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Kultur

Der Fall Relotius

Kommission aus erfahrenen Journalisten soll Routinen beim SPIEGEL hinterfragen

Als Reaktion auf den Fall Relotius berufen Chefredaktion und Geschäftsführung des SPIEGEL eine Kommission aus drei erfahrenen Journalisten: Sie sollen die Routinen im Haus und das Versagen der Sicherungssysteme überprüfen. Brigitte Fehrle, Stefan Weigel und Clemens Hoeges werden die Vorgänge untersuchen und öffentlich dokumentieren.

imago/ CHROMORANGE

Mittwoch, 19.12.2018   19:03 Uhr

Die Kommission, die im SPIEGEL den Fall Claas Relotius aufklären soll, ist vollständig. Neben den renommierten Redakteuren Clemens Hoeges und Stefan Weigel aus dem Haus wird auch die frühere Tageszeitungs-Chefredakteurin Brigitte Fehrle als externe Expertin dem Gremium angehören. Es soll im Auftrag von Chefredaktion und Geschäftsführung unter anderem die Vorgänge rund um die Fälschungen untersuchen und Vorschläge für Verbesserungen im Sicherungssystem der Redaktion machen.

Die drei Kommissionsmitglieder haben in den vergangenen Jahren in verschiedenen leitenden Positionen im deutschen Journalismus gearbeitet:

Die Kommission wird sich zu Jahresbeginn konstituieren und vom Tagesgeschäft unabhängig den Fragen rund um den Fall Relotius nachgehen können. Der Autor hatte Geschichten gefälscht und Protagonisten erfunden, dabei auch Kollegen getäuscht und die Sicherungssysteme des Hauses überlistet. Wie genau ihm dies gelungen ist und was daraus an Veränderungen in Organisation und anderen Bereichen zu folgern ist - dies wird das Mandat der Kommission sein.

Schon nach den ersten Recherchen der vergangenen Tage steht fest, dass viele Verdachtsmomente gegen Claas Relotius nur schwer überprüfbar sein werden und die Aufarbeitung mit den Publikationen in dieser Woche erst begonnen hat. Es gibt viele konkrete Fragen für die künftige Arbeit und die Verantwortlichkeiten - der SPIEGEL ist den Worten Rudolf Augsteins verpflichtet: Sagen, was ist. Das ist auch der Anspruch bei der Aufklärung im Fall Relotius. In allen Veröffentlichungen Verlässlichkeit und Genauigkeit anzustreben, in der Analyse wie in der Reportage, in der Nachricht wie im Kommentar, ist verbunden mit der grundlegenden Glaubwürdigkeit das höchste Gut des Hauses. Der Fall legt offen, dass diesen Ansprüchen nicht genüge getan wurde und wo womöglich die Schwächen und Grenzen der Sicherungssysteme sind (mehr dazu lesen Sie hier).

Die Kommission wird aller Voraussicht nach mindestens ein halbes Jahr lang tätig sein. Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Kommission sollen öffentlich dokumentiert werden.

Der Fall Relotius

Verlag und Chefredaktion werden den Prozess nach allen Kräften unterstützen und mit der Kommission entscheiden, wie mit den Erkenntnissen und Empfehlungen umzugehen ist. Dafür bekommt die Kommission Zugang zu allen relevanten Materialien und Informationen, die nach journalistischen und rechtlichen Maßstäben zur Verfügung zu stellen sind.

Aufklärung und Transparenz stehen im Vordergrund. Die von Relotius verfassten Artikel bleiben deshalb auch bis zu einer weitgehenden Klärung der Vorwürfe unverändert, aber mit einem Hinweis versehen im Archiv, das online zugänglich ist, auch um Nachforschungen zu ermöglichen. Wir bitten um Hinweise an hinweise@spiegel.de.

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