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KarriereSPIEGEL

Beruf und Familie

"Ich arbeite in einem Frauenberuf, da war die Aufteilung klar"

Marion, 41, Physiotherapeutin, hat mit ihrem Mann, 48, Architekt, zwei fünf und neun Jahre alte Töchter.

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Marion mit ihrer kleinen Tochter

Samstag, 18.02.2017   12:24 Uhr

"Ich bin nach der Geburt unserer Töchter jeweils ein Jahr zu Hause geblieben, bei unserer Großen sogar noch länger, weil wir nicht so schnell einen Kitaplatz gefunden haben. Ausschlaggebend waren auf jeden Fall finanzielle Überlegungen. Ich verdiene so 1600 brutto, mein Mann etwa das Doppelte, da war die Rollenverteilung klar.

Außerdem arbeite ich in einem klassischen Frauenberuf: Als Physiotherapeutin konnte ich gut stundenweise wieder einsteigen und in Teilzeit arbeiten. Bei Architekten sind die Arbeitszeiten nicht so flexibel, so war es zumindest damals.

Im Haushalt macht mein Mann mit, bei uns liegt das aber auch daran, dass er einfach ordentlicher ist als ich. Es kommt also öfter vor, dass er samstags putzt und aufräumt und ich mit den Kindern auf den Spielplatz gehe. Die täglichen Sachen wie Einkaufen mache aber eher ich.

Mein Mann hat jeweils zwei Monate Elternzeit genommen. Er wollte auch Zeit mit den Kindern verbringen, und wenn man ehrlich ist, ist das auch eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Ich bin in der Zeit auch noch zu Hause geblieben, wir hatten also alle zusammen Zeit für die Familie.

Bei der Familienplanung hat es für uns keine Rolle gespielt, welche finanziellen Absicherungen es gibt. Für uns ist das ohnehin Meckern auf hohem Niveau. Ich finde die Unterstützung an sich gut, wünsche mir aber ein bisschen mehr Flexibilität, zum Beispiel bei den Kita-Gutscheinen."

Erfahrungsberichte von jungen Eltern

Aufgezeichnet von Swantje Unterberg

insgesamt 2 Beiträge
lachina 18.02.2017
1. Das Elterngeld
ist - da lohnabhängig - ganz klar ein familienpolitisches Instrument zu gunsten der oberen Mittelschicht. Geringverdienerinnen bekommen 300 Euro, Frauen im Alg2- Bezug gehen leer aus, da das Familiengeld mit Hartz IV verrechnet [...]
ist - da lohnabhängig - ganz klar ein familienpolitisches Instrument zu gunsten der oberen Mittelschicht. Geringverdienerinnen bekommen 300 Euro, Frauen im Alg2- Bezug gehen leer aus, da das Familiengeld mit Hartz IV verrechnet wird. So gesehen war das "alte Erziehungsgeld" neutraler. Außer Bundesereziehungsgeld gab es in manchen Ländern auch noch zusätzlich Landeserziehungsgeld. So konnte ich die Arbeitszeit auf 14 Stunden reduzieren. Die ganzen schönen Pläne funktionieren allerdings nicht mehr, wenn Kind krank wird und das kann durchaus 12mal im Jahr passieren. Manche Kinder sind auch keine Gruppenmenschen und brauchen viel Freiraum für sich selbst. Ich finde es schwierig, wenn keiner immer zuhause ist. Drei meiner vier Töchter hatte ich dann im Ausland und mit der Hilfe von Tanten, Oma, Au pair und Hausangestel,lten funktionierte auch mein Ganztagsjob famos.
Pride & Joy 20.02.2017
2. Netzwerke
ermöglichen erst die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob das Familie oder Freunde sind. Frauen sollten sich mehr vernetzen um davon profitieren zu können, auch wenn sich die öffentlichen [...]
ermöglichen erst die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob das Familie oder Freunde sind. Frauen sollten sich mehr vernetzen um davon profitieren zu können, auch wenn sich die öffentlichen Betreuungsmöglichkeiten verbessert haben, sind solche Verbindungen weiterhin notwendig, um den Druck von Eltern und Kindern zu nehmen. Bei kleinen Kindern empfehle ich Tagesmütter, die besser auf die Bedürfnisse eingehen können. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, wenn die Tagesmutter bspw. direkt vor Ort ist und später die Kinder in die Kita bringen und abholen kann. Das gezahlte Erziehungsgeld begünstigt nur Privilegierte, deshalb sollte dieses wieder auf den Stand des "alten E." gebracht werden.
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