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Kultur

Berlin

Neunjähriges Mädchen will sich in Knabenchor einklagen

Seit 1465 singen im Berliner Staats- und Domchor nur Jungen. Die Mutter einer jungen Sängerin will das nicht hinnehmen.

Freitag, 09.08.2019   23:05 Uhr

Die Mutter eines neun Jahre alten Mädchen will mit einer Klage erreichen, dass ihre Tochter in den bisher nur mit Jungen besetzten Staats- und Domchor zu Berlin aufgenommen wird. Das bestätigte das Verwaltungsgericht. Über den Fall soll am kommenden Freitag verhandelt werden.

Bei einem Vorsingen im März hatte die Auswahlkommission das Mädchen abgelehnt. Zuvor hatte das Kind im Kinderchor der Komischen Oper Berlin und später in der Domsingschule in Frankfurt am Main gesungen.

Die Auswahlkommission begründete ihre Entscheidung unter anderem mit ungenügender Motivation der Neunjährigen für einen Einstieg in den Domchor. Auch fehle es an einer Grundlage für eine Ausbildung. Zudem bestünden Zweifel an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten, was Grundlage für die Ausbildung einer Kinderstimme sei.

Chor: Stimme muss angestrebten Klangbild eines Knabenchores entsprechen

Die Ablehnung verletzt aus Sicht der Mutter des Mädchens die Verpflichtung des Chors zur Aufnahme, hieß es beim Verwaltungsgericht. Die Neunjährige meine, die Ablehnung verletze ihren Anspruch auf gleiche Teilhabe an staatlichen Leistungen und Förderung. Die Zugangsbeschränkung auf Jungen diskriminiere sie unzulässig.

Aus Sicht des Chors geht die Ablehnung nicht hauptsächlich auf ihr Geschlecht zurück. Sie wäre aufgenommen worden, wenn sich die Auswahlkommission von außergewöhnlicher Begabung, hoher Leistungsmotivation und entsprechender Kooperationsbereitschaft der Erziehungsberechtigten hätte überzeugen können und wenn die Stimme dem angestrebten Klangbild eines Knabenchores entsprochen hätte, hieß es.

Das sei aber nicht der Fall, argumentiert der Staats- und Domchor. Zwischen Mädchen- und Jungenstimmen bestünden anatomische Unterschiede, was zu differenzierten Chorklangräumen führe. Die hierauf zurückzuführende häufigere Ablehnung von Mädchen sei durch die Kunstfreiheit gerechtfertigt.

kko/dpa

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