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Kultur

Dschungelcamp-Finale

Noch einmal kotzen, dann war sie Königin

Unbeirrt watete sie durch Testosteronpfützen und giftigen Männchenregen: Evelyn Burdecki ist Dschungelkönigin. Ein Sieg der arglosen Schusseligkeit, der auch ein bisschen hoffen lässt.

RTL/ Stefan Menne
Von
Sonntag, 27.01.2019   09:44 Uhr

Zum Schluss lieferte Evelyn noch einmal eine schöne Coverversion des römischen Sprichworts "per aspera ad astra", durch den Staub zu den Sternen, die so schief verhühnert war wie all ihre eigenwilligen Umdeutungen von historischen Persönlichkeiten, geografischen Verhältnissen und deutschem Steuerrecht, die sie in ihrer Dschungelzeit als verlässlich schnurrende Klimbim-Maschine abgeliefert hatte.

Nun war bei ihrer finalen Prüfung eben eine Portion wieder hervorgespiehenes Schafshirn die letzte zu durchwatende Hürde vor dem zuletzt unausweichlichen Dschungelthron - Mitfavorit Peter wurde Dritter, Felix, der sein Fähnchen bald in den Yottawind, bald in den Currywurstdunst hängte und sich gerierte, als sei vor ihm noch nie ein Mensch Vater geworden, gottlob nur Zweiter.

Natürlich hat Evelyn vermutlich wegen ihrer köstlichen Tölpel-Miniaturen gewonnen, die selbst, wenn sie wirklich kalkulierte Masche sein sollten, doch immer wieder durch ihre Kreativität und entwaffnende Arglosigkeit unterhielten - sie war stets soft in einem Camp, dem die dauernden Männchenkämpfe der spinnefeindlichen Auswanderer einen dominant-groben Stempel aufdrückten.

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Dschungelcamp-Finale: Lecker Lammhirn

Wenn man sehr optimistisch ist, darf man ihren Sieg - und die damit verbundene 100.000-Euro-Prämie - aber auch als Reparationszahlung sehen. Für all die giftige Männlichkeit, die Mitcamper wie Yotta, CWM, Domenico und Tommi in den vergangenen zwei Wochen wie unkontrollierte Rasensprenger über dem Camp versprühten. Und die (zumindest in der Twitter'schen Filterblase) in dieser Staffel so ernsthaft als inakzeptabel geächtet wurden wie nie zuvor. Oder vielleicht zum ersten Mal in der Campgeschichte überhaupt tatsächlich als offensichtliches Fehlverhalten gesehen wurden.

Die hochaggressiven Jaykhanschen Angriffe gegen Sarah Knappik, die handgreiflichen Winfriedglatzederschen Schubsattacken gegen Larissa Marolt - womöglich würden sie heute wirklich nicht mehr als grobkomödiantische Unterhaltung, sondern als die ahndungswürdigen Übergriffe verstanden, die sie sind. Hoffen darf man ja.

Ein kleiner Schimmer

Evelyns vorherrschende Rolle mag die des munter plappernden Quietschgirls gewesen sein, aber unverzagt sprach sie im Camp auch immer wieder genau dieses Fehlverhalten an. "Hätte ich das gemacht, hätte ich von allen Seiten Ärger bekommen", sagte sie, als Yotta regelwidrig flüssiges Wachs ins Lagerfeuer kippte. Ein kleiner, lapidarer Satz, der vielleicht aber doch dem einen oder anderen Zuschauer immerhin ein "Stimmt eigentlich" abringen konnte.

Das Dschungelcamp steht gewiss nicht im Verdacht, ein pädagogisches Format sein zu wollen, und kann gerade darum, wenn es möchte, in seinen besten Momenten auch subtiles Lehrstück sein. Dessen Lektionen freilich nicht alle verstehen.

Fast noch mehr Spaß als das eigentliche Campgeschehen machten in den vergangenen Tagen die Instagram-Stories des zuerst aus dem Camp geworfenen Domenico - nachdem die Followerrate auf der Bildchenplattform in dieser Staffel immer wieder von diversen Campern als deprimierend bedeutsame Kapitalform gewürdigt wurde, darf man sie wohl endgültig als wichtige Sekundärquelle behandeln.

"Scheiß auf die Presse"

Domenico jedenfalls verstand die Welt nicht mehr, als er von den Zuschauern nach seinen paternalisierenden Übergriffen gegen Evelyn in seltener, lobenswerter Konsequenz die Quittung bekam. Und posierte für seine Insta-Stories in einem Wildpark penetrant mit niedlichen Tieren: "Hallo Känguru, willst du was sagen? Schick mal einen Gruß nach Deutschland, zu den ganzen Bösen", versuchte er sich in verschlimmbessernder Imagekorrektur.

Das war tatsächlich amüsanter zu verfolgen als das ja traditionell eher dröge Finale, das aber auch ein paar lohnende Szenen hatte. Die schönsten:

Für das Schlusswort zur diesjährigen Staffel, die deutlