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KarriereSPIEGEL

Studie zu Weiterbildung

Kein Aufstieg durch Bildung

Wer sich bildet, kommt weiter: Das Credo gilt offenbar nicht für die berufliche Weiterbildung. Wer Schulungen und Kurse besucht, verharrt eher auf seiner Position statt aufzusteigen. Warum ist das so?

Getty Images

Weiterbildung im Betrieb (Symbolbild)

Montag, 10.12.2018   17:35 Uhr

Weiterbildung ist kein Garant für beruflichen Erfolg. Das haben Forscher des Wissenschaftszentrums Berlins und des Karlsruher Instituts für Technologie in einer empirischen Untersuchung über die Folgen von Fortbildungen festgestellt.

Die Wissenschaftler wollten wissen: Wie wirken sich sogenannte non-formale Weiterbildungen wie Schulungen an neuen Geräten oder der Besuch von Sprachkursen auf die Karrieren von Arbeitnehmern aus. Bei sogenannten formalen Weiterbildungen wie dem Meisterkurs oder einem Studium ist der positive Aspekt hingegen unumstrittenen.

Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler die Daten des Nationalen Bildungspanels zwischen 2009 und 2016. Im Mittelpunkt standen die Erwerbsbiografien von gut 7500 Angestellten im Alter von 25 bis 55 Jahren.

Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Die Untersuchung wurde von der Hans-Böckler-Stiftung finanziert. Sie ist im Rahmen des Projekts "Berufsbezogene Weiterbildung in Deutschland - Gründe, Formen, Erträge" entstanden. Durchgeführt wurde sie von Christian Ebner vom Karlsruher Institut für Technologie und Martin Ehlert vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, WZB. Die Abhandlung "Weiterbilden und Weiterkommen? Non-formale berufliche Weiterbildung und Arbeitsmarktmobilität in Deutschland" ist in der "Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie" erschienen.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Forscher nutzten Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS) über den Zeitraum von 2009 bis 2016. In ihre Analyse flossen die Berufsbiografien von 7516 abhängig Beschäftigten im Alter von 25 bis 55 Jahren ein.
Was war das Ziel der Untersuchung?
Die Wissenschaftler gingen der Frage nach, ob non-formale berufliche Weiterbildung, also Kurse und Lehrgänge, welche den Großteil der Weiterbildungsanstrengungen in Deutschland darstellen, zu sozialem Aufstieg führen.

Zentrale Erkenntnis der Studienmacher: Das Motto "Aufstieg durch Bildung" trifft bei betrieblicher Bildung nicht zu - sondern hat den gegenteiligen Effekt. Arbeitnehmer, die an Weiterbildungen teilnehmen, wechseln seltener ihren Betrieb und Beruf und steigen seltener auf.

"Aus Sicht der Betriebe ist das eine logische Strategie: Wenn Beschäftigte geschult werden, um ihre aktuelle Aufgabe besser zu verrichten, ergibt es keinen Sinn, sie auf andere Stellen zu setzen", erklärte Co-Autor Martin Ehlert.

Der Befund sei aber nicht als Plädoyer gegen die Weiterbildung zu verstehen, so die Wissenschaftler. Betriebliche Fortbildungen versetzen Erwerbstätige demnach in die Lage, sich an verändernde Gegebenheiten am Arbeitsplatz anzupassen.

Zweitens sei die Weiterbildung eine Art Jobgarantie: Denn diese Arbeitnehmer steigen auch seltener ab oder verlören ihre Anstellung. Weiterbildungen hätten damit eine "Sicherheitsnetzfunktion". Für den Aufstieg aber brächten sie nichts.

