Schrift:
Ansicht Home:
Kultur

S. Fischer Verlag

Legendäre Verlegerin Monika Schoeller ist tot

Über 45 Jahre stand sie dem S. Fischer Verlag vor, verantwortete große Thomas-Mann-Editionen, förderte die literarische Kultur - und blieb trotzdem am liebsten im Hintergrund: Mit 80 Jahren ist Monika Schoeller gestorben.

Thomas Lohnes/ ddp images

Monika Schoeller von Holtzbrinck 2004 bei der Verleihung der Goethe-Plakette an sie

Montag, 21.10.2019   14:05 Uhr

Monika Schoeller, langjährige Leiterin des S. Fischer Verlags, ist tot. Sie starb nach kurzer, schwerer Krankheit am 17. Oktober in Filderstadt bei Stuttgart im Alter von 80 Jahren, wie ihr Verlag mitteilte.

Zuvor hatte ihr Bruder Stefan von Holtzbrinck Freunde, Weggefährten und Medienvertreter in einem Brief von Schoellers Tod unterrichtet. "Vor wenigen Wochen noch, an ihrem 80. Geburtstag (…) hätte man ihr nicht anmerken können, dass sie sich bald mit einem Lächeln und still verabschieden würde, im Guten mit sich, den Menschen und ihrem großen Werk", schrieb von Holtzbrinck in dem Brief.

Schoeller war gemeinsam mit ihrem Bruder Gesellschafterin der Holtzbrinck Publishing Group, zu der Qualitätsmedien und Verlagshäuser wie Springer Nature, Macmillan und neben Fischer auch die deutschen Verlage Rowohlt, Kiepenheuer & Witsch sowie Droemer Knaur gehören.

Schoeller wurde am 15. September 1939 als Tochter des Verlegers Georg von Holtzbrinck in Stuttgart geboren. Sie studierte in München, Wien, Paris, London Sprachen und in Zürich Kunstgeschichte und Germanistik. Das Verlagshandwerk lernte sie unter anderem beim Verlag Artemis & Winkler. 1974 wurde sie Verlegerin bei S. Fischer in Frankfurt am Main.

"Ruhmvermeidend im Verborgenen"

Unter ihrer Leitung brachte der Verlag zahlreiche große Editionen heraus, spektakulär war zum Beispiel die Veröffentlichung der Tagebücher Thomas Manns ab 1977 oder die "Große kommentierte Frankfurter Ausgabe" (GKFA) der Werke Thomas Manns im Jahr 2002. Weitere Werkausgaben erschienen, so von Ilse Aichinger, Sigmund Freud, Carl Zuckmayer, Arthur Schnitzler, Alfred Kerr, Heinrich Mann, Franz Kafka und Hubert Fichte. Außerdem initiierte Schoeller 1977 die "Schwarze Reihe", die bislang umfangreichste Buchreihe zum Nationalsozialismus weltweit sowie die weitsichtigen Reihen "Die Frau in der Gesellschaft" und "Fischer Alternativ".

Ende 2002 zog sich Monika Schoeller aus der operativen Arbeit zurück, blieb aber Verlegerin und Mitglied der Geschäftsführung. Nach ihrem Rückzug konzentrierte sich Schoeller auf die S. Fischer Stiftung, die sie 2003 als private Stiftung gründete. Diese widmet sich dem kulturellen, insbesondere literarischen Austausch. So fördert die S. Fischer Stiftung seit 2003 Übersetzungen deutschsprachiger Gegenwartsliteratur in Russland, der Ukraine, Belarus, Ungarn, Polen und der Türkei. 2008 initiierte sie das europäische Netzwerk für Literatur und Bücher TRADUKI.

Für ihr Engagement erhielt Monika Schoeller zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz, die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt und zuletzt die Maecenas-Ehrung des Arbeitskreises selbständiger Kulturinstitute.

Über den Literaturbetrieb hinaus war Schoeller trotz ihres weitreichenden Wirkens so gut wie unbekannt, da sie nie das Rampenlicht suchte. "Sie weilt und wirkt gern ruhmvermeidend im Verborgenen", schrieb Autorin Silvia Bovenschen zum 70. Geburtstag von Schoeller. "Wo sie hilft, geschieht es taktvoll. Wo sie urteilt, geschieht es mit feinem Sinn."

hpi

insgesamt 2 Beiträge
Hudson, Jane 22.10.2019
1. Sie behielt sich
Immer hätte man gern etwas mehr über sie gewusst. Sie behielt sich. Und gab anderes, was ohne sie nicht möglich gewesen wäre. Ein wirklich großer Verlust.
Immer hätte man gern etwas mehr über sie gewusst. Sie behielt sich. Und gab anderes, was ohne sie nicht möglich gewesen wäre. Ein wirklich großer Verlust.
peterw 22.10.2019
2. Glück
Ich hatte das Glück, sie kurz kennenzulernen. Es braucht Menschen wie sie, gerade in lauten Zeiten. Und mehr, die eine Wirksamkeit wie die ihre zu schätzen wissen und unterstützen. Ein großer Verlust.
Ich hatte das Glück, sie kurz kennenzulernen. Es braucht Menschen wie sie, gerade in lauten Zeiten. Und mehr, die eine Wirksamkeit wie die ihre zu schätzen wissen und unterstützen. Ein großer Verlust.
Newsletter
Bücher: Bestseller und Lesetipps

Verwandte Themen

Projekt Gutenberg

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP