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Kultur

Sowjetischer Kultregisseur

Marlen Chuzijew ist tot

Seine Filme markierten in den 1950er- und 60er-Jahre ein neues sowjetisches Kino - in dem er das Lebensgefühl der jungen Generation beschrieb. Im Alter von 93 Jahren ist Marlen Chuzijew nun gestorben.

DPA/ Iliya Pitalev/ Sputnik

Marlen Chuzijew

Dienstag, 19.03.2019   17:08 Uhr

Mit "Ich bin 20 Jahre alt" schuf Marlen Chuzijew 1965 das zentrale Werk des sowjetischen Tauwetter-Kinos. Er porträtiert darin die junge Generation auf der Suche nach Sinn und Selbstbestimmung und ihre Auseinandersetzung mit der Elterngeneration. Bei Kreml-Chef Nikita Chruschtschow fiel er damit in Ungnade. Erst nach Kürzungen und Umarbeitungen durfte der Film in den Kinos gezeigt werden.

Schon seine frühen Filme wie "Dwa Fjodora" ("Die beiden Fjodors" 1958) markierten ein neues Kino, eine vom italienischen Neorealismus beeinflusste kritische Aufbruchstimmung, die dann in "Ich bin 20 Jahre alt" seinen Höhepunkt fand. Der Film gilt als Meilenstein der sowjetischen Kinematografie.

Chuzijew, geboren 1925 im georgischen Tiflis, war Sohn euphorischer Kommunisten, die seinen Vornamen aus den Teilen "Mar" von Marx und "Len" von Lenin zusammensetzten. 1992 präsentierte er seine philosophische Reflexion "Infinitas" im Wettbewerb der Berlinale.

Noch 2015 in Deutschland

Eine Revolte von mehreren Regisseuren hatte Chuzijew 2009 gegen den Oscar-Preisträger Nikita Michalkow den Vorsitz im Filmemacherverband übernommen. Er hatte Michalkow als Demagogen beschimpft und ihm vorgeworfen, er nutze seine Kreml-Kontakte nur für eigene Geschäftsinteressen - statt der Filmindustrie in Krisenzeiten zu helfen.

In Deutschland war der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler zuletzt 2015 in Wiesbaden beim Osteuropa-Filmfest goEast zu Gast gewesen. Damals zeigte auch das Berliner Kino Arsenal - Institut für Film und eine Retrospektive mit seinen in Russland bis heute populären Filme.

Nun ist Chuzijew im Alter von 93 Jahren in Moskau gestorben. Kremlchef Wladimir Putin drückte sein tiefes Beileid aus und würdigte Chuzijew als großen Regisseur und Pädagogen.

brs/dpa

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