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KarriereSPIEGEL

Gender Pay Gap

Geld her!

Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer - allerdings berücksichtigt dieser allgemeine Gender Pay Gap weder Qualifikationen noch Tätigkeiten. Trotzdem beschreibt er einen gesellschaftlichen Skandal.

Shutterstock/ nito
Ein Kommentar von
Montag, 18.03.2019   12:16 Uhr

Es gibt einen schlauen Rat, den viele Eltern ihren Söhnen wahrscheinlich heute noch bei der Berufswahl mitgeben: "Denk dran, dass du davon womöglich mal eine Familie ernähren musst." Ich wünschte, sie würden das öfter mal ihren Töchtern sagen.

Laut Statistischem Bundesamt lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen im Jahr 2018 um 21 Prozent unter dem von Männern. Dieser Gender Pay Gap hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Als wäre das nicht schon erschütternd genug, geht nun ernsthaft die Diskussion wieder los, ob diese Zahl überhaupt die richtige ist. Weil sie "unbereinigt" ist, Faktoren wie Qualifikation und Tätigkeit außen vor lässt.

Bereinigt liegt die Lohnlücke laut Statistischem Bundesamt nämlich nur bei rund sechs Prozent, das ergab zumindest die letzte Berechnung auf Basis von Daten von 2014. Würden noch weitere lohnrelevante Faktoren einbezogen in die Kalkulation, würde wohl auch diese Lücke noch schrumpfen, heißt es auf der Seite des Amtes. Und in so manchem polternden Twitter-Kommentar.

Weiterhin große Ungerechtigkeiten

Als Fußnote mag das ein interessanter Hinweis sein. Allerdings hat das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung gerade gezeigt: Innerhalb einzelner Berufe wie etwa bei Versicherungskaufleuten und Chemikern gibt es sehr wohl große Ungerechtigkeiten bei der Bezahlung von Männern und Frauen.

Der springende Punkt ist aber ein anderer: Wenn Frauen pro Stunde 21 Prozent weniger verdienen als Männer, hat die Gesellschaft ein gewaltiges Problem.

Eine Studie des Familienministeriums zeigte 2016, dass 53 Prozent aller 30- bis 50-jährigen Frauen netto weniger als 1000 Euro im Monat verdienen. Das Alterseinkommen von Frauen liegt, wenn man private, betriebliche und gesetzliche Vorsorge zusammenrechnet, um rund 50 Prozent niedriger als das von Männern.

Millionen von Frauen sind deshalb finanziell abhängig von ihrem Partner oder Mann. Und damit sind sie eine riskante Wette eingegangen. Denn die Scheidungsquote liegt in Deutschland bei fast 40 Prozent.

Wenn die Betroffenen dann noch Kinder haben, ist ihre Chance, finanziell abzurutschen, ziemlich hoch. Fast 90 Prozent der Alleinerziehenden nämlich sind Frauen, rund die Hälfte der Väter zahlt für ihre Kinder keinen oder keinen ausreichenden Unterhalt. Rund 40 Prozent der Alleinerziehenden sind armutsgefährdet.

Kein Mensch wird ernsthaft sagen, dass der Gender Pay Gap als alleiniger Grund für diese Zuständen herhalten kann. Aber die 21 Prozent sind Teil der Erklärung. Sie beinhalten nämlich auch die Tatsache, dass Frauen seltener in Führungspositionen aufsteigen als Männer. Sie drücken das Phänomen aus, dass typische Frauenberufe oft schlechter bezahlt werden als typische Männerberufe. Arbeit von Frauen, ihre vermeintlich typischen Fähigkeiten und Kompetenzen werden nämlich - das zeigen Untersuchungen - im Schnitt geringer bewertet als die von Männern.

Die 21 Prozent stehen dafür, wie wenig sich diese Strukturen in den vergangenen Jahren verändert haben.

