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Kultur

Nachfolger von Bruno Ganz

Jens Harzer erhält den Iffland-Ring

Mit dem Iffland-Ring wird der "Würdigste" unter den Schauspielern geehrt. Der verstorbene Bruno Ganz hat die Auszeichnung testamentarisch an den deutschen Theaterstar Jens Harzer vermacht.

DPA

Schauspieler Jens Harzer

Freitag, 22.03.2019   13:09 Uhr

Mehr als 20 Jahre trug Bruno Ganz den Iffland-Ring, jetzt geht die renommierte Trophäe an den deutschen Bühnen- und TV-Schauspieler Jens Harzer über, wie der österreichische Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) bekannt gab. Ganz, der im Februar verstarb, habe den 47-Jährigen aus Wiesbaden, wie es die Tradition verlangt, qua Testament zu seinem Nachfolger als "würdigstem" Schauspieler im deutschsprachigen Raum bestimmt. Harzer sei ein Schauspieler, der durch sein facettenreiches Schaffen auffalle, so Blümel.

Der Iffland-Ring hat eine lange, fast mythische Tradition: Wie es heißt, wurde er einst von Goethe an den Schauspieler, Dramatiker und Theaterleiter August Wilhelm Iffland (1759-1814) gegeben, mit der Maßgabe, ihn dem jeweils bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler zu übereignen. Der Ring ist aus Eisen und trägt einen blauvioletten Halbedelstein, den ein Porträt Ifflands ziert, umgeben von achtundzwanzig kleinen Diamanten.

Jens Harzer ist seit 2009 festes Mitglied des Ensembles am Thalia Theater in Hamburg und stand in Österreich unter anderem bei den Salzburger Festspielen 2018 auf der Bühne. In Salzburg spielte er von 2001 bis 2004 auch den "Tod" in Christian Stückls "Jedermann"-Inszenierung, später die Hauptrolle in Dostojewskis "Verbrechen und Strafe". Am Thalia-Theater ist er aktuell als "Cyrano von Bergerac" und ab Mai als Jupiter in "Amphitryon" zu sehen, jeweils unter der Regie von Leander Haußmann. 2008 und 2011 wurde er von der Fachzeitschrift "Theater heute" zum Schauspieler des Jahres gewählt. Harzer ist regelmäßig auch in Kino und Fernsehen aktiv, zuletzt unter anderem in der ARD/Sky-Serie "Babylon Berlin".

"Das Wenige, was ich von Bruno Ganz weiß"

2001 hatte Harzer eine Laudatio auf seinen Vorgänger anlässlich des Theaterpreises an diesen gehalten. Darin schwärmte er über Ganz: "Das Wenige, was ich von Bruno Ganz weiß, hilft mir, die Einsamkeit einer Arbeit, eines Lebens in der Arbeit, besser zu verstehen. Und sei es auch zutiefst romantisch, ich denke dann immer: Da gibt es diesen großen Schauspieler, der so deutlich und rein geblieben ist in all seinen Schmerzen."

Zum Kreis der möglichen Ring-Anwärter gehörten unter anderem Martin Wuttke, Ulrich Matthes, Klaus Maria Brandauer, Ulrich Tukur und Lars Eidinger. Lesen Sie hier ein Gespräch von Eidinger und Harzer über das Theater.

Bruno Ganz hatte den Ring einst vom österreichischen Schauspieler Josef Meinrad (1913-1996) erhalten. Zunächst soll er seinen fast gleichaltrigen Bühnenkollegen Gert Voss als Nachfolger bestimmt haben, der schon nach Meinrads Tod als Kandidat gehandelt worden war. Voss starb jedoch 2014.

"Theater heute" hatte zuletzt kritisiert, dass der Ring nach festgelegter Tradition bisher nur an Männer weitergegeben worden sei. Die Ehrung solle endlich auch für Frauen geöffnet werden, forderte die Redaktion. Für Schauspielerinnen gibt es allerdings auch ein Schmuckstück, den weniger bekannten Alma-Seidler-Ring.

bor/dpa

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