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Kultur

Posse um "Berliner Ensemble"

Hochhuth kommt vor dem Fall

Der Dauerzoff zweier Theater-Größen hat einen dramaturgischen Höhepunkt erreicht: Ein Richter musste klären, ob der Dramatiker und Theater-Miteigentümer Rolf Hochhuth in seinem Haus ein eigenes Stück aufführen darf - und zwar gegen den Willen des Intendanten Claus Peymann.

Donnerstag, 13.08.2009   18:36 Uhr

Berlin/Hamburg - Dem ewigen Streit zweier Theater-Urgesteine wurde am Donnerstag ein vorläufiges Ende gesetzt: Rolf Hochhuth scheiterte mit seiner einstweiligen Verfügung gegen das Berliner Ensemble vor dem Berliner Landgericht. Der Dramatiker hatte auf diesem Weg versucht, die Aufführung seines eigenen Stückes "Sommer 14" im Theater am Schiffbauerdamm noch während der Theaterferien im August durchzusetzen.

Der Richter machte deutlich, dass Hochhuth sein Vorhaben, ein eigenes Stück aufzuführen, zu spät angekündigt habe. Laut Vertrag habe der 78-Jährige zwar durchaus das Recht, während der Sommerpause im Theater zu proben und aufzuführen - allerdings nur, wenn er seinen Wunsch mindestens ein Jahr vorher bekannt gebe und einen Regisseur benenne. Daran habe sich der Autor nicht gehalten.

Dem pikanten Streit liegt eine außergewöhnliche Konstellation zugrunde: Hochhuth war bis Juni dieses Jahres Vorsitzender der nach seiner Mutter benannten Ilse-Holzapfel-Stiftung und damit quasi Eigentümer der Theaterimmobilie, die im Besitz der Stiftung ist. Mieter ist wiederum das Land Berlin, das Claus Peymann als Intendant berufen hat. Doch damit nicht genug: Der 72-jährige Peymann hat "Sommer 14" im Jahr 1988 selbst bei Hochhuth für eine Uraufführung an der Wiener Bühne in Auftrag gegeben.

Zwischen Hochhuth und Peymann kracht es schon seit einiger Zeit: Mal wollte der Dramatiker dem Intendanten die Miete erhöhen, dann wegen "künstlerischer Stagnation" rausschmeißen lassen. Peymann wiederum weigerte sich, Hochhuth-Stücke aufzuführen. Ausgelöst wurde das jetzt vor Gericht entschiedene Scharmützel zwischen den beiden Kombattanten durch Umbauarbeiten im Theater am Schiffbauerdamm. Der Intendant weigerte sich, die Türen für Hochhuth und seine Crew zu öffnen - mit der Begründung, die Probebühne sei nicht benutzbar. Sein Widersacher behauptete das Gegenteil, schoss Beweisfotos, die die leere, aufgeräumte Bühne zeigen sollen.

Hochhuth schrieb sogar einen Brief an den Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (SPD), in dem der Dramatiker Einlass in das Theatergebäude forderte. Andernfalls sei das Schreiben als Kündigung des Mietvertrags zu verstehen.

Unmittelbar vor Prozessbeginn verkündete Hochhuth daher nochmals "das Ende der Ära Peymann am Schiffbauerdamm" und bekräftigte die Auflösung des Mietverhältnisses mit dem Land Berlin. Stattdessen würden die Verlage Suhrkamp und Rowohlt dort ein "Theater der Autoren" gründen.

Ob das aber etwas wird, ist fraglich. Denn auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE widersprach Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil Hochhuths Aussage. Regina Steinicke, Sprecherin des Rowohlt-Verlags, konnte SPIEGEL ONLINE zu den Plänen nichts sagen.

Und auch mit der Kündigung dürfte es noch Ärger geben: Peymanns Anwalt sieht keinen Kündigungsgrund vorliegen, "wir haben den Vertrag nicht verletzt". Der Vertrag laufe bis Ende 2012 mit einer Option auf weitere 15 Jahre. "Herr Peymann freut sich stets, wenn Herr Hochhuth an seinem Haus im Sommer arbeiten will, aber er kann das nicht erst am vierten Tag nach dem Beginn der Sommerferien ordnungsgemäß anmelden."

Dieses Mal zieht jedenfalls der Dramatiker den Kürzeren: "Sommer 14" wird nun ausfallen, so der 78-Jährige. Claus Peymann hat von dem ganzen Theater vor Ort nichts mitbekommen.

Er erholt sich in Tirol, vor hoffentlich schöner Kulisse.

rox/ap/dpa

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