Sie zeigen aber auch etwas anderes. Frauen, so sagen Wissenschaftler und Personaler, sei Geld als Zeichen der Anerkennung oft weniger wichtig. Ihnen gehe es mehr um das Gefühl, etwas Nützliches und Sinnvolles zu machen.

Das ist ehrenhaft - vernünftig ist es nicht. Wenn Frauen nicht mehr Geld fordern, sich nicht mehr um ihr Einkommen und ihre Finanzen kümmern, wird sich die Situation nicht ändern.

Wenn junge Frauen sich öfter fragen würden, ob das eigene Gehalt irgendwann auch eine Familie ernähren könnte, wäre das sicher ein guter Anfang. Selbst, wenn sie gar keine gründen wollen.

insgesamt 227 Beiträge
unaufgeregter 18.03.2019
1. Kommt darauf an
wo man beschäftigt ist. Im öffentlichen Dienst z. B. wird gleich gut bzw. schlecht bezahlt. Manchmal fällt mir nur auf, dass von Frauen wesentlich mehr verlangt wird, als von den Männern. Motto: Wenn sie schon einem Mann den [...]
wo man beschäftigt ist. Im öffentlichen Dienst z. B. wird gleich gut bzw. schlecht bezahlt. Manchmal fällt mir nur auf, dass von Frauen wesentlich mehr verlangt wird, als von den Männern. Motto: Wenn sie schon einem Mann den Job wegnimmt, soll sie wenigstens mehr arbeiten.
golden-huakl 18.03.2019
2. FAZ Artikel
Die Faz hat gerade auch einen Artikel zu dem Thema online. Der ist mit wissenschaftlichen Analysen hinterlegt und zeichnet ein sehr differenziertes Bild. Warum gelingt das im SPON nicht? Schade!
Die Faz hat gerade auch einen Artikel zu dem Thema online. Der ist mit wissenschaftlichen Analysen hinterlegt und zeichnet ein sehr differenziertes Bild. Warum gelingt das im SPON nicht? Schade!
hausfeen 18.03.2019
3. Na hoppla, dass Frauen weniger Karriere machen, als ...
... Männer, das ist doch ein wesentlicher Teil der Diskriminierung. Und das, obwohl sie.in Schule und Uni deutlich besser als ihre Kollegen abschneiden. In jungen Ehen oder Partnerschaften wird viel zu schnell der Rückfall auf [...]
... Männer, das ist doch ein wesentlicher Teil der Diskriminierung. Und das, obwohl sie.in Schule und Uni deutlich besser als ihre Kollegen abschneiden. In jungen Ehen oder Partnerschaften wird viel zu schnell der Rückfall auf die Hausfrau als selbstverständlich gefunden, wenn Kinder kommen. Die öffentliche Diskussion darüber ist daher von großer Bedeutung. Das ist auch für die deutsche Wirtschaft relevant, da viele Talente, die weiblichen, nicht zum Zuge kommen.
MartinHa 18.03.2019
4. Angebot und Nachfrage bestimmen den Lohn
Es ist meiner Meinung nach keineswegs der Fall, dass "Arbeit von Frauen, ihre vermeintlich typischen Fähigkeiten und Kompetenzen werden nämlich - das zeigen Untersuchungen - im Schnitt geringer bewertet als die von [...]
Es ist meiner Meinung nach keineswegs der Fall, dass "Arbeit von Frauen, ihre vermeintlich typischen Fähigkeiten und Kompetenzen werden nämlich - das zeigen Untersuchungen - im Schnitt geringer bewertet als die von Männern." Angebot und Nachfrage bestimmen den Lohn. Jeder Arbeitgeber versucht, möglichst wenig für seine Arbeitnehmer auszugeben. Wenn er dann nicht genug passendes Personal findet, muss er den Lohn erhöhen. Das Geschlecht hat damit wenig zu tun. Was ich für wahrscheinlich halte, ist, dass durchschnittlich Frauen das Gehalt weniger wichtig ist, und daher erstens das Gehalt des geplanten Berufs bei Studien- und Ausbildungswahl als weniger wichtig erachtet wird, und zweitens in Gehaltsverhandlungen weniger nachdrücklich höherer Lohn gefordert wird.
htoru.forum 18.03.2019
5. Voreilige Schlüsse
Sie halten die 21% für einen Skandal. Niemand jedoch weiß ob diese 21% die Folge einer strukturellen Ungerechtigkeit sind oder die Konsequenz von freien Entscheidungen über Karriere und Beruf. Und wenn beide Aspekte eine Rolle [...]
Sie halten die 21% für einen Skandal. Niemand jedoch weiß ob diese 21% die Folge einer strukturellen Ungerechtigkeit sind oder die Konsequenz von freien Entscheidungen über Karriere und Beruf. Und wenn beide Aspekte eine Rolle spielen, weiß trotzdem niemand, in welchem Verhältnis dies in Zahl mit einspielt. Also alleine aus der Zahl "Skandal" zu rufen ohne die Gründe dahinter zu verstehen ist voreilig.

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Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen in ausgewählten Berufen

Bürokaufleute
Bürokauffrauen mit bis zu drei Berufsjahren verdienen mit 1782 Euro nur rund 1,7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, die auf 1813 Euro kommen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren steigt der Rückstand auf 10,7 Prozent.
Industriekaufleute
Industriekauffrauen mit bis zu drei Berufsjahren verdienen im Schnitt 11,5 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen (1962 statt 2216 Euro), in den folgenden Jahren (vier bis zehn Berufsjahre) schwächt sich die Einkommensdifferenz etwas ab; sie beträgt dann noch 10,3 Prozent.
Großhandelskaufleute
In diesem Beruf beträgt der Einkommensabstand der Frauen gegenüber den Männern gut 14 Prozent. In den ersten drei Jahren bedeutet dies einen Rückstand von durchschnittlich 286 Euro, bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst er absolut auf 335 Euro.
Buchhalter
In den ersten drei Berufsjahren liegen Frauen acht Prozent hinter den Männern zurück. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst dieser Rückstand auf 14,9 Prozent. Bei den Frauen steigt das durchschnittliche Einkommen von 2053 auf 2317 Euro, bei den Männern von 2230 Euro auf 2722 Euro.
Bankkaufleute
Bankkauffrauen verdienen in den ersten drei Jahren im Schnitt mit 2462 Euro insgesamt 105 Euro (4,1 Prozent) weniger als Bankkaufmänner. Dieser Abstand wächst in der Gruppe der Beschäftigten mit vier bis zehn Berufsjahren auf 217 Euro (7,4 Prozent).
Sozialpädagogen
Berufsanfängerinnen liegen mit einem Einkommen von 2211 Euro in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 5,6 Prozent vor ihren männlichen Kollegen (2093 Euro). Weibliche Angestellte mit vier bis zehn Berufsjahren verdienen dagegen im Schnitt 9,4 Prozent weniger als männliche Sozialpädagogen.
Mathematiker und Statistiker
Mathematikerinnen starten mit einem kräftigen Einkommensrückstand von 15,7 Prozent gegenüber ihren männlichen Kollegen. Sie verdienen im Schnitt in den ersten drei Jahren 3100 Euro, Männer 3677 Euro. In der Folgezeit (vier bis zehn Berufsjahre) steigern die Frauen ihr Durchschnittseinkommen auf 4237 Euro. Männer verdienen in dieser Zeitspanne im Schnitt 4187 Euro und liegen damit 1,2 Prozent hinter den Frauen.
Juristen
Zu Beginn ihrer Berufskarriere verdienen Juristinnen im Schnitt 7,3 Prozent weniger als Männer. Sie verdienen in den ersten drei Berufsjahren im Schnitt 3207 Euro, rund 252 Euro weniger als ihre Kollegen. Bei Mitarbeitern mit vier bis zehn Berufsjahren wächst der Abstand sogar auf 12,4 Prozent. Juristinnen verdienen dann im Schnitt 3845 Euro, Juristen 4391 Euro.

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