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KarriereSPIEGEL

Management trifft Mensch

Wie Sie schlechte Ergebnisse zu guten Nachrichten machen

Umsatz gesunken, Ziele verfehlt? Kopf hoch: Alles eine Frage der Perspektive. Im richtigen Licht betrachtet, sind die Verlierer die wahren Sieger. Wie das geht, zeigen CDU und SPD.

Robert Michael/ DPA

Die Politik macht es vor: Auch wenn's mal nicht so gut läuft, lässt sich daraus trotzdem eine gute Nachricht destillieren

Eine Karriere-Kolumne von
Mittwoch, 11.09.2019   13:13 Uhr

Es kann ja nicht immer die große, glamouröse Welt sein, die im Lichtkegel steht. Auch das Unscheinbare hält manchen Erkenntnisschatz bereit. Wenden wir uns deshalb diesmal der Tristesse des Alltags zu. Genauer gesagt: dem Abschneiden von CDU und SPD in Sachsen und Brandenburg.

An Ratschlägen, wie mit den Wahlergebnissen umzugehen sei, mangelte es eigentlich nicht. Und doch fehlte in der Berichterstattung irgendwie der positive Spin, der Lichtblick, der uns sagt, was wir daraus lernen können.

Nun - hier ist er. Der Umgang der einst großen Volksparteien mit den jüngsten Wahlen ist ein schönes Beispiel für eine Fähigkeit, die vor allem im Job mit zu den wichtigsten zählt: aus schlechten Nachrichten gute machen.

Nur eine Frage der Perspektive

Die Frage, wie das geht, stellt sich besonders in Unternehmen. Häufiger, als viele denken, kommt es in der Wirtschaft nicht auf die Zahlen an - sondern darauf, wie man diese Zahlen präsentiert.

Ihr Quartalsergebnis liegt deutlich unter dem vorhergehenden? Mag sein, es ist aber immer noch besser als das Vergleichsquartal des Vorjahres - und das ist schließlich, was zählt. Ihr Produktlaunch fällt dramatisch unter die schönen Prognosen, die Sie auf Ihre Powerpoint-Charts gemalt hatten? Kein Grund zum Verzweifeln: Entscheidend ist doch, dass Sie in einem extrem schwierigen Marktumfeld überhaupt etwas Neues verkauft haben. Und CDU/SPD: massiv verloren, Koalitionen abgewählt? Papperlapapp - die Ministerpräsidenten bleiben, alles andere ist unwichtig.

Wir lernen: Wer trotz schlechter Ergebnisse mit guten Nachrichten glänzen will, braucht zwei Dinge - die richtige Bezugsgröße und ein effektives Erwartungsmanagement.

CDU und SPD haben das vor den Landtagswahlen schulbuchmäßig vorgemacht - mit kräftiger Schützenhilfe durch die Meinungsforscher. Was wurde da nicht alles herbeidemoskopiert: Zerfall der Demokratie, Auflösung aller Werte, AfD-Ministerpräsidenten.

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Nun, da die Ministerpräsidenten voraussichtlich weiter amtieren können, wird all dies zur Nebensache: die massiven Verluste, die miese Grundstimmung, das verlorene Vertrauen. Was zählt: Das Schlimmste wurde verhindert. Und was das Schlimmste ist, das wurde vorher eifrig und penibel durchbuchstabiert.

Nehmen Sie sich also ein Beispiel an den Volksparteien: Verloren hat nur, wer es auch zugibt. Alles andere ist Interpretationssache. Nur eins ist sicher: Wenn Sie die Apokalypse an die Wand malen, es aber nur eine handelsübliche Katastrophe wird - dann stehen Sie als strahlender Sieger da.

insgesamt 9 Beiträge
mantrid 11.09.2019
1. Schönsprech
Klaus Werle bringt es auf den Punkt, wobei nicht nur die Demoskopen, sondern auch die Journalisten-Kollegen die Peinlichkeiten oft klaglos zur Kenntnis nehmen. Da wird selbst die mieseste Performance schöngeredet und artig dazu [...]
Klaus Werle bringt es auf den Punkt, wobei nicht nur die Demoskopen, sondern auch die Journalisten-Kollegen die Peinlichkeiten oft klaglos zur Kenntnis nehmen. Da wird selbst die mieseste Performance schöngeredet und artig dazu genickt, anstatt schonunglos mit kalten Fakten zu kontern. Und wir Bürgern sind da leider auch Schuld daran. Wir hinterfragen nichts, lassen uns doch gern belügen und betrügen und verschließen gern die Augen vor der Realität. Ja, ganz so dramatisch wie die Briten und ihren Chaos-Brexit haben wir es noch nicht auf die Spitze getrieben. Ab mit der Energiewende, die jede Familie nur den Gegenwert von zwei Kugeln Eis pro Jahr kosten sollte, über die Elbphilharmonie die nur 77 Mio. Euro kosten sollte, bis demnächst wohl die Atom-Müll-Endlager-Kosten sidn auch wir auf einem unguten weg. Für uns Bürger ist aber nur wichtig, mit wem die Bachlorette anbändelt und welcher E-Promi Dschungelkönig wird, Wir haben es nicht besser verdient.
murksdoc 11.09.2019
2. Lies, Damned Lies and Statistics
In obengenanntem Standardwerk, dessen Titel übrigens auf Benjamin Disraeli, nicht auf Winston Churchill zurückgeführt wird, wird dieser Trick als "Benchmarking" bezeichnet. Wenn zwei, auch völlig unzusammenhängende, [...]
In obengenanntem Standardwerk, dessen Titel übrigens auf Benjamin Disraeli, nicht auf Winston Churchill zurückgeführt wird, wird dieser Trick als "Benchmarking" bezeichnet. Wenn zwei, auch völlig unzusammenhängende, sehr unterschiedliche Zahlen, in engem zeitlichen Zusammenhang genannt werden, erscheint die eine nicht so gross, wie sie wirklich ist. Der Trick geht angeblich zurück auf Richard Nixon, der anlässlich des My Lai Massakers sagte: "Es kamen 500 Zivilisten ums Leben, von unseren Jungs starben bisher in diesem Krieg 45 000, dieses Jahr allein 13 000".
shalom-71 11.09.2019
3. Hmm..
Der Artikel liest sich, als hätte Herr Werle ihn bei Gunter Dueck abgeschrieben. Alles nichts neues...
Der Artikel liest sich, als hätte Herr Werle ihn bei Gunter Dueck abgeschrieben. Alles nichts neues...
Stäffelesrutscher 11.09.2019
4.
»Ihr Quartalsergebnis liegt deutlich unter dem vorhergehenden? Mag sein, es ist aber immer noch besser als das Vergleichsquartal des Vorjahres - und das ist schließlich, was zählt.« Ja, Herr Werle, genauso ist es. [...]
»Ihr Quartalsergebnis liegt deutlich unter dem vorhergehenden? Mag sein, es ist aber immer noch besser als das Vergleichsquartal des Vorjahres - und das ist schließlich, was zählt.« Ja, Herr Werle, genauso ist es. Geschäftsberichte, Etatentwürfe, statistische Jahrbücher sind voll von Grafiken, bei denen die Quartale mehrerer Jahre hintereinandergelegt sind, sodass man beides sieht: dass man zwar im 3. Quartal weniger Autos produziert hat als im 2. Quartal (Werksferien!), aber mehr als im Vorjahr. Muss ich Ihnen erzählen, dass im 1. Quartal weniger Computer verkauft werden als im 4. Quartal (Weihnachten, Black Friday)? Dito bei Weihnachtsmännern? Dass aber umgekehrt im 1. Quartal mehr Kreuzfahrttouristen durch die Karibik schippern als im 3. Quartal (Hurrikane, Hitze)? Ihr Vergleich ist ein ausgesprochen schlechtes Beispiel für die Kunstfertigkeit, sich willkürlich etwas Passendes herauszusuchen.
stolte-privat 12.09.2019
5. Die neue Kernkompetenz...
... ist schon länger schönreden und schönrechnen. Wer das beherrscht kommt nach oben-jeglicher Inkompetenz zum Trotz. In der Politik genauso wie in der Wirtschaft. Innovativ ist das nicht, eher kontraproduktiv. Echte Leistung, [...]
... ist schon länger schönreden und schönrechnen. Wer das beherrscht kommt nach oben-jeglicher Inkompetenz zum Trotz. In der Politik genauso wie in der Wirtschaft. Innovativ ist das nicht, eher kontraproduktiv. Echte Leistung, Erfahrung und Talent bleiben da auf der Strecke.

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