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Fotokunst

Was macht der denn da?

Es gibt diese flüchtigen, lustigen Momente, die kann man sich nicht ausdenken. Fotograf Thomas Höpker hat sie festgehalten. Sehen Sie hier seine überraschenden, skurrilen Begegnungen.

Thomas Hoepker/ Magnum Photos
Von
Dienstag, 07.03.2017   17:55 Uhr

Die Situationskomik in Thomas Höpkers Fotografien ist ein Produkt des Zufalls. Eigentlich war der deutsche Fotojournalist sein Leben lang mit den dramatischen Seiten des Lebens befasst, mit Krieg, Armut, Hungersnöten. Doch er behielt sein Auge für kuriose Momente.

Braut und Bräutigam, ganz in Weiß, er mit schwarzer Fliege, sie im perlenbesetzten Kleid, der Schleier weht im Wind. Höpker traf dieses Paar im New Yorker Central Park, sie sitzen auf einer Bank - neben ihnen steht ein knallblauer Einkaufswagen, zu ihren Füßen liegt Plastikmüll. Ein Kontrast, so krass, dass der Betrachter lachen muss.

Ein Bild aus China: Hunderte Statuen aus Müll des Künstlers H.A. Schult wurden zum Transport an einem verregneten Tag mit Luftpolsterfolie eingepackt - der Mann, der sie betrachtet, trägt als Regenschutz ein fast identisches Outfit.

Preisabfragezeitpunkt:
09.09.2019, 13:51 Uhr
Ohne Gewähr

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Thomas Hoepker
Strange Encounters

Verlag:
peperoni books
Seiten:
180
Preis:
EUR 46,00

Als kosmopolitischer Mensch und Künstler bereiste Thomas Höpker von seinem Wohnsitz New York aus sein Leben lang die Welt. Für die berühmte Fotoagentur Magnum war er häufig in Krisengebieten im Einsatz, schaffte es aber, unterprivilegierte Menschen abzubilden, ohne sie bloßzustellen. "Es gibt diesen Begriff der 'concerned photography', also der Fotograf, der sich um Mitmenschen kümmert, um Probleme auf der Welt, um leidende Menschen, der Mitgefühl in seine Arbeit bringt", sagt Höpker. Als Fotojournalist habe er die Exhumierung von Massengräbern gesehen und die Panik nach den Anschlägen des 11. Septembers.

Auf der Pirsch in Museen

Auf seinen vielen Reisen seien ihm aber auch immer wieder heitere Situationen und Personen begegnet, oft flüchtige Momente oder Dinge, die er kurz im Augenwinkel wahrnahm. Versammelt sind diese Bilder nun in dem Fotoband "Strange Encounters". "Ich hatte keine Ahnung, warum der Sohn des Museumswächters in Peking die Bugs-Bunny-Maske vor dem Gesicht hatte. Und dass die Wächterin im Tate Museum neben dem großen Twombly eine rote Haarsträhne hatte, war einfach Glück."

Die komischen Bilder und Bücher des amerikanischen Fotografen Elliott Erwitt seien ihm ein Vorbild gewesen, so Höpker. Erwitt, der ebenfalls in der Agentur Magnum tätig gewesen war, war in den Siebzigerjahren für verschmitzte Schwarz-Weiß-Porträts unter anderem von Hunden bekannt geworden und sagte über sich selbst: "I am serious about not being serious."

Wie für Höpker kann ein wichtiger Impulsgeber in der Kunst der Zufall sein, der für Inspiration und Unberechenbarkeit sorgt. Die Dadaisten Hans Arp und Marcel Duchamp waren die Gründungsväter der Zufallsästhetik, systematisch experimentierten sie mit dem Zufall. Niki de Saint Phalle nutzte später ein Luftgewehr, um Farbbeutel zu zerschießen. Jackson Pollock trug Farbe mithilfe durchlöcherter Konservendosen auf, wie genau sie sich verteilte, konnte er nur bedingt steuern. Für Gerhard Richter sind "Willkür, Zufall, Einfall und Zerstörung" Mittel, die etwas Interessanteres schaffen, als das, was erdacht werden kann.

Sein liebstes Jagdrevier für komische Situationen seien Galerien und Museen, sagt Höpker. "Dort gehe ich umher und halte Ausschau nach Besuchern, die plötzlich ein witziges Match mit einem Kunstwerk ergeben." Er fotografiert dann Menschen, deren Haarfarbe zur Struktur des Kunstwerks passt, das sie betrachten. Oder Museumswächter, die sich farblich passend zu einem Gemälde gekleidet haben. So bringt Höpker ein wenig Humor in den ernsthaften Kosmos der Kunst.

insgesamt 4 Beiträge
Det_onator 07.03.2017
1. Der Name verkauft sich gut
Würde ich die Fotos machen, würde sich keine Sau dafür interessieren, macht Höpcker die Fotos, gibts eine Bildstrecke bei spon.
Würde ich die Fotos machen, würde sich keine Sau dafür interessieren, macht Höpcker die Fotos, gibts eine Bildstrecke bei spon.
uchawi 08.03.2017
2. Schimpfwörter verhallten offenbar ungehört ...
Die meisten Fotos sind sehenswert und zeugen von einem scharfen Blick für skurrile Szenen. Bedenklich finde ich allerdings die Veröffentlichung eines Fotos, dessen Protagonisten so offensichtlich gegen die Aufnahme waren, dass [...]
Die meisten Fotos sind sehenswert und zeugen von einem scharfen Blick für skurrile Szenen. Bedenklich finde ich allerdings die Veröffentlichung eines Fotos, dessen Protagonisten so offensichtlich gegen die Aufnahme waren, dass sie dem Fotografen nach dessen Aussagen sogar "sächsische Schimpfwörter" entgegenschleuderten. Nicht jeder möchte fotografiert und öffentlich ausgestellt werden. Dafür gibt es das Recht am eigenen Bild.
vish 08.03.2017
3. Nun ja.
Vielleicht bin ich ja durch jahrzehntelangen Internetkonsum verdorben aber ich würde diese Bilder keinesfalls als Kunst sondern eher in die Kategorie "Ergebnis einer Google-Suche nach Funny Pics" einordnen. Nicht [...]
Vielleicht bin ich ja durch jahrzehntelangen Internetkonsum verdorben aber ich würde diese Bilder keinesfalls als Kunst sondern eher in die Kategorie "Ergebnis einer Google-Suche nach Funny Pics" einordnen. Nicht besonders Witzigen allerdings...
gutchi 08.03.2017
4. Keine tollen Fotos
Teilweise werde hier auch Menschen ausgestellt daran ist nichts toll.
Teilweise werde hier auch Menschen ausgestellt daran ist nichts toll.

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