sun

insgesamt 28 Beiträge
intercooler61 10.12.2018
1. oft sehr schmalspurig
Was da als "Fortbildung" verkauft wird, ist nach meinen Erfahrungen oftmals recht oberflächlich und schmalspurig auf spezielle Aufgaben und Produkte zugeschnitten. Auch an der Qualifikation der Referenten hapert es [...]
Was da als "Fortbildung" verkauft wird, ist nach meinen Erfahrungen oftmals recht oberflächlich und schmalspurig auf spezielle Aufgaben und Produkte zugeschnitten. Auch an der Qualifikation der Referenten hapert es gelegentlich. Löbliche Ausnahmen habe ich auch erlebt, waren aber nicht die Regel. Aus Sicht des Betriebs aber verständlich: es soll halt möglicht schnell & billig gehen. Ich denke, entscheidend ist die neue Aufgabe selbst (interessant? zukunftsträchtig? verallgemeinerbar?) und wie intensiv man sich nach der Fortbildung darin "austoben" kann.
dasfred 10.12.2018
2. Wissenschaftler haben wieder was rausgefunden
Da hat sich doch tatsächlich rausgestellt, dass Menschen, die sich an neue Anforderungen im Job durch Fortbildung anpassen, diesen Job auch besonders lange ausüben. Was muss man tun um für logische Alltagsphänome Fördermittel [...]
Da hat sich doch tatsächlich rausgestellt, dass Menschen, die sich an neue Anforderungen im Job durch Fortbildung anpassen, diesen Job auch besonders lange ausüben. Was muss man tun um für logische Alltagsphänome Fördermittel zu bekommen. Das würde mich viel mehr interessieren.
großwolke 10.12.2018
3. Was noch dazu kommt
Beileibe nicht jedes Unternehmen investiert aktiv in die arbeitsplatzspezifische Fortbildung seiner Leute. Da, wo es passiert, ist für den Arbeitnehmer in der Regel auch vieles andere besser als bei der Konkurrenz. Daher auch die [...]
Beileibe nicht jedes Unternehmen investiert aktiv in die arbeitsplatzspezifische Fortbildung seiner Leute. Da, wo es passiert, ist für den Arbeitnehmer in der Regel auch vieles andere besser als bei der Konkurrenz. Daher auch die geringe Neigung zum Wechseln. In wen investiert wird, der fühlt sich wertgeschätzt, und gesteigerte Kompetenz macht die Arbeit leichter und damit angenehmer. Dazu kommt noch: gerade in vielen wissenschaftlich-technischen Berufen gibt es eine Art "gläserne Decke", Führungspositionen werden dort standardmäßig an junge Akademiker vergeben, für den Facharbeiter bleibt damit nur die Spezialisierungsschiene. Was über die Jahre aber auch zu guten Gehaltszuwächsen führen kann.
Grünspahn 10.12.2018
4.
Warum sollte ein Englischkurse oder ein Kurs zu neuen Materialien in der Fertigung dem beruflichen Aufstieg dienen? Beide Kurse dienen eher dazu die bisherigen beruflichen Aufgaben besser/weiterhin gut zu erfüllen. Damit sichert [...]
Warum sollte ein Englischkurse oder ein Kurs zu neuen Materialien in der Fertigung dem beruflichen Aufstieg dienen? Beide Kurse dienen eher dazu die bisherigen beruflichen Aufgaben besser/weiterhin gut zu erfüllen. Damit sichert man sich sein Gehalt längerfristig. Mit etwas beruflicher Erfahrung braucht man für die Feststellung keinen wissenschaftlichen Abschluss.
wizzbyte 10.12.2018
5. Alles Gedöns
Es gibt nur eine Rationale : Bildungswege, wo viele abbrechen oder an Prüfungen scheitern, ermöglichen den Überlebenden den Aufstieg, umgekehrt gilt das genauso. Die Zahl der Häuptlinge läßt sich eben nicht sinnvoll [...]
Es gibt nur eine Rationale : Bildungswege, wo viele abbrechen oder an Prüfungen scheitern, ermöglichen den Überlebenden den Aufstieg, umgekehrt gilt das genauso. Die Zahl der Häuptlinge läßt sich eben nicht sinnvoll vermehren. Betriebliche oder schulische Bildungen, wo fast alle bestehen, sind - aufstiegsbezogen - für die Tonne.

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