50 € betragen.
Vor dem falschen Fünfziger war alles gut. (Geldwechsel und Handel nach fairen Bedingungen) Danach musste er 50 € ohne Gegenleistung weggeben. Der Verlust muss also 50 € betragen.
rathat 20.10.2019
3. Oder einfach andersrum
Der Wechselgeldgeber hat offensichtlich weder Gewinn, noch Verlust gemacht, braucht also nicht weiter betrachtet werden. Der Verlust des Verkäufers muss aber somit der Gewinn des Betrügers: dieser hat aus einem Wertlosen [...]
Der Wechselgeldgeber hat offensichtlich weder Gewinn, noch Verlust gemacht, braucht also nicht weiter betrachtet werden. Der Verlust des Verkäufers muss aber somit der Gewinn des Betrügers: dieser hat aus einem Wertlosen 50-Euro-Schein einer Vase im Wert von 30 Euro und 20 Euro Bargeld gemacht. Gewinn für diesen also 50 Euro.
yebo 20.10.2019
4. geht auch ...
Zwar kam ich nicht auf die richtige Lösung, aber im Nachhinein fällt mir ein Weg ein, der mir persönlich mehr einleuchtet: Zunächst überlegt man, welche Person(en) überhaupt geschädigt wurde(n): Der Käufer hat ja netto 30 [...]
Zwar kam ich nicht auf die richtige Lösung, aber im Nachhinein fällt mir ein Weg ein, der mir persönlich mehr einleuchtet: Zunächst überlegt man, welche Person(en) überhaupt geschädigt wurde(n): Der Käufer hat ja netto 30 Euro gezahlt und eine 30 Euro teure Vase erhalten, geht also ungeschädigt mit +/+ Null davon. Zwar hat er (wissend oder unwissend) mit Falschgeld bezahlt, aber der falsch Fuffziger hatte im Moment des Bezahlens tatsächlich einen Wert von 50 Euro, denn der Händler hatte den Schein ja als gültiges Zahlungsmittel akzeptiert - und nur das zählt. Der Flohmarkt-Nachbar hat auch weder verloren noch gewonnen, denn er hat den Schaden des falschen Fünfzigers ja voll ersetzt bekommen. Einziger Geschädigter ist der Vasenhändler. Egal, ob er eine Vase verkauft hat oder nicht, am Ende hat er einen Fünfziger in der Tasche, der sich als wertlos entpuppt hat. Also hat er einen Verlust von 50 Euro zu beklagen, denn Falschgeld wird nicht ersetzt - es sei denn, er kauft damit (illegal, weil wissend) etwas, das 50 Euro wert ist: Dann kommt auch er auch mit +/- Null aus der Nummer raus, und der Verlust ist aufs nächste Opfer übergegangen.
UliBreimaier 20.10.2019
5. Flohmarktmathematik
Der Kunde mit dem "falschen Fuffziger" hat für NIX 20,- Euro Echtgeld plus Vase erhalten. Höchstens diesen Schaden kann der Verkäufer haben. Da er die Vase kaum ohne Gewinnerwartung gegenüber seinem eigenen [...]
Der Kunde mit dem "falschen Fuffziger" hat für NIX 20,- Euro Echtgeld plus Vase erhalten. Höchstens diesen Schaden kann der Verkäufer haben. Da er die Vase kaum ohne Gewinnerwartung gegenüber seinem eigenen Einkaufspreis weggegeben haben dürfte, beträgt sein tatsächlicher Verlust 20,- Euro in Bar zuzüglich Vasen-Einkaufspreis zuzüglich ggf. Automatengebühr fürs Geldabheben, also mutmaßlich real zwischen 30,- (20+10) und 50,- (20+25+5). Mehr aber sicher nicht ;)
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