Sexautorin Charlotte Roche
"Meine Therapeutin hat mir das Leben gerettet"
500.000 Exemplare Startauflage - die Erwartungen an den neuen Roman von Charlotte Roche sind enorm. Für ihr Debüt "Feuchtgebiete" schrieb sie in erschütternder Offenheit über unterschiedlichste Sexualpraktiken und landete damit einen Bestseller, in ihrem Nachfolgewerk "Schoßgebete" geht es ebenso explizit zur Sache: Es handelt von den Neurosen und Sexeskapaden einer jungen Familienmutter.
Wieviel Roche ist also in der Romanheldin? Im SPIEGEL spricht die Fernsehmoderatorin und Sexautorin über ihre langjährige Psychotherapie, ihre Mager- und Alkoholsucht und ihre Erfahrungen mit der Boulevardpresse. Der Roman beginnt mit einer ausführlichen Sexszene, über die Roche sagt: "Die Idee ist es, sehr viel von sich preiszugeben." Es entspreche im Übrigen ihrer Wirklichkeit, "dass es fast immer die Frauen sind, die ausrasten."
Im Jahr 2008, so Roche, sei sie magersüchtig gewesen. Außerdem habe sie Depressionen und Angstzustände gehabt. Im vergangenen Jahr habe sie aufgehört zu trinken. Zuvor sei sie Alkoholikerin gewesen. Roche: "Ich wollte immer die Mutigste sein, die Lauteste, die Krasseste. Es muss krass sein, sonst entsteht Langeweile."
Nein, Langeweile kam beim ehemaligen Viva-Vorzeigemädchen nie auf. Zwischenzeitlich arbeitete Roche als Moderatorin in der RB-Talkshow "3 nach 9", wo sie sich aber aufgrund ihrer fordernden Fragetechnik bald mit Co-Gastgeber Giovanni di Lorenzo überwarf. Trotz ihres Millionenerfolgs blieb die Autorin im Medienmainstream immer eine Außenseiterin. Selbstzweifel und Kritik von außen setzten ihr immer stärker zu.
Nur ihre Therapeutin habe verhindert, dass sie sich umgebracht habe. Roche: "Sie hat mir schon ganz oft das Leben gerettet. Ganz im Ernst." In dem SPIEGEL-Gespräch spricht Roche außerdem zum ersten Mal öffentlich über den Autounfall, bei dem im Jahr 2001 ihre drei Brüder umkamen und ihre Mutter schwer verletzt wurde. In "Schoßgebete" erlebt die Ich-Erzählerin Elizabeth dieselbe Tragödie. Sie habe diese Passage geschrieben, so Roche, "weil ich das Gefühl hatte, das muss jetzt raus. Ich habe bis heute nicht getrauert, kein bisschen".
Roche hatte nach dem Unfall gegen die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung geklagt. Im SPIEGEL beschreibt sie nun, wie sie auf einem Flug von Berlin nach Köln Mathias Döpfner, den Vorstandsvorsitzenden des Springer Verlages, angesprochen habe. Sie sei zu ihm in die erste Sitzreihe gegangen und habe mit lauter Stimme gesagt: "Ich halte Sie für einen sehr schlechten Menschen wegen der 'Bild'-Zeitung."
Bleibt also abzuwarten, wie die "Bild"-Zeitung angesichts dieser offensiven Anfeindung mit dem Medienphänomen Roche umgehen wird. "Schoßgebete" steht ab Mittwoch in den Buchläden.
cbu

