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Streik

Zu spät im Büro - das sind die Konsequenzen

Arbeitnehmer in ganz Deutschland wurden Montag vom Streik überrascht. Hätten Sie besser vorplanen müssen? Droht jetzt eine Abmahnung? Und muss die Zeit nachgearbeitet werden? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

DPA

Zugbegleiterin in Frankfurt am Main (Symbolbild)

Montag, 10.12.2018   12:18 Uhr

Nichts geht mehr im Fernverkehr: Viele Pendler wurden am Montag vom Ausmaß des Streiks überrascht - und kamen zu spät zur Arbeit. Und obwohl der Streik bereits nach ein paar Stunden beendet wurde, ist noch den ganzen Tag mit Zugausfällen zu rechnen.

Welche Rechte und Pflichten haben Arbeitnehmer, wenn sie zu spät kommen, über Stunden am Bahnhof festhängen oder keinen Weg mehr zur Arbeit finden? Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist, wenn ich nicht zur Arbeit komme, weil die Bahn streikt?

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie nicht arbeiten, bekommen Sie auch kein Geld. Angestellte sind selbst dafür verantwortlich, dass sie pünktlich ihren Job beginnen, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Das gilt auch an Tagen, wenn die Züge Stunden später fahren oder die U-Bahn ersatzlos ausfällt. Anders ist es, wenn Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen ausdrücklich eine andere Regelung vorsehen.

Kann mein Chef mir kündigen, wenn ich zu spät oder gar nicht komme?

Nein, so einfach geht das nicht. Eine Abmahnung droht Angestellten nur, wenn sie selbst schuld an der Unpünktlichkeit sind - also nicht bei unvorhersehbaren Ereignissen wie einem Streik. Anders sieht es aus, wenn der Streik rechtzeitig angekündigt wurde.

Was als rechtzeitig gilt, ist allerdings nicht genau definiert. Fachleute für Arbeitsrecht haben bisher einen Vorlauf von zwei bis drei Tagen für angemessen gehalten. Bredereck sagt jedoch, dass das Problem Streik immer häufiger vorkommt - und Arbeitnehmer sich künftig auch kurzfristiger darauf einstellen müssten. Hier könne man sich nicht mehr auf die aktuelle Rechtsprechung verlassen.

Wie umfassend muss ich mich informieren?

Sie müssen nicht täglich aufwendige Recherchen betreiben, um von einem bevorstehenden Streik zu erfahren, sagt Bredereck. "Wenn der Streik am Freitag bei SPIEGEL ONLINE angekündigt war, ist es zumutbar, dass Sie davon wissen." Liege allerdings wie im aktuellen Fall ein Wochenende vor dem Streik und sei der Ausstand am Freitag noch nicht absehbar, sei das anders: "Sie dürfen auch mal zwei Tage abschalten und keine Zeitung lesen."

Arbeitsrecht von A bis Z

Von dem aktuellen Streik seien viele überrascht worden, sagt Bredereck. "Das war so am Freitag noch nicht abzusehen." Arbeitnehmer trifft in diesem Fall also keine Schuld, wenn sie zu spät kommen.

Wie viel Aufwand muss ich betreiben, um trotz Streik ins Büro zu kommen?

"Sie können sich nicht einfach wieder ins Bett legen, wenn Sie sehen, dass Ihr Zug ausfällt", stellt Fachanwalt Bredereck klar. Da Sie ohnehin arbeiten müssten, haben Sie Zeit, weiterhin alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um zur Arbeit zu kommen. Sie müssen Ihren Chef zudem umgehend darüber informieren, dass Sie zu spät kommen, sagt Bredereck. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzen, ob sich die Anreise auch bei einer mehrstündigen Verspätung noch lohnt.

Ich nehme ein Taxi oder ein Flugzeug, muss mein Chef das zahlen?

Nein, Sie sind selbst dafür verantwortlich, wie Sie zur Arbeit kommen und müssen auch Mehraufwand und -kosten dafür in Kauf nehmen. Für Pendler gibt es hier keine Ausnahmen. "Es ist Ihre persönliche Entscheidung, wie weit Sie vom Arbeitsort entfernt wohnen", sagt Bredereck.

Allerdings müssten die Mehrkosten im Verhältnis zu Ihrem Verdienst stehen. Einem Vorstandsvorsitzenden sei es durchaus zuzumuten, ein Taxi von Hamburg nach Berlin zu nehmen. Bei einem Lohn von 200 Euro wäre das nicht angemessen.

Muss ich die Zeit nachholen, die ich verpasse?

Nein, verpflichtet sind Sie dazu nicht. Allerdings wird Ihnen die Fehlzeit vom Lohn abgezogen. "Wenn Ihr Chef anbietet, die Zeit nachzuholen, sollten Sie das auch annehmen", rät Bredereck. Müssen Sie Ihr Kind hingegen von der Kita abholen, geht das vor.

Arbeitnehmer sind auf ihrem direkten Arbeitsweg unfallversichert. Was aber, wenn ich nur auf Umwegen ins Büro komme?

In diesem Fall sind Sie trotzdem unfallversichert: Wenn Sie keine andere Möglichkeit haben, zur Arbeit zu kommen, ist das ja der direkte Arbeitsweg. Auch wenn Sie bei einem Kollegen mitfahren und der noch andere Mitfahrer abholt, ist das unproblematisch.

sun

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