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Türkei

Tausende Lehrer dürfen nicht mehr unterrichten

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei hat die Regierung Tausenden Pädagogen die Lehrerlaubnis entzogen - um Erdogans Erzfeind zu treffen.

Getty Images

Schule in Istanbul (Symbolbild)

Mittwoch, 20.07.2016   12:50 Uhr

Die türkische Regierung greift nach dem fehlgeschlagenen Putschversuch zu radikalen Maßnahmen. Vier Tage nach dem Aufruhr entzog sie rund 21.000 Lehrern, vor allem an Privatschulen, die Lehrberechtigung, berichtet der türkische Sender NTV. Außerdem sollen 1577 Hochschuldekane gehen. Das Bildungsministerium verordnete 15.200 Mitarbeitern eine Zwangspause.

Den Mitarbeitern werden Verbindungen zu den Putschisten und zur Gülen-Bewegung vorgeworfen, die zahlreiche Privatschulen betreibt. Präsident Recep Tayyip Erdogan beschuldigt seinen Erzfeind Fethullah Gülen, den Putsch angezettelt zu haben.

Ministerpräsident Benali Yildirim warf dem in den USA lebenden Prediger vor, Chef einer geheimen Terrororganisation zu sein. "Wir werden sie an der Wurzel packen, damit keine terroristische Geheimorganisation mehr die Frechheit hat, unser gesegnetes Volk noch einmal zu verraten."

Gülen hat die Vorwürfe gegen ihn mehrfach strikt zurückgewiesen und den Putsch verurteilt. Seine Bewegung verbindet traditionelle islamische Werte mit einer prowestlichen Einstellung. Die Türkei fordert Gülens Auslieferung aus den USA. Ein entsprechender Antrag werde derzeit vorbereitet, sagte ein Sprecher Erdogans.

Bisher hat die türkische Regierung knapp 30.000 Staatsbedienstete mit angeblichen Verbindungen zu Gülen suspendieren lassen. Seit dem Wochenende wurden mehr als 7500 Menschen inhaftiert, darunter 6000 Soldaten.

dpa/Reuters/fok

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