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Streit um Gehalt

Lufthansa lässt Ex-Gewerkschaftschef glimpflich davonkommen

Muss die Lufthansa dem Chef der Kabinengewerkschaft das Gehalt weiterzahlen, während er Tarifverhandlungen führt? Darüber stritten die Airline und der Gewerkschafter vor Gericht - jetzt haben sie sich geeinigt.

DPA

Nicoley Baublies, ehemaliger Chef der Flugbegleitergewerkschaft UFO

Von
Freitag, 09.08.2019   18:01 Uhr

Anfang Dezember vergangenen Jahres erlebte der damalige Chef der Flugbegleitergewerkschaft UFO, Nicoley Baublies, eine ziemlich unschöne vorweihnachtliche Überraschung. Weil er selbst und weitere Funktionäre längere Zeit überwiegend mit Tarifverhandlungen beschäftigt waren anstatt zu fliegen, verlangte die Lufthansa von den Arbeitnehmervertretern und ihrer Organisation rund 800.000 Euro Gehalt zurück.

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Allein Baublies sollte die Summe von 235.736,14 Euro erstatten - das gesamte Gehalt, das er zwischen 2015 und November 2018 von seinem Arbeitgeber erhalten hatte. Der Betrag hätte den ehemaligen Kabinenchef nach eigenen Aussagen finanziell ruiniert, Baublies ist schon seit Längerem fluguntauglich geschrieben.

Nun lenkt die Lufthansa überraschenderweise ein - ausgerechnet bei dem Mann, der es zu einiger Berühmtheit gebracht hat, seit er 2015 den bislang härtesten Streik der Flugbegleiter bei der Firma organisiert hat.

Am Mittwoch vergangener Woche einigten sich beide Seiten vor dem Frankfurter Arbeitsgericht auf einen Vergleich. Baublies muss nur sieben Prozent der ursprünglich geforderten Summe zahlen. Außerdem darf er den Betrag vom 1. Januar an in monatlichen Raten abstottern.

Im Fliegerjargon nennt man so etwas eine sanfte Landung.

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insgesamt 13 Beiträge
der_rookie 09.08.2019
1. Hm
Bei den Wettbewerbern aus den Golfstaaten wäre das anders abgelaufen. Vielleicht erkennt da gerade jemand, dass die Lufthansa und das deutsche Arbeitsrecht ein bequemeres Leben ermöglichen als so manche Alternative. Wäre ja [...]
Bei den Wettbewerbern aus den Golfstaaten wäre das anders abgelaufen. Vielleicht erkennt da gerade jemand, dass die Lufthansa und das deutsche Arbeitsrecht ein bequemeres Leben ermöglichen als so manche Alternative. Wäre ja schön wenn UFO und Cockpit und Lufthansa künftig etwas weniger Streiks benötigen um sich zu einigen.
sotraluz 09.08.2019
2. Interessant
Der Gesamtbetrag entspricht immerhin mehr als 5.000 EUR im Monat. Viel zu wenig für den harten Job von Flugbegleitern
Der Gesamtbetrag entspricht immerhin mehr als 5.000 EUR im Monat. Viel zu wenig für den harten Job von Flugbegleitern
112211 10.08.2019
3. Gewerkschaft oder Betriebsrat
Die Landung ist wirklich sanft. Jeder Betriebsrat weiß, dass er nur solange von der Arbeit freigestellt ist, wie er (oder sie) dieses Amt ausführen, wobei der Betriebsrat in gewisser Weise frei darüber entscheidet, was [...]
Die Landung ist wirklich sanft. Jeder Betriebsrat weiß, dass er nur solange von der Arbeit freigestellt ist, wie er (oder sie) dieses Amt ausführen, wobei der Betriebsrat in gewisser Weise frei darüber entscheidet, was notwendig ist. Auch wenn es Urteile gibt, bei denen zugunsten der Betriebsräte entschieden wurde, so ist das Eis doch recht dünn.
quark2@mailinator.com 10.08.2019
4.
Als Arbeitgeber würde ich sagen, daß der Mann der Firma doch eine Leistung erbringt. Irgendwer muß die Tarifverhandlungen ja wohl führen und das geht nur, wenn die Arbeitnehmer adäquat und kompetent vertreten sind. Solange [...]
Als Arbeitgeber würde ich sagen, daß der Mann der Firma doch eine Leistung erbringt. Irgendwer muß die Tarifverhandlungen ja wohl führen und das geht nur, wenn die Arbeitnehmer adäquat und kompetent vertreten sind. Solange der Wille nach neuer Verhandlung wirklich aus der Belegschaft kommt, ist es mMn. sehr angebracht, ihn zu bezahlen. Anders würde ich es nur sehen, wenn eigentlich vorher alle zufrieden waren. Ich frage mich, warum das überhaupt infrage gestellt werden mußte.
marianne1020 10.08.2019
5. Da die Lufthansa, so wie jeder Arbeitgeber,
auch die Arbeitgeberanteil der Sozialversicherung überweist, gehe ich davon aus, daß sie diesen auch zurückgefordert hat. Im übrigen dürfte, wenn ich das Foto richtig, deute es sich beim Chef der Kabinengewerkschaft [...]
Zitat von sotraluzDer Gesamtbetrag entspricht immerhin mehr als 5.000 EUR im Monat. Viel zu wenig für den harten Job von Flugbegleitern
auch die Arbeitgeberanteil der Sozialversicherung überweist, gehe ich davon aus, daß sie diesen auch zurückgefordert hat. Im übrigen dürfte, wenn ich das Foto richtig, deute es sich beim Chef der Kabinengewerkschaft schon um einen Herrn hoch in den Vierzigern handeln, so daß man davon ausgehen kann, daß er nicht einfach Steward sondern mit Sicherheit Langstrecken-Purser auf einem Großraumflugzeug war. Und die haben zu meiner Zeit (1971 - 80) schon sehr, sehr gut verdient.

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