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KarriereSPIEGEL

Arbeitsrecht bei Flugverspätungen

Gestrandet im Urlaub - das müssen Sie für die Arbeit wissen

Sie wollten am Donnerstag oder Freitag mit Lufthansa nach Hause fliegen - und sind nun vom Streik betroffen? Gibt es trotzdem Gehalt, oder droht eine Abmahnung? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

AFP

Passagiere vor einer Anzeigetafel am internationalen Flughafen in Denpasar, Bali

Mittwoch, 06.11.2019   15:13 Uhr

Zwei Tage lang legen die Flugbegleiter von Lufthansa die Arbeit nieder - 180.000 Passagiere sind vom Streik am Donnerstag und Freitag dieser Woche betroffen. Insgesamt fallen 1300 Flüge aus.

Gründe für eine verspätete Rückkehr aus dem Urlaub gibt es viele: Naturkatastrophen oder Fluglotsen-Streiks, eine insolvente Airline oder technische Probleme am Flieger. Was passiert, wenn Berufstätige deswegen nicht rechtzeitig wieder bei der Arbeit sind?

Ich hänge unverschuldet an meinem Urlaubsort fest und kann nicht zur Arbeit. Bekomme ich trotzdem mein Gehalt?

Nein, Sie haben als Arbeitnehmer die Pflicht, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Sind Sie nicht da, gibt es auch kein Entgelt für die versäumte Zeit. Das Risiko liegt in solchen Fällen allein bei Ihnen.

Kann mein Arbeitgeber mich abmahnen oder mir gar kündigen?

"Dafür fehlt in der Regel das Verschulden", sagt Bredereck. Nur ein Pflichtverstoß hat laut dem Fachanwalt arbeitsrechtliche Konsequenzen wie eine Abmahnung oder die Kündigung.

Sie müssen Ihren Arbeitgeber aber in jedem Fall über die Verspätung informieren, und zwar unverzüglich - genau wie bei einer Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit. Denn ein Verstoß gegen die Informationspflicht kann durchaus arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, im Wiederholungsfall sogar bis zur Kündigung.

Muss ich bei der Urlaubsbuchung einen Puffer einplanen, um pünktlich zur Arbeit zurück zu sein?

Wenn Sie Ihren Rückflug sehr knapp kalkuliert haben - zum Beispiel Landung Sonntagabend gegen 22 Uhr, Dienstbeginn um 8 Uhr am Montag - ist eine Verspätung eher eigenes Verschulden, so Bredereck. Sie sollten in jedem Fall alles Ihnen Zumutbare getan haben, um den Arbeitsausfall zu vermeiden. Was das ist, hängt allerdings vom Einzelfall ab. Bei einem knapp kalkulierten Puffer etwa ist es Ihnen eher zuzumuten, kostenpflichtig auf einen anderen Flug umzubuchen, um doch noch pünktlich zu kommen.

Lesen Sie hier, welche Rechte und Pflichten Sie bei Verspätungen wegen Schnee und Glatteis haben.

Arbeitsrecht von A bis Z

sun/lmd

insgesamt 2 Beiträge
halverhahn 07.11.2019
1. Zum letzten Beispiel hier im Artikel
"Knapper Puffer" sieht für mich aber völlig anders aus als bspw Rückkehr ausm Urlaub am Sonntagabend gegen 22 Uhr und Arbeitsbeginn am Montagmorgen um 8 Uhr... Da liegt doch noch ne ganze Nacht dazwischen... Hat der Flieger [...]
"Knapper Puffer" sieht für mich aber völlig anders aus als bspw Rückkehr ausm Urlaub am Sonntagabend gegen 22 Uhr und Arbeitsbeginn am Montagmorgen um 8 Uhr... Da liegt doch noch ne ganze Nacht dazwischen... Hat der Flieger da etwas Verspätung hat der betr. Arbeitnehmer am nächsten Morgen auf der Arbeit halt etwas dicke Augen weil zu wenig oder überhaupt keinen Schlaf bekommen... Na und!? Für mich ist das überhaupt kein "knapper Puffer" sondern normal... Urlaubstage sind kostbar und dann plane ich auch bis zum letzten Tag. Und sollte an so nem "letzten Tag" der Flieger wirklich ausfallen, dann ist das so und der Arbeitgeber soll nicht maulen. Einen weiteren Urlaubstag abziehen und gut is. Denke, dass werden die meisten Gerichte auch so sehen. Also bitte hier nicht unnötig "dramatisch" werden...
MartinS. 08.11.2019
2. ...
Die Gerichte haben da ja erstmal gar nichts mit zu tun.... wenn ein Flug ausfällt, verspätet ist, whatever... kann passieren, ist aber nicht das Verschulden des Arbeitnehmers. Nur wenn er eben dadurch am Folgetag NICHT wir [...]
Zitat von halverhahn"Knapper Puffer" sieht für mich aber völlig anders aus als bspw Rückkehr ausm Urlaub am Sonntagabend gegen 22 Uhr und Arbeitsbeginn am Montagmorgen um 8 Uhr... Da liegt doch noch ne ganze Nacht dazwischen... Hat der Flieger da etwas Verspätung hat der betr. Arbeitnehmer am nächsten Morgen auf der Arbeit halt etwas dicke Augen weil zu wenig oder überhaupt keinen Schlaf bekommen... Na und!? Für mich ist das überhaupt kein "knapper Puffer" sondern normal... Urlaubstage sind kostbar und dann plane ich auch bis zum letzten Tag. Und sollte an so nem "letzten Tag" der Flieger wirklich ausfallen, dann ist das so und der Arbeitgeber soll nicht maulen. Einen weiteren Urlaubstag abziehen und gut is. Denke, dass werden die meisten Gerichte auch so sehen. Also bitte hier nicht unnötig "dramatisch" werden...
Die Gerichte haben da ja erstmal gar nichts mit zu tun.... wenn ein Flug ausfällt, verspätet ist, whatever... kann passieren, ist aber nicht das Verschulden des Arbeitnehmers. Nur wenn er eben dadurch am Folgetag NICHT wir geplant zur Arbeit erscheint (weils vielleicht der letzte Flug des Tages war, und er dann erst Mittags landet), dann wird ihm für den Ausfalltag natürlich ein weiterer Tag Urlaub abgezogen, oder es geht vom Überstundenkonto...... Steht eigentlich auch so beschrieben in dem Artikel, dass dies üblicherweise keine Arbeitsrechtlichen Konsequenzen haben kann (Verpflichtet ist der verspätete Arbeitnehmer natürlich, seinem Arbeitgeber so schnell wie möglich Bescheid zu geben) Der Arbeitgeber wird hier auch nicht maulen.... wie soll er denn auch? Nur wird er die Zeit abziehen, was wohl auch nachvollziehbar ist.

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