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Kultur

Halluzisuppe

LSD zum Löffeln

Im Herbst sprießen jene Schwammerl aus dem Boden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben: Psilocybin-Pilze zur Kunterbuntisierung unserer Wahrnehmung. Doch Farbauffrischung geht auch ohne Drogen - in unserer total legalen Suppenküche.

Peter Wagner
Von Hobbykoch
Sonntag, 21.10.2012   09:19 Uhr

Im Zuge der Ernährungsmegatrends "Bio", "Regional" und "Nachhaltig" wächst derzeit in Genießerkreisen wieder das Interesse an heimischen Waldgewächsen, denen bei Einnahme psychoaktive Wirkungen nachgesagt werden. Darum soll es heute aber nicht gehen. Weniger, weil eine Genuss-Kolumne kein geeigneter Ort für Hantieren mit teilweise gesetzlich verbotenen Substanzen ist. Nein, es ist einfach so, dass man mit dem Spitzkegeligen Kahlkopf, dem Grünlichgrauen Dachpilz oder den diversen tryptaminhaltigen Flämmlingen beim besten Willen kein auch nur annähernd leckeres Gericht kochen kann.

Muss man auch nicht. Denn in den sogenannten Drogenküchen werden ja - aus Hobbykochsicht leider - keine spannenden Kochrezepte mit bewusstseinserweiternden oder zumindest ordentlich zudröhnenden Substanzen entwickelt, sondern meist nur schnöde und saugefährliche Billigsynthetikdrogen hergestellt. Für Kochschaffende, denen das Hantieren mit frischen Zutaten über alles geht, ist das natürlich nix. Wer will sich schon künstlich hergestellten Industriemist reinpfeifen? Ist im Vergleich zu naturreinem Genuss in etwa so spannend wie eine Fünfminutenterrine anstelle einer Bouillabaisse.

Hypnotischer Farbstrudel

Weder die bunte Welt der Pillen noch die triste Welt der Grönemeyer-Songtexte ("...der Apotheker nimmt Valium und Speed..."), geschweige denn die noch tristere Welt der MDMA-Brutzler, der Amphetamin-Herzkasper oder Heroinlöffelkocher, werfen Feinschmecker-technisch irgendwas ab. Tetrahydrocannabinol sorgt in den Produkten der Cannabispflanze seit Jahrhunderten für mehr als nur kurze Lacherfolge beim Konsumenten - als Harz oder Blätter gibt es auch in Zehntausenden einschlägiger Kiffer-Koch- und Backrezepten die Kernzutat ab.

Oftmals setzt die Wirkung von oral aufgenommenen THC-Produkten heimtückisch erst Stunden nach dem Konsum ein, was bei so manchem wirkungsfixierten Drogisten zu heilloser Überdosierung führen kann, wenn sich der "Ichmerknix" dann auch noch den vierten Haschischkeks in kurzer Folge reinmampft.

Doch machen wir uns nichts vor: Keinem, der sich wissentlich und willentlich Cannabisprodukte ins Mäulchen stopft, geht es nur um den gustatorischen Mehrwert. Und Mitmenschen so was heimlich in den Tee zu rühren, ist verboten.

Keine unerwünschten Überraschungen verbirgt dagegen unser heutiges Rezept für eine zumindest optisch hochgradig psychoaktive Halluzisuppe. Eigentlich sind es sogar gleich drei sehr farbintensive, wunderbar herbstlich-weiche Cremesuppen, die wir im Teller zu einem hypnotischen Farbstrudel verstreichen, wie man ihn sonst, wenn man solchen Zeitgenossen überhaupt Glauben schenken will, nur "auf Trip" sehen kann.

Mit dem dritten Auge natürlich, das einem dann immer mitten aus der Stirn wächst.

insgesamt 18 Beiträge
vaude 21.10.2012
1.
Nachdem ich den Artikel gelesen habe, verspüre ich das unbändige Verlangen mir MDMA und Amphetamine reinzupfeiffen. Dabei laufen die Aussagen im Text dem völlig entgegen. Verrückt.
Zitat von sysopPeter WagnerIm Herbst sprießen jene Schwammerl aus dem Boden, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben: Psilocybin-Pilze zur Kunterbuntisierung unserer Wahrnehmung. Doch Farbauffrischung geht auch ohne Drogen - in unserer total legalen Suppenküche. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/rezept-fuer-halluzisuppe-a-862070.html
Nachdem ich den Artikel gelesen habe, verspüre ich das unbändige Verlangen mir MDMA und Amphetamine reinzupfeiffen. Dabei laufen die Aussagen im Text dem völlig entgegen. Verrückt.
autocrator 21.10.2012
2. mitesser
das auge isst bekanntlich mit ... anzusehen ist diese suppe ja ganz nett, hat sicher einen großen showeffekt - was man bei der haute-cuisine nicht unterschätzen sollte, - und wohl auch die meisten hausfrauen und [...]
das auge isst bekanntlich mit ... anzusehen ist diese suppe ja ganz nett, hat sicher einen großen showeffekt - was man bei der haute-cuisine nicht unterschätzen sollte, - und wohl auch die meisten hausfrauen und hobbyköche in die verzweiflung treibt, weil das nachgekochte gericht partout nicht so aussehen will wie im hochglanz-kochbuch abgebildet. faktisch sind es einfach drei möglichst farbintensive suppen zusammengekippt. Und außer im text kommen pilze darin noch nicht mal vor :-( wobei "suppen" ... das, was uns Wagner da vorkocht, sind eher pürierte sude, und ich fürchte, statt eines homogenen, "runden" geschmacks dadurch zu erreichen verpampen zwiebelwein, kürbiszucker und dumpfgrün zu einem bräsig-kuhfladig-braunen geschmackserlebnis, das durch die optik dann auch nicht mehr zu retten ist. Als "Show" sicher ganz groß - und wie immer bei derlei anstrengungen ist der aufwand dafür dann doch immer wieder immens.
rhodensteiner 21.10.2012
3. Polizei?
Was macht eigentlich die Polizei wenn nun psychoaktive Pilze aus dem Boden sprießen? Wird der Boden nun verhaftet?
Was macht eigentlich die Polizei wenn nun psychoaktive Pilze aus dem Boden sprießen? Wird der Boden nun verhaftet?
hanfiey 21.10.2012
4. Der Author kennt sich aus!
Aber bitte nichts gegen eine Cannabisbutter sagen. Damit kann man köstliche Nussplätzchen backen die auch sofort dröhnen. Zeitverschiebungen gibt es nur bei vollem Magen!
Aber bitte nichts gegen eine Cannabisbutter sagen. Damit kann man köstliche Nussplätzchen backen die auch sofort dröhnen. Zeitverschiebungen gibt es nur bei vollem Magen!
theflix 21.10.2012
5.
Ja, der Boden wird verhaftet. Das ist bei Marihuana und Opium genau so. Wenn sie jemanden mit dem Messer abstechen, wird das Messer verhaftet. Fuer heute waren sie nun aber witzig genug.
Zitat von rhodensteinerWas macht eigentlich die Polizei wenn nun psychoaktive Pilze aus dem Boden sprießen? Wird der Boden nun verhaftet?
Ja, der Boden wird verhaftet. Das ist bei Marihuana und Opium genau so. Wenn sie jemanden mit dem Messer abstechen, wird das Messer verhaftet. Fuer heute waren sie nun aber witzig genug.

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