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Kultur

Ausstellung in New York

Götter, Gaga und Gitarren

Rockmusik war mal Ausdruck der Rebellion. Jetzt wird sie - und ihre Urform Rock'n'Roll - endgültig zur hohen Kunst: Das Metropolitan Museum stellt ihre ikonischen Instrumente aus, darunter legendäre E-Gitarren.

Foto: AP
Von , New York
Montag, 08.04.2019   20:11 Uhr

Don Felder zog 1968 nach New York. "In der einen Hand trug ich eine Gitarre und in der anderen einen Koffer", erinnert sich das Ex-Mitglied der legendären Eagles. Seinen gesamten ersten Tag in der Stadt verbrachte er im Metropolitan Museum of Art, wo der Jungrocker durch die endlosen Säle mit antiken Meisterwerken wanderte.

Ein halbes Jahrhundert später steht Felder, inzwischen 71, in einem überdachten Innenhof des Met, zwischen Marmorstatuen von Degas und Rodin. Doch diesmal ist er selbst ein Ehrengast: "Das", murmelt Felder sichtlich ergriffen, "hätte ich mir nie träumen lassen."

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Zwischen den beiden Met-Besuchen Felders liegt Musikgeschichte. Von 1974 bis 2001 war er der Leadgitarrist der Eagles und schrieb einige ihrer frühen Rockhits - allen voran "Hotel California" mit seinem wohl berühmtesten Gitarrensolo der Welt.

Felder hat die E-Gitarre umgehängt, mit der er den Song 1977 aufnahm, eine Gibson EDS-1275 mit Doppelhals. "Im Prinzip sind das zwei zusammengeklebte Gitarren", sagt er. Dann setzt er an - und "Hotel California", die Ode an die Exzesse der Siebziger, schallt durch die Hallen des Met, des Tempels der bildenden Künste.

Der Moment macht Gänsehaut, und nicht nur den vielen Besuchern, die sich gerade zufällig im Met finden. Die optische und akustische Verschmelzung von alt und jung, erhaben und wild, Mainstream und Rebellion adelt die Rockmusik - und ihre Urform Rock'n'Roll - selbst endgültig zur hohen Kunst.

"Rock'n'Roll ist die künstlerischste Bewegung des 20. Jahrhunderts", sagt Max Hollein, der aus Österreich stammende Met-Direktor. "Seine Instrumente sind ikonische Artefakte, und wir feiern sie als einzigartige Werkzeuge der Innovation."

Deshalb verschwindet Felders Gibson EDS-1275 auch gleich wieder hinter Glas, in einer klimatisierten Vitrine im Südflügel des Met. Hier eröffnet am Montag die erste Museumsausstellung überhaupt, die sich ausschließlich den Instrumenten des Rock'n'Roll und Rocks widmet - meist Gitarren, aber auch Schlagzeuge, Keyboards und Synthesizer, die mit ihrem Klang und ihrer oft schrill-prägnanten Optik ganze Generationen begeisterten und, soviel ist längst klar, die Welt veränderten.

Courtesy of The Metropolitan Museum of Art

Eine E-Gitarre, die Keith Richards von den Rolling Stones selbst bemalte

Mehr als 130 Exponate aus den Jahren 1939 bis 2017 hat Kurator Jayson Dobney zusammengetragen. Viele tragen Spitznamen ("Frankenstein", "Wolf", "Melody Maker") und stammen aus dem Privatbesitz von Stars wie Paul McCartney, Eric Clapton und Bob Dylan. Andere besorgte die Rock and Roll Hall of Fame, die die Show mitorganisiert hat.

Für Met-Chef Hollein, der seinen Job erst im vorigen Herbst antrat und selbst für Punkrock schwärmt, erfüllt sich damit ein privater Traum - und ein professionelles Ziel: Er hat sich vorgenommen, das 148-jährige Met mal gründlich abzustauben.

So tritt man von einem hellen Saal, in dem das Met altgriechische und römische Kunst präsentiert, direkt in eine schummrige Flucht aus sieben Galerien, wie in das Labyrinth eines Rockclubs. Aus versteckten Boxen dröhnt der unverwechselbare Soundtrack des 20. Jahrhunderts: "Great Balls of Fire", "Gimme Shelter", "I Want to Hold Your Hand", "Fire on the Mountain".

Courtesy of Kate Simon

Jimmy Page mit seiner berühmten Gibson-Gitarre (1975)

Die Show zeichnet die Entstehung dieses Soundtracks anhand der Instrumente und ihrer Meister nach, von den ersten "Guitar Gods" bis zu ihren heutigen Erben.


Einige Highlights:

Courtesy of The Metropolitan Museum of Art

Jimi-Hendrix-Poster von 1969, als er in Woodstock auftrat


"Play It Loud: Instruments of Rock & Roll" läuft vom 8. April bis 1. Oktober im Metropolitan Museum of Art in New York.

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