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Kultur

Fantasy-Hörbuch

Viele Fragezeichen

Die Sprecher der kultigen Krimireihe "Die drei ???" präsentieren die neue Hörspielserie "Dodo": Ein Junge erlebt abgedrehte Abenteuer in phantastischen Parallelwelten. Seine Geschichte ist verrückt und verrätselt, manchmal mehr Trip als Reise.

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Montag, 21.07.2008   08:54 Uhr

Ganz schön mutig sind sie, die Macher der neuen Hörspielserie "Dodo". Da ist gerade mal eine Folge erschienen – und sie bieten im Internet schon mehr als 40 Fanartikel an: T-Shirts, Taschen, Pullis, Mützen und Schirme, alle mit dem dickbauchigen Dodo-Schriftzug.

Die Typografie wirkt gemütlich und poppig zugleich, wie eine Erinnerung an Kindheitstage in den Achtzigern. Damals kamen die Hörspiele der Krimireihe "Die drei ???" in Mode. Über 120 Folgen sind bis heute aufgenommen worden, mehr als 35 Millionen Tonträger verkauft. Die Sprecher der drei Detektive sind noch immer dieselben: Oliver Rohrbeck alias Justus Jonas, Jens Wawrczeck alias Peter Shaw und Andreas Fröhlich alias Bob Andrews. Ihre Rollen haben sie zu Stars einer Szene von Kindheitsnostalgikern gemacht. Zur Zielgruppe der Kultreihe gehören nämlich längst auch junge Erwachsene: die sogenannten Kassettenkinder von der Autorückbank, die mit den Geschichten aufgewachsen sind.

Der Riesenerfolg erklärt das Selbstbewusstsein, mit dem die neue Hörspielserie "Dodo" startet: Zwei der drei Dauer-Detektive sind mit von der Partie. Rohrbeck hat 2003 in Berlin die Lauscherlounge gegründet, zugleich Plattenlabel und Veranstalter von Live-Hörspielen. Er fungiert daher nun als Produzent, Fröhlich spricht die Hauptrolle. Gemeinsam mit dem Autor Ivar Leon Menger haben sie eine Geschichte für Kinder geschaffen – und für Erwachsene, die gerne wieder Kinder wären.

Die erste, bislang einzige Folge "Dodos Rückkehr" vereint Abenteuer, Fantasy und Science-fiction: Ein mysteriöser Anrufer lockt den schüchternen Jungen Dodo in eine Telefonzelle und verspricht ihm dort 5000 Euro Sofortrente, wenn er ihm einen geklauten Löffel zurückbringt. Aus einer Steckdose taucht plötzlich das halbstarke Helferlein Strom-Tom auf und klettert in Dodos Bauch. Angetrieben von elektrischen Schlägen steigt Dodo in die Öffnung einer Quelle, durchquert eine 150 Meter hohe Tür und reitet auf einer Kreuzung aus Elefant und Meerschweinchen.

Die atmosphärisch dichte Handlung fesselt, ist aber auch perfekt zum Einschlafen: Kinderträume jedenfalls können nahtlos anschließen – auch wenn Erwachsene sie träumen. Vieles ist albern und skurril, abgedreht und durchgeknallt, manchmal mehr Trip als Reise, mit vielen Fragezeichen.

Dazu gehört ein eingeblendeter Werbespot für das Phantasieprodukt Ruckipucki von Double-Bubble, das keine Anbindung an die Handlung hat, vor allem aber der hübsch verwirrende Einfall, den Erzähler mit der rauchigen Märchenonkel-Stimme in die Handlung eingreifen zu lassen. Zum Schluss streitet er gar mit einer zweiten, einer weiblichen Erzählerstimme: Wem gehört die Geschichte? Wer bestimmt den Ausgang? Einiges spricht dafür, dass in Folge 2 die Frau ran darf. Sie soll im Herbst erscheinen.


Hörbuch Dodos Rückkehr. Lauscherlounge Records, Berlin; 1 CD, etwa 52 Minuten; 8,95 Euro.

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