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KarriereSPIEGEL

"In aller Freundschaft - die Krankenschwestern"

Nach einem Tag am Set den Beruf gefunden

Weil in Deutschland dringend Pflegekräfte gesucht werden, setzt eine hessische Arbeitsagentur auf eine ungewöhnliche Idee: Werbung für den Beruf mithilfe einer Fernsehserie. Klappt das?

Peter Endig / DPA

Berufswahl per Vorabendserie: Schüler informieren sich am Set von "In aller Freundschaft - Die Krankenschwestern"

Ein Interview von
Montag, 30.09.2019   21:26 Uhr

Infusionsbeutel hängen an einer Metallstange, daneben Monitore und Medikamente. Eine Gruppe Schülerinnen und Schüler drängt sich um ein Krankenbett. Noch ist es leer. Aber in Kürze soll darin ein Schauspieler liegen. Einen Tag lang sind Jugendliche aus Hessen am Set für die neue Staffel der in Halle gedrehten ARD-Vorabendserie "In aller Freundschaft - Die Krankenschwestern" dabei.

Dahinter steckt ein besonderes Anliegen: den dramatischen Fachkräftemangel in der Pflegebranche mildern.

"Wenn sich nur ein Drittel der Jugendlichen nach diesem Tag für einen Pflegeberuf entscheidet, wäre das ein riesiger Erfolg", sagt Cornelia Harberg, Sprecherin der Agentur für Arbeit im hessischen Korbach. Sie hat gemeinsam mit der Produktionsfirma Saxonia Media und weiteren Partnern den Ausflug für die rund 30 Jugendlichen ans Set der Krankenhausserie organisiert.

Ein Einblick hinter die TV-Kulissen, der zugleich als Berufsberatung dient?

"Um junge Menschen für bestimmte Ausbildungen zu begeistern, braucht es heute mehr Kreativität", findet Harberg. Etwa 20 Prozent aller Ausbildungen würden bundesweit abgebrochen. Deshalb habe sie hessischen Schulen vor einigen Monaten angeboten, mit Jugendlichen, die sich für den Krankenpflegerberuf interessieren, einen Ausflug nach Halle zu machen. Unter ihnen der 18-jährige Realschüler Simon von Kiedrowski.

SPIEGEL ONLINE: Herr von Kiedrowski, gestresste Ärzte, aufwühlende Schicksale von Patienten: Ist das der Stoff, der Jugendliche für den Pflegeberuf begeistern kann?

Kiedrowski: Ich habe mir die Serie erst direkt vor dem Set-Besuch angeguckt und die hat bei mir jetzt nicht direkt zu einer Begeisterung für den Beruf geführt. Es gibt bestimmt Leute, bei denen das Interesse weckt. Es gibt aber bestimmt auch Leute, die vor allem zu den Pflegeberufen wollen, weil sie anderen Menschen helfen wollen.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Ihre Motivation?

Kiedrowski: Ja. Ich will Pflegefachmann werden. Damit kann ich dann alle Pflegeberufe machen, das wurde generalisiert. Ich werde später wahrscheinlich Alten- oder Kinderpfleger.

SPIEGEL ONLINE: Und am Filmset konnten Sie sehen, wie es in Ihrem Beruf künftig zugeht?

Kiedrowski: Nein, da waren ja keine echten Pfleger und Ärzte im Einsatz. Aber die Chance, sich solche Dreharbeiten mal anzugucken, hat man ja nicht jeden Tag! Wir waren erst hinter den Kulissen, bei den Masken und Kostümen und haben gesehen, wie das abläuft. Dann haben wir die Filmsets besichtigt. Das war sehr interessant, mit all den Kameras und Lichtern.

Peter Endig / DPA

Realschüler aus Hessen im Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

SPIEGEL ONLINE: Und Ihr Berufswunsch steht noch - oder wollen Sie jetzt lieber Schauspieler werden?

Kiedrowski: Nein, nein. Vielleicht hat es bei anderen diesen Wunsch geweckt. Aber das ist nicht mein Ding. Wir haben außerdem nicht nur das Filmset besucht, sondern auch das Uniklinikum. Da konnten wir zum Beispiel an einem Dummy ausprobieren, eine Sonde über den Rachen in die Lunge zu führen. Und sehen, was in Zukunft möglich ist. Die Klinik forscht an Robotern und hat uns gezeigt, wie mit Robotern geredet wird und was die schon alles können.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie vor dem Besuch noch an Ihrem Berufswunsch gezweifelt?

Kiedrowski: Ich war mir vorher nicht ganz sicher, ob ein Pflegeberuf wirklich was für mich ist. Wir sind dann in einem Doppeldeckerbus zum Set gefahren. Und an Bord waren auch Mitarbeiter von Pflegeschulen aus der Region. Die konnte ich fragen, wie die Ausbildung abläuft und was man damit später machen kann. Da bin ich mir sicher geworden, dass ich wirklich Pflegefachmann werden will. Ich habe jetzt meinen Beruf für mich gefunden.

Mit Material von dpa

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