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Banken an Mitarbeiter

Ihr dürft am Wochenende auch mal zu Hause bleiben

Viele Investmentbanken kündigen an, ihren Leuten mehr Freizeit zu spendieren. Zum Beispiel - Tusch! - ein freies Wochenende pro Monat bei JP Morgan. Dahinter steckt eine ernste Debatte.

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Goldman Sachs in New York: Investmentbanking zählt zu den stressigsten Finanzjobs

Sonntag, 19.01.2014   12:18 Uhr

Der Tod eines Praktikanten der Bank of America im vergangenen Sommer in London war vermutlich der Auslöser: Immer mehr Banken lockern die Vorgaben vor allem für ihre jungen Mitarbeiter im Investmentbanking, um ihnen eine bessere Work-Life-Balance zu ermöglichen. Der Nachwuchs soll weniger arbeiten, insbesondere an den Wochenenden, und dafür mehr Freizeit haben.

Das jüngste Beispiel: die Credit Suisse. Juniorbanker sollten samstags nicht im Büro sein, es sei denn, sie arbeiteten an einem "live deal", an einem laufenden Verfahren, dass schnelle Analysen erfordert. Das schrieb Jim Amine, Chef des globalen Investmentbankings, laut einem Bericht der "Financial Times" in diesen Tagen an alle seine Mitarbeiter in Nord- und Südamerika.

Auch eine Reihe von Mitbewerbern lockert die Zügel. Im Oktober vergangenen Jahres hatte bereits Goldman Sachs einen ähnlichen Vorstoß gemacht. Es folgten JP Morgan im Dezember sowie die Bank of America vor wenigen Tagen. Eine Anfrage, ob es auch bei der Deutschen Bank Überlegungen oder bereits Veränderungen in diese Richtung gibt, wollte das Institut nicht kommentieren.

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Was die Investmentbanken unter Entlastung verstehen, dürfte Branchenfremden allerdings merkwürdig vorkommen. Vorbehalte wie der Hinweis auf den möglichen "live-deal" von Credit Suisse sind laut "Financial Times" üblich. JP Morgan gönnt seinen Leuten als Entgegenkommen sage und schreibe ein freies Wochenende im Monat. Und Christian Meissner, Chef des weltweiten Investmentbankings der Bank of America, will künftig sicherstellen, dass Mitarbeiter an mindestens vier Wochenendtagen nicht arbeiten - pro Monat.

Konkurrenz um Top-Absolventen

So mickrig das ist - insbesondere Einsteigern ins internationale Investmentbanking dürften die Neuerungen paradiesisch erscheinen. Die Branche gilt als eine der härtesten im Finanzgeschäft überhaupt. Der große Andrang an Nachwuchskräften ermöglichte es den Banken bislang, knallhart auszusieben und den Aspiranten das Äußerste abzuverlangen. Bis zu 100 Arbeitsstunden in der Woche inklusive.

Seit der Finanzkrise haben sich die Vorzeichen jedoch geändert. Das Image von Goldman Sachs, JP Morgan und Co. hat gelitten. Namentlich Credit Suisse gehört längst nicht mehr zu den Top-Adressen am Markt. Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften sowie Branchengrößen aus dem IT-Bereich konkurrieren ebenfalls um die Top-Absolventen der Eliteuniversitäten. Und sie bieten mitunter die deutlich besseren Arbeitsbedingungen, vom stets gefüllten Kühlschrank auf dem Flur bis zur lockeren Kleiderordnung.

Da brauchte es den tragischen Tod des deutschen Bank-of-America-Praktikanten Moritz Ehrhardt lediglich noch als Auslöser für ein Umdenken. Der 21-Jährige war in der Dusche seines Apartments gefunden worden. Einer Obduktion zufolge war der Mann an den Folgen eines epileptischen Anfalls gestorben - ausgelöst möglicherweise durch Überarbeitung.

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insgesamt 49 Beiträge
khertel 19.01.2014
1. Jo mei,
keiner wird gezwungen, bei solchen Sklaventreibern zu arbeiten. Wer das für sein Selbstbewußtsein braucht, verdient kein Mitleid. So what.
keiner wird gezwungen, bei solchen Sklaventreibern zu arbeiten. Wer das für sein Selbstbewußtsein braucht, verdient kein Mitleid. So what.
the_speaker 19.01.2014
2. bei 200.000 €
Jahreseinkommen mit noch nicht mal 30 Jahren muss man eben auch paar mehr Stunden arbeiten als der normale Angestellte mit 40.000 € im Jahr. Ob man das wirklich will und ob es das wert ist, kann ja jeder für sich selbst [...]
Jahreseinkommen mit noch nicht mal 30 Jahren muss man eben auch paar mehr Stunden arbeiten als der normale Angestellte mit 40.000 € im Jahr. Ob man das wirklich will und ob es das wert ist, kann ja jeder für sich selbst entscheiden.
brises 19.01.2014
3. die Armen
müssen arbeiten. Auch am WE! Was für ein Jammer. Nein was für arme Leute. Mann! Andere arbeiten auch. Zwischen 25 und 45 ist das auch kein Problem. Bis 40-45 sollte man dann soweit sein, dass man nicht mehr nur aufgrund von [...]
müssen arbeiten. Auch am WE! Was für ein Jammer. Nein was für arme Leute. Mann! Andere arbeiten auch. Zwischen 25 und 45 ist das auch kein Problem. Bis 40-45 sollte man dann soweit sein, dass man nicht mehr nur aufgrund von Leistung, sondern auch seine Erfahrung zu Geld machen kann um sich etwas zurücknehmen zu können. Selbstständige Handwerker arbeiten auch 7 Tage die Woche. Überhaupt, wer seinen Job als Arbeit begreift sollte etwas anderes tun. Beamter vielleicht. Oder beim Spiegel?
Steuerzahler0815 19.01.2014
4.
Wer 100k Dollar Einstiegsgehalt haben will muss dafür auch etwas tun
Wer 100k Dollar Einstiegsgehalt haben will muss dafür auch etwas tun
Arrivato 19.01.2014
5. Da hilft nur noch Klage einreichen
Dies ist ein klarer Verstoß gegen die Allgemeine Erkärung der Menschenrechte: Artikel 4 Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten. [...]
Dies ist ein klarer Verstoß gegen die Allgemeine Erkärung der Menschenrechte: Artikel 4 Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten. Artikel 24 Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub. Die EU-Richtlinie 2003/88/EG über Arbeitszeitgestaltung gewährleistet jedem Arbeitnehmer: • pro 24-Stunden-Zeitraum eine Mindestruhezeit von elf zusammenhängenden Stunden; • eine Ruhepause bei einer täglichen Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden; • pro Siebentageszeitraum eine kontinuierliche Mindestruhezeit von durchschnittlich 24 Stunden zuzüglich der täglichen Ruhezeit von elf Stunden; • eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden einschließlich der Überstunden; • ein bezahlter Mindestjahresurlaub von vier Wochen. Die betroffenen Arbeitnehmer (im Fall des Praktikanten seine Eltern - sofern sie die Kraft dazu haben) sollten Klage einreichen. http://europa.eu/legislation_summaries/employment_and_social_policy/employment_rights_and_work_organisation/c10418_de.htm

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