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Werbetour in Südostasien

Gesundheitsministerium will Pflegekräfte auf Philippinen anwerben

Deutschland braucht mehr Pflegepersonal. Vertreter des Gesundheitsministeriums reisen nun auf die Philippinen, um Fachkräfte anzuwerben. Der zuständige Berufsverband sieht das kritisch.

Horst Rudel / imago images

Ankunft philippinischer Pflegekräfte am Flughafen Stuttgart im Jahr 2014

Dienstag, 13.08.2019   17:52 Uhr

Im Kampf gegen den Pflegenotstand will das Bundesgesundheitsministerium unter anderem verstärkt Personal von den Philippinen anwerben. Die Parlamentarische Staatssekretärin Sabine Weiss (CDU) reiste nach Angaben des Ministeriums in das südostasiatische Land, um über die Arbeitsmöglichkeiten philippinischer Beschäftigter in Deutschland zu beraten. Konkret gehe es um die Frage, wie die Pflegekräfte bereits im Herkunftsland auf die Tätigkeit in Deutschland vorbereitet und die Anerkennungsverfahren erleichtert werden können.

Als denkbare Maßnahmen nannte das Ministerium kürzere Visaverfahren, Sprachkurse und eine enge Zusammenarbeit von Krankenhäusern, Pflegeheimen, privaten Vermittlern und staatlichen Behörden. Bereits im Juli hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Kosovo eine gemeinsame Absichtserklärung für eine Zusammenarbeit in der Ausbildung und Anerkennung von Pflegefachkräften unterzeichnet.

"Wie mit dem Kosovo wollen wir auch mit den Philippinen gut zusammenarbeiten, um mehr Pflegekräfte für Deutschland zu gewinnen", sagte Weiss. "Diese Kooperation soll beiden Seiten helfen." Zum einen könne Deutschland Antworten auf den Fachkräftemangel in der Pflege finden. Auf der anderen Seite könnten die Philippinen ihrer jungen Generation mehr attraktive Arbeits- und Fortbildungsmöglichkeiten anbieten.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums gibt es auf den Philippinen viele gut ausgebildete Pflegekräfte. Allein im ersten Halbjahr 2019 genehmigte die philippinische Regierung über 25.000 Ausreiseanträge für Pflegekräfte. Knapp 1500 davon sollen nach Deutschland kommen.

Dort werden sie dringend benötigt: Laut einer Ver.di-Erhebung aus dem vergangenen Jahr fehlen in deutschen Krankenhäusern rund 80.000 Pflegekräfte. Altenheime benötigten 2018 durchschnittlich 183 Tage, um die Stelle einer Pflegekraft zu besetzen - zwölf Tage länger als noch im Jahr 2017.

Es sei wichtig, dass die Bundesregierung versuche, den Fachkräftemangel in Pflegeberufen anzugehen, sagte Peter Tackenberg, stellvertretender Geschäftsführer des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe. Aber: "Wir sehen es kritisch, wenn versucht wird, im Ausland Fachkräfte anzuwerben." Grundsätzlich müsse die Frage gestellt werden, ob der immense Aufwand an zeitlichen und personellen Ressourcen durch Anwerbung, Vermittlung und Integration den Erfolg rechtfertigen kann.

Denn zum einen müssten die Pfleger dauerhaft in Deutschland integriert werden - nicht nur, um Versorgungsengpässe kurzfristig auszugleichen. Die Integration ausländischer Fachkräfte bedeute einen hohen Aufwand und dürfe "nicht auf die leichte Schulter genommen werden", so Tackenberg. Zum anderen dürften die Maßnahmen des Gesundheitsministeriums nicht dazu führen, dass die Versorgung der Bevölkerung in den Partnerländern gefährdet ist - weil dann dort Fachkräfte fehlen.

Dem Gesundheitsministerium zufolge orientiert sich Deutschland in der Anwerbung von Pflegekräften im Ausland eng an dem Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur internationalen Rekrutierung von Gesundheitsfachpersonal. Angeworben würden grundsätzlich nur Pflegekräfte aus Ländern, die in der Fachkräftemigration zusammenarbeiten wollen und selbst über einen Fachkräfteüberschuss verfügen. Damit solle ein Fachkräftemangel in den Partnerländern vermieden werden.

faq/AFP

insgesamt 52 Beiträge
benj.will 13.08.2019
1. Also ganz konkret...
... sollen prekäre Lebensbedingungen (Vgl. "Auf der anderen Seite könnten die Philippinen ihrer jungen Generation mehr attraktive Arbeits- und Fortbildungsmöglichkeiten anbieten.") ausgenutzt werden, inländische [...]
... sollen prekäre Lebensbedingungen (Vgl. "Auf der anderen Seite könnten die Philippinen ihrer jungen Generation mehr attraktive Arbeits- und Fortbildungsmöglichkeiten anbieten.") ausgenutzt werden, inländische defizite auf deutscher Seite auszugleichen. (Die Referenzen spare ich mir, hinreichend bekannt) Dass damit Pflegenotstände gestopft werden, mag sein. Dass Menschen von den Philippinen eine bessere Zukunft gewährleistet werden kann als dort, mag eventuell auch der Fall sein. Mir stößt jedoch sauer auf, dass an den eigentlichen Ursachen hinsichtlich unattraktivität des Pflegeberufs nicht angetastet sind und die im Beitrag erwähnten Menschen eben Lückenfüller sind für Jobs, die hierzulande niemand machen möchte.
Sensør 13.08.2019
2. komische Strategie
DIe neu angeworbenen Kräfte werden doch auch schnell merken, dass dieser Job unterbezahlt und übermäßig belastend ist.
DIe neu angeworbenen Kräfte werden doch auch schnell merken, dass dieser Job unterbezahlt und übermäßig belastend ist.
grommel 13.08.2019
3. Der Markt wirds schon richten...
Anstatt den Beruf aufzuwerten und die Bezahlung zu verbessern,wie es die Gesetze des Marktes vorsehen, importieren wir einfach billige Kräfte aus dem Ausland... Klasse Lösung!
Anstatt den Beruf aufzuwerten und die Bezahlung zu verbessern,wie es die Gesetze des Marktes vorsehen, importieren wir einfach billige Kräfte aus dem Ausland... Klasse Lösung!
Softship 13.08.2019
4.
Wie wäre es denn, den Pflegeberuf einfach besser (also leistungsgerecht) zu bezahlen? Dann finden sich bestimmt mehr Deutsche, die den Beruf ausüben würden. Als "dauerkranker" Mensch finde ich es sehr problematisch, [...]
Wie wäre es denn, den Pflegeberuf einfach besser (also leistungsgerecht) zu bezahlen? Dann finden sich bestimmt mehr Deutsche, die den Beruf ausüben würden. Als "dauerkranker" Mensch finde ich es sehr problematisch, von Menschen gepflegt zu werden, mit denen man nicht richtig kommunizieren kann - entweder weil die Sprachkenntnisse nicht ausreichend sind oder weil die Kultur eine andere ist.
Freidenker10 13.08.2019
5. Heiße Luft!
Klar, die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung zu verbessern wäre ja auch anstrengend und teuer, dann lieber billige und genügsame Kräfte aus dem Ausland suchen. Derselbe Mist läuft im Grunde schon seit 30 Jahren! Was wird [...]
Klar, die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung zu verbessern wäre ja auch anstrengend und teuer, dann lieber billige und genügsame Kräfte aus dem Ausland suchen. Derselbe Mist läuft im Grunde schon seit 30 Jahren! Was wird denn nun aus den ganzen Versprechungen von Spahn? Gibts außer den netten Bilden von Spahn, Giffey und Heil sonst nichts? Mich wundert nur warum Spahn so gut dasteht, denn außer Versprechungen und heißer Luft hat er absolut gar nichts produziert! Der Faktencheck zu Spahns ganzen Ankündigungen steht immer noch aus und dürfte äußerst bescheiden ausfallen...!

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