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Kultur

Ärger um "Mona Lisa"

"Man wird wie ein Tiertransport durch den Louvre getrieben"

Lange Schlangen sind vor der "Mona Lisa" nicht neu - doch seit das Gemälde umgehängt wurde, häufen sich Klagen. Wütende Besucher sprechen von "Wahnsinn, Zeitverschwendung, Abzocke".

Jean Nicholas Guillo/ DPA

Schlange stehen und dann in einem völlig überfüllten Raum warten - das kritisieren viele Besucher des Louvre

Mittwoch, 14.08.2019   13:05 Uhr

Stundenlang Schlange stehen, und wenn man dann endlich vor ihrem Lächeln steht, wird man nach wenigen Sekunden weitergedrängt: Denn man muss Platz machen für die anderen 29.999 Besucher, die einer von der "New York Times" zitierten Schätzung zufolge jeden Tag Da Vincis berühmtestes Gemälde sehen wollen. "Es ist der helle Wahnsinn, was man sich heute alles gefallen lassen muss, um u.a. die 'Mona Lisa' zu sehen", klagt darüber ein Nutzer auf TripAdvisor.

Wer die Mona Lisa betrachten wollte, musste schon immer Geduld mitbringen. Doch seit das Bild aus dem Salle des États, der gerade renoviert wird, weichen musste, klagen immer mehr Besucher über Chaos im Louvre. "Man wird wie ein Tiertransport durch den Louvre getrieben. Stehenbleiben? Foto? 3 Sekunden und dann wird man weitergetrieben", schreibt jemand über seinen Besuch im August.

Seit dem 17. Juli wird das Bild in der Galerie Médicis gezeigt. Dort sorgten Ordner dafür, dass Besucher nicht länger als wenige Sekunden vor dem Bild verweilen, heißt es vielfach in der Kritik. Das sei "Abzocke ohne Ende": Nach Warteschlangen und Kontrollen dränge man sich wieder in einen "völlig überfüllten Raum", um dann erneut zu warten und das Gemälde aus mehreren Meter Abstand wenige Augenblicke zu sehen, beklagt ein Besucher. "Der Besuch war eine totale Zeitverschwendung", schreibt jemand.

Der Louvre ist das meistbesuchte Museum der Welt und zog 2018 über zehn Millionen Menschen an. Vermutlich kommen die meisten Besucher, um das populärste Bild des Museums zu sehen, die "Mona Lisa". Der stellvertretende Geschäftsführer des Louvre, Vincent Pomarède, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass alle Besucher ab Herbst einen Termin für ihren Besuch reservieren müssten. "Es ist die einzige Möglichkeit, den Besuch zu garantieren."

Ab Oktober allerdings soll die "Mona Lisa" wieder an ihrem etablierten Ort zu sehen sein: Sie ist Teil einer großen Ausstellung zum 500. Todestag Da Vincis.

evh/AFP

insgesamt 58 Beiträge
karlsiegfried 14.08.2019
1. Oh Wunder
Muss man die Mona Lisa tatsächlich in Natura gesehen haben? Was bringt das? Es stillt keinen Durst, keinen Hunger oder sonst was. Haben die satten Menschen aus Europa und anderswo nichts anderes mehr zu tun? Selbst schukd an [...]
Muss man die Mona Lisa tatsächlich in Natura gesehen haben? Was bringt das? Es stillt keinen Durst, keinen Hunger oder sonst was. Haben die satten Menschen aus Europa und anderswo nichts anderes mehr zu tun? Selbst schukd an ihrem Dillema. Der wolkenbehangene Himmel, das schäumende Meer, ein schöner alter knörriger Baum und vieles andere auf dieser Welt, das ist doch auch was. Sogar kostenlos,ohne Gedränge und 'ohne wie ein Tier getrieben zu werden'. Mal ausprobieren, das ist entspannend un mehr.
olicrom 14.08.2019
2. Allein mit der Mona Lisa. Das steht mir zu!
Ich hab schließlich Geld dafür bezahlt. Die anderen 30.000 mit demselben Anspruch sollen eben was anderes machen. Dazu braucht man eigentlich nichts mehr zu sagen. Außer vielleicht, dass der riesige Louvre soviel andere und [...]
Ich hab schließlich Geld dafür bezahlt. Die anderen 30.000 mit demselben Anspruch sollen eben was anderes machen. Dazu braucht man eigentlich nichts mehr zu sagen. Außer vielleicht, dass der riesige Louvre soviel andere und auch interessantere Dinge bietet. Oder Paris so viel andere Museen mit einmaligen Kunstwerken besitzt, die aber kaum jemand besucht. Übrigens, nur um mal ein bisschen rumzustrunzen: Ich hab schon mal mit meiner Frau auf der Rialto-Brücke gestanden, unterm Mittelbogen auf den Canale Grande geschaut. Mutterseelenallein. Und mit Ötzi hatte ich eine sehr private Begegnung. Wo sonst hunderte Meter lange Schlangen stehen, war mir eine Viertelstunde Auge in Auge mit dem Gletschermann gegönnt. Ich hätte auch länger bleiben können. Sehr unheimlich. Ganz still und ganz nah. Unvergesslich. Weil ohne irgend einen anderen Besucher. Das geht. Muss man nur mal vorher drüber nachdenken, wie.
Starmoon 14.08.2019
3. Geh aus mein Herz
Dieser eine schöne Beitrag versöhnt mich mit dem Gedöns. Manchmal können sich auch Millionen Fliegen irren ...
Dieser eine schöne Beitrag versöhnt mich mit dem Gedöns. Manchmal können sich auch Millionen Fliegen irren ...
Stäffelesrutscher 14.08.2019
4.
Fotos? Bei 30.000 Besuchern täglich? Selfies mit Duckface vor der Mona Lisa?
Fotos? Bei 30.000 Besuchern täglich? Selfies mit Duckface vor der Mona Lisa?
Das Pferd 14.08.2019
5.
Auch am angestammten Platz ist es nicht so toll. Wenn man sich in den Blick versenken will, und nichts nachts in den Louvre einbrechen, sollte man eine gute Kopie betrachten. Ich finde das Bild irgendwie totrestauriert, hab [...]
Zitat von karlsiegfriedMuss man die Mona Lisa tatsächlich in Natura gesehen haben? Was bringt das? Es stillt keinen Durst, keinen Hunger oder sonst was. Haben die satten Menschen aus Europa und anderswo nichts anderes mehr zu tun? Selbst schukd an ihrem Dillema. Der wolkenbehangene Himmel, das schäumende Meer, ein schöner alter knörriger Baum und vieles andere auf dieser Welt, das ist doch auch was. Sogar kostenlos,ohne Gedränge und 'ohne wie ein Tier getrieben zu werden'. Mal ausprobieren, das ist entspannend un mehr.
Auch am angestammten Platz ist es nicht so toll. Wenn man sich in den Blick versenken will, und nichts nachts in den Louvre einbrechen, sollte man eine gute Kopie betrachten. Ich finde das Bild irgendwie totrestauriert, hab mich kurz auf die Zehenspitzen gestellt, und bin dann weiter geschlendert. Der Louvre ist groß. Und wer nicht gerade ein Faible für ganz alte Schinken hat, geht gleich in das Musee D'ORSAY auf der anderen Seine-Seite. Hat mir viel besser gefallen.

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