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Kultur

Preis der Leipziger Buchmesse

Anke Stelling hat den Roman des Frühjahrs geschrieben

In drei Kategorien wurden die Bücher des Frühjahrs ausgezeichnet. Der Preis der Leipziger Buchmesse in der Belletristik-Kategorie geht an Anke Stelling für den Roman "Schäfchen im Trockenen".

imago/ Sebastian Willnow

Anke Stelling

Donnerstag, 21.03.2019   16:50 Uhr

Die Autorin Anke Stelling hat den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. Sie wurde für den Roman "Schäfchen im Trockenen" ausgezeichnet. Das Buch ist schon im vergangenen Herbst erschienen - im kleinen Verbrecher Verlag aus Berlin.

Resi, die Hauptfigur des Romans, ist eine Schriftstellerin, deren Freundeskreis in Prenzlauer Berg sich von ihr abwendet, weil sie über sie geschrieben hat. Die Hauptfigur lebt mit vier Kindern in prekären Verhältnissen - bald versteht sie, dass der Satz "Das ist toll, wie du das alles schaffst" oft eigentlich bedeuten soll: "Mit dir will ich nicht tauschen". Für die Jury ist "Schäfchen im Trockenen" ein "scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss".

Anke Stelling lebt als Autorin in Berlin. Sie hat das Kinderbuch "Erna und die drei Wahrheiten" sowie sieben Romane, zwei davon gemeinsam mit Robby Dannenberg, verfasst. "Bodentiefe Fenster" (2015) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

In der Kategorie "Sachbuch/Essayistik" hatte die aus Kritikern bestehende Jury überwiegend Journalisten nominiert. Der Preis ging an Harald Jähner, bis 2015 Feuilletonchef der "Berliner Zeitung", für das Buch "Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945 - 1955". Es sei ein "mentalitätsgeschichtliches Panorama", so Jurysprecher Bisky, über ein Land in Schutt und Asche, in dem das Grauen herrscht, sich aber auch Lebensmut breitmacht. Jähner erzählt vom Schwarzmarkt, von kleinen Diebstählen, anhand derer ein Land über die Grenze zwischen Gut und Böse diskutierte, das zuvor den Massenmord an Europas Juden verantwortet hatte. Für die Jury vereint Jähners Buch "Anschaulichkeit, dramaturgisches Gespür und Eloquenz".

Für die beste Übersetzung wurde Eva Ruth Wemme ausgezeichnet. Sie übertrug den Roman "Verlorener Morgen" von Gabriela Adamesteanu aus dem Rumänischen ins Deutsche. Der Roman war ursprünglich 1983 in Rumänien erschienen, trotz kritischer Passagen über das kommunistische Regime unter Nicolae Ceausescu. Eine andere Zeitebene spielt im Ersten Weltkrieg. Den verschiedenen Zeiten entsprechen auch unterschiedliche Sprachebenen. Die Jury lobte Wemme dafür, "mit großem Gespür für den lästerlichen Ton seiner Erzählerin Vica übersetzt" zu haben.

Ausgewählt wurden die Preisträger von einer Jury, erstmals unter der Leitung von Jens Bisky, Sachbuchredakteur bei der "Süddeutschen Zeitung". Dem Preis liege eine umfassende Idee von Literatur zugrunde, so Bisky, und die Jury empfehle die ausgezeichneten Bücher einem "allgemeinem Publikum", es seien Titel, die zu Streit und Diskussion anregen.

Der Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 in den drei Kategorien vergeben, er ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. In diesem Jahr hatten die Verlage nach Messe-Angaben 359 Bücher eingereicht, jeweils fünf Titel waren nominiert. Im Vorjahr hatte in der Kategorie Belletristik Esther Kinsky den Preis der Leipziger Buchmesse für ihren Roman "Hain" gewonnen.

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