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Kultur

Ex-Chefredakteurin der "NY Times"

Plagiatsvorwürfe gegen Jill Abramson

Plagiatsvorwürfe gegen die frühere Chefredakteurin der "New York Times": Mehrere Stellen ihres neuen Enthüllungsbuchs über das Nachrichtengeschäft der US-Medien sollen anderen Texten stark ähneln.

Getty Images

Jill Abramson

Donnerstag, 07.02.2019   12:28 Uhr

Eine der ehemals größten Frauen im amerikanischen Nachrichtengeschäft packt aus: In ihrem neuen Buch "Merchants of Truth" schreibt Jill Abramson kritisch über Nachrichtenjournalismus, Wettbewerb und Ethik. Insbesondere geht es um die zwei Zeitungen " New York Times" und "Washington Post" sowie um die Nachrichtenportale "Vice News" und "BuzzFeed".

Nun werden schwere Plagiatsvorwürfe gegen die frühere Chefredakteurin der "New York Times" erhoben. Der "Vice"-Korrespondent Michael Moynihan zitierte am Mittwoch auf Twitter mehrere Stellen des Buches, die stark früheren Veröffentlichungen in "The New Yorker", "Time Out", einer wissenschaftlichen Arbeit und anderen Publikationen ähneln sollen.

Im Nachrichtensender "Fox News" sagte Abramson am Mittwoch, "ich kann nur sagen, dass ich sicher nicht plagiiert habe. Das Buch enthält 70 Seiten an Fußnoten, die belegen, woher ich meine Informationen habe." Der Verlag Simon and Schuster kündigte auf Twitter an, die Vorwürfe zu prüfen. "'Merchants of Truth' ist ein wichtiges und gründlich recherchiertes Werk über das Mediengeschäft. Es wurde mit größtmöglicher Transparenz verfasst. Jedes der vier im Buch behandelten Unternehmen hatte reichlich Zeit, sich mit dem Inhalt zu befassen und darauf zu reagieren, und wenn nötig, wurden Korrekturen vorgenommen. Sollten weitere Änderungen für nötig erachtet werden, sind wir bereit, mit der Autorin den Text zu überarbeiten."

Michael Moynihan schrieb, er habe bereits vor einigen Wochen eine Fahne des Buches zu lesen bekommen und Abramson auf sachliche Fehler im Zusammenhang mit "Vice" hingewiesen, die die Journalistin daraufhin korrigiert habe. "Alle drei Kapitel über 'Vice' waren voller Fehler", so Moynihan. Die Plagiatsvorwürfe machte Moynihan am Mittwochabend öffentlich, zeitgleich mit dem Verkaufsstart von "Merchants of Truth" im Buchhandel.

Jill Abramson war 2014 gefeuert worden

"Simon and Schuster haben dummerweise eine Million Dollar für dieses desaströse Buch ausgegeben", twitterte Moynihan. "Sollten diese Beispiele nicht genügen, liefere ich gerne noch mehr plagiierte Stellen", schrieb der Journalist.

Jill Abramson hatte sich während ihrer Zeit als Chefredakteurin der "NYT" nicht nur Freunde gemacht. Sie soll gefühllos gewirkt und ihre Reporter demotiviert haben. Zwar erholte sich die Auflage des Blattes unter ihrer Führung, doch sie war als schwierige Despotin verrufen. Nach längeren Spannungen zwischen Abramson und dem "NYT"-Verleger Arthur Sulzberger war sie 2014 nach nur drei Jahren gefeuert worden.

cpa/AP

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