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KarriereSPIEGEL

Gerechtere Bezahlung von Frauen

Kaum jemand nutzt Entgelttransparenzgesetz

Nur wenige Angestellte nutzen die gesetzliche Möglichkeit, ihre Bezahlung mit der ihrer Kollegen zu vergleichen - das zeigt eine Analyse des Familienministeriums. Woran liegt das?

Getty Images

Managerin mit Kollege bei der Arbeit (Archivbild)

Mittwoch, 10.07.2019   10:18 Uhr

Zwei Jahre nach der Einführung nutzen nur wenige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Gesetz für mehr Lohngleichheit von Frauen und Männern. Das geht aus einer Evaluation der Bundesregierung hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und die am Mittwoch im Bundeskabinett behandelt werden soll.

Die Bundesregierung hatte das Entgelttransparenzgesetz verabschiedet, um den Gender-Pay-Gap, die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern, zu schließen. Das Gesetz gibt Angestellten das Recht, Auskunft über die Gehälter von Kollegen in vergleichbaren Positionen zu erhalten - allerdings nur dann, wenn der Betrieb mindestens 200 Beschäftigte hat. (Lesen Sie hier, wie Sie erfahren können, was Ihre Kollegen verdienen.)

Viele Betriebe ignorieren Gesetz

Bereits im Januar dieses Jahres ging aus einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor, dass viele Betriebe das Entgelttransparenzgesetz ignorieren. "Offenbar fühlte sich nur ein kleiner Teil der Betriebe von der Aufforderung angesprochen, im Betrieb für Entgeltgleichheit zu sorgen", schrieben die Autoren. Das Gesetz habe "in den meisten Betrieben keine Aktivitäten" ausgelöst.

So seien in gerade mal zwölf Prozent der Unternehmen mit Betriebsräten die Geschäftsführungen von sich aus aktiv geworden und hätten sich um größere Transparenz bei den Gehältern und bei der finanziellen Gleichstellung von Frauen und Männern bemüht. Die Studienautoren forderten eine Novellierung des Gesetzes: strengere Auflagen und spürbare Sanktionen für Betriebe, die sich nicht daran halten.

Das Familienministerium schreibt nun in seinem Bericht, das Gesetz und seine Möglichkeiten seien noch nicht bekannt genug. Dies solle durch gezielte Beratung geändert werden.

nil/dpa

insgesamt 38 Beiträge
niobe78 10.07.2019
1. Mythos Gender-Pay-Gap
Das die Auskunftsmöglichkeit nur selten genutzt wird, liegt vermutlich daran, dass das Gender-Pay-Gap lediglich ein Mythos ist bzw. wenn dann vermehrt in den (kleineren) Betrieben und Firmen besteht, auf die das [...]
Das die Auskunftsmöglichkeit nur selten genutzt wird, liegt vermutlich daran, dass das Gender-Pay-Gap lediglich ein Mythos ist bzw. wenn dann vermehrt in den (kleineren) Betrieben und Firmen besteht, auf die das Entgelttransparenzgesetz nicht anwendbar ist. Als Mitarbeiterin einen großen deutschen DAX-Konzerns wird man kaum ein Gender-Pay-Gap beobachten können, da Frauen hier im Vergleich zu den männlichen Kollegen in der Regel überproportional gut gefördert werden, was zum einen die finanzielle Entwicklung, aber auch die Karriereentwicklung betrifft. Dies wird auch jeder Frau klar sein, da ja nun das ein oder andere Mal doch auch mit (ähnlich qualifizierten) Kollegen in ähnlicher Position oder auch mit dem eigenen Partner über Gehälter gesprochen wird, ohne dass es eines Entgelttransparenzgesetzes bedarf. Dass trotz diverser Initiativen und Projekte Frauen in höheren Management-Positionen, sowie Vorständen und Aufsichtsräten unterrepräsentiert scheinen (und daher logischerweise weniger Frauen Vorstandsgehälter kassieren als Männer), liegt an der Einstellungspolitik der vergangenen Jahrzehnte (die wiederum auch nur die damalige Bewerber- und Absolventenlage widerspiegelt) und lässt sich nicht innerhalb weniger Jahre aufholen.
varlex 10.07.2019
2. Vielleicht
liegt es einfach daran, dass viele größere Betriebe sowieso nach irgendeinem Tarif zahlen und somit sowieso gleiche Bezahlung bei gleicher Eingruppierung vorliegt...
liegt es einfach daran, dass viele größere Betriebe sowieso nach irgendeinem Tarif zahlen und somit sowieso gleiche Bezahlung bei gleicher Eingruppierung vorliegt...
awes 10.07.2019
3. Abstimmung im Kollegium
eine Freundin berichtete ernsthaft, dass im Tram darüber abgestimmt wurde, ob man einander die Gehälter offenlegt. Natürlich war einer dagegen und damit die Transparenz vom Tisch. Das ist zwar teamgerecht gedacht, aber so wird [...]
eine Freundin berichtete ernsthaft, dass im Tram darüber abgestimmt wurde, ob man einander die Gehälter offenlegt. Natürlich war einer dagegen und damit die Transparenz vom Tisch. Das ist zwar teamgerecht gedacht, aber so wird das mit der Durchsetzung des Gesetzes nichts. Mein Eindruck: die Möglichkeiten, die das Gesetz bietet und bereitstellt sind noch nicht gut genug verstanden.
PolitBarometer 10.07.2019
4. Geht auch einfacher
Einfach den Kollegen oder die Kollegin bei passender Gelegenheit fragen, was er/sie so im Vergleich verdient. Das ist keinesfalls strafbar und bereits seit 2003 höchstrichterlich (Bundearbeitsgericht) so festgestellt worden. [...]
Einfach den Kollegen oder die Kollegin bei passender Gelegenheit fragen, was er/sie so im Vergleich verdient. Das ist keinesfalls strafbar und bereits seit 2003 höchstrichterlich (Bundearbeitsgericht) so festgestellt worden. Anderslautende Zusätze im Arbeitsvertrag oder mündliche Nebenabsprachen hierzu sind ungültig. Da kann also der Arbeitgeber noch so murren oder mit Kündigung drohen. Die einzigen, die einen echten Mauklkorb in der Sache haben sind HR und FiBu. Die dürfen "von Amts wegen" weder über die Gehälter von anderen, noch über ihr eigenes reden.
urbanism 10.07.2019
5. ein Gesetz was in der Realität meistens ins Leere läuft
zum einen wird es daran liegen dass die Personalchefs blockieren und zum anderen wird es die eigene Angst davor sein, zu sehen was die gleichqualifizierten oder niedriger qualifizierten Kollegen, mehr verdienen. Denn was sollen [...]
zum einen wird es daran liegen dass die Personalchefs blockieren und zum anderen wird es die eigene Angst davor sein, zu sehen was die gleichqualifizierten oder niedriger qualifizierten Kollegen, mehr verdienen. Denn was sollen den die Betroffenen machen wenn sie sehen dass sie weniger verdienen? Die Auseinandersetzung suchen oder den Arbeitgeber wechseln? Letztendlich liegt es an jedem selbst, wie gut er sich verkauft gegenüber den Personalchefs und was er dadurch mehr bekommt als andere. Von daher ist es wieder ein Gesetz was in der Realität meistens ins Leere läuft

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