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Arbeitsunfälle

Wer im Homeoffice stolpert, ist nicht versichert

Arbeitnehmer sind während der Arbeitszeit auch auf dem Weg zur Toilette versichert. Das gilt allerdings nicht, wenn sie von zu Hause aus arbeiten, entschied nun ein Gericht.

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Nicht versichert: Der Gang zur Toilette im Homeoffice

Montag, 05.08.2019   18:24 Uhr

Wer im Homeoffice auf die Toilette geht, ist im Falle eines Unfalls nicht durch die gesetzliche Unfallversicherung geschützt. Das hat das Sozialgericht München am Montag mitgeteilt, das Urteil von Juli ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Im konkreten Fall wollte ein Kläger einen Sturz auf dem Rückweg vom heimischen WC als Arbeitsunfall geltend machen. Der Mann arbeitete in einem Büro im Keller seines Hauses, dort fanden auch regelmäßig Besprechungen mit Kollegen statt.

Während Arbeitnehmer beim Gang zur Toilette im Betrieb gegen Unfälle versichert sind, greift der Schutz im Homeoffice allerdings nicht. Die Argumentation des Gerichts: Der Arbeitgeber hat dort keinen Einfluss auf die Sicherheit der Einrichtung (Aktenzeichen: S 40 U 227/18).

Erst Ende 2018 urteilte das Thüringer Landessozialgericht in Erfurt über einen Arbeitnehmer, der auf Dienstreise im Badezimmer ausgerutscht war und sich das Knie brach (Aktenzeichen: L 1 U 491/18).

Die Richter lehnten seine Klage ab: Duschen während einer Dienstreise sei nicht grundsätzlich von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt. Denn: Die gesetzliche Versicherung decke nur Tätigkeiten ab, die in einem sachlichen Zusammenhang mit den eigentlichen Aufgaben in einem Arbeitsverhältnis stehen.

faq/dpa

insgesamt 47 Beiträge
kika2012 05.08.2019
1. absoluter Wahnsinn!!!
Ich finde das unglaublich. Man sollte meinen, es wird gefördert, von zuhause zu arbeiten. Wenn man Kinder hat z.B. oder wenn man einen Job hat, den man locker von zuhause machen kann. Oder wenn man das Pendeln loswerden möchte. [...]
Ich finde das unglaublich. Man sollte meinen, es wird gefördert, von zuhause zu arbeiten. Wenn man Kinder hat z.B. oder wenn man einen Job hat, den man locker von zuhause machen kann. Oder wenn man das Pendeln loswerden möchte. Absoluter Rückschlag und wieder einfach ein Zeichen, dass es rückwärts geht!
cruiserxl 05.08.2019
2. wer zu blöd ist sich in seiner eigenen Wohnung zu bewegen...
...sollte mal seine Motorik überprüfen und nicht auch noch nach einer Versicherung schreien...die Welt ist so krank heutzutage - ach ist das schön wenn man vonn SPON geblockt ist, da kann man seine Meinung sich so richtig von [...]
...sollte mal seine Motorik überprüfen und nicht auch noch nach einer Versicherung schreien...die Welt ist so krank heutzutage - ach ist das schön wenn man vonn SPON geblockt ist, da kann man seine Meinung sich so richtig von der Seele schreiben Ist der Ruf erst...lauter bekloppte Menschen heutzutage
racci 05.08.2019
3. WC-Gang nirgends versichert
Nach allem, was ich zu diesem Thema recherchiert hatte, ist ein WC-Gang nie versichert - weder zu Hause noch in der Dienststelle. Daher Widerspruch im Artikel zwischen letztem Absatz und Einleitungssatz: "Arbeitnehmer sind [...]
Nach allem, was ich zu diesem Thema recherchiert hatte, ist ein WC-Gang nie versichert - weder zu Hause noch in der Dienststelle. Daher Widerspruch im Artikel zwischen letztem Absatz und Einleitungssatz: "Arbeitnehmer sind während der Arbeitszeit auch auf dem Weg zur Toilette versichert." vs. "Die gesetzliche Versicherung decke nur Tätigkeiten ab, die in einem sachlichen Zusammenhang mit den eigentlichen Aufgaben in einem Arbeitsverhältnis stehen." ... Bedeutet: der Gang zur Toilette steht nie in einem sachlichen Zusammenhang zur eigentlichen Tätigkeit. Für die Praxis: wenn ich mir in der Dienststelle den Knöchel stauche und in Fall 1 sage, dass ich auf dem Weg zu WC war und im Fall 2 auf dem Weg zu einer Besprechung, ist nur letztgenannter Fall ein Arbeitsunfall, während Fall 1 privater Natur war und daher unversichert ist. Ebensowenig sind Brandverletzungen in der Teeküche versichert, auch nicht in den Räumlichkeiten des Arbeitgebers. Bitte den einleitenden Satz des Artikels prüfen, meiner Auffassung nach ist die Aussage verkehrt.
gratiola 05.08.2019
4. Das ist der typische deutsche
Beamten - und Bürokratiewansinn. Da bin ich halt zuhause gestolpert und gehe zum Doktor. Gut ist die GKV zahlt das. Muß do h ni ht auf Arbeit erzählen und auf fette Freizeit, Reha und Extrageld spekulieren. Das ist alles krank.
Beamten - und Bürokratiewansinn. Da bin ich halt zuhause gestolpert und gehe zum Doktor. Gut ist die GKV zahlt das. Muß do h ni ht auf Arbeit erzählen und auf fette Freizeit, Reha und Extrageld spekulieren. Das ist alles krank.
giespel 05.08.2019
5. Sozialgerichte
Sozialgerichte, zumal erstinstanzliche, urteilen nach Mondphasen, was die Katze des Richters gegessen hat und was die Schwester der Putzfrau dazu gesagt hat. Da ähnliche Fälle mit zunehmender Home-Office Ausbreitung auftreten [...]
Sozialgerichte, zumal erstinstanzliche, urteilen nach Mondphasen, was die Katze des Richters gegessen hat und was die Schwester der Putzfrau dazu gesagt hat. Da ähnliche Fälle mit zunehmender Home-Office Ausbreitung auftreten werden, werden sich richtige Gerichte mit dem Thema auseinander setzen und dann wird das wohl gerade gezogen werden.

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Im engen Freundeskreis darf man das. Im Kollegenkreis kann Beleidigung, Verunglimpfung oder üble Nachrede ein Kündigungsgrund sein. So beurteilte das Arbeitsgericht in Frankfurt am Main im Jahre 2001 die Kündigung einer Büglerin für gerechtfertigt. Die Frau hatte dem Juniorchef des Betriebs ein Verhältnis mit einer Kollegin unterstellt (Aktenzeichen 4 Ca 5471/00).
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Ich habe mich geweigert, Überstunden zu machen.

Wenn im Vertrag nicht ausdrücklich vereinbart ist, dass der Arbeitnehmer Überstunden zu leisten hat, ist er grundsätzlich nicht dazu verpflichtet. Einzige Ausnahme: Es handelt sich um einen Notfall. Der kann bestehen, wenn plötzlich viele Mitarbeiter krankheitsbedingt fehlen oder der Betrieb sich in einer finanziellen Schieflage befindet und kurzfristig Aufträge erhalten hat, die sofort abgearbeitet werden müssen. Verweigert der Arbeitnehmer das Ableisten von Überstunden, obwohl der Vertrag das vorsieht, kann er fristlos gekündigt werden. Allerdings darf die Arbeitszeit auch mit Überstunden 48 Stunden pro Woche nicht überschreiten. Sind es mehr, kann der Arbeitnehmer sich weigern, sie zu leisten.
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Auch die Mitnahme eines Bleistiftes ist Diebstahl und damit prinzipiell ein Kündigungsgrund. Hier hängt es aber auch davon ab, wie lange der Arbeitnehmer dem Betrieb angehört. Sind es zum Beispiel bereits 30 Jahre, reicht ein Bleistift nicht aus. Generell gibt es aber weder im Gesetz noch in der Rechtsprechung eine Bagatellgrenze. So kann theoretisch auch ein Keks zur Kündigung führen, der aus dem Konferenzraum geklaut wurde.

Nicht immer kommen Arbeitgeber mit Bagatellkündigungen vor Gericht durch, wie eine Entscheidung des Hamburger Arbeitsgerichts zeigt (Aktenzeichen 27 Ca 262/98): Eine Arbeitnehmerin hatte aus dem Kühlschrank der Betriebskantine eine Dose Fanta entwendet. Das Gericht hielt eine fristlose Kündigung für überzogen und urteilte, der Arbeitgeber hätte zunächst abmahnen müssen.

Ich habe einen privaten Brief durch die Frankiermaschine der Firma geschickt.

Selbst bei geringen Portobeträgen kann das eine fristlose Kündigung rechtfertigen. Das zeigt das Urteil des hessischen Landesarbeitsgerichts in Frankfurt am Main von 2007. Ein Kundenberater eines Versicherungsmaklers hatte mehrere private Briefe über die Poststelle seines Arbeitgebers verschickt. Der Portobetrag belief sich auf weniger als fünf Euro. Dennoch war die Kündigung rechtmäßig. Der Mitarbeiter habe mit seinem Verhalten in erheblicher Weise das Vertrauen des Arbeitgebers verletzt, so die Richter (Aktenzeichen 22 Ca 966/06).
Mailen und Telefonieren - nicht dienstlich
Ich telefoniere ab und zu kurz privat.

Der Chef kann generell untersagen, dass privat telefoniert wird. In der Regel muss er jedoch erst eine Abmahnung aussprechen, bevor er kündigen kann. Um dem privat telefonierenden Mitarbeiter auf die Schliche zu kommen, darf er - sofern ein Verdacht auf Missbrauch vorliegt - die angerufenen Personen identifizieren. Heimlich die Telefongespräche mitanhören darf der Arbeitgeber jedoch grundsätzlich nicht.

Ich lese während der Arbeitszeit meine privaten E-Mails und surfe im Netz.

Ist im Arbeitsvertrag ein generelles Verbot der privaten Internetnutzung festgehalten, kann ein Verstoß zu einer Abmahnung oder Kündigung führen. Hat der Arbeitgeber nicht ausdrücklich die Privatnutzung des Internets verboten, verletzt der Arbeitnehmer seine vertraglichen Pflichten, wenn er das Web in erheblichem zeitlichen Umfang nutzt. Besonders die Nutzung von Seiten mit pornografischem Inhalt kann eine fristlose Kündigung rechtfertigen.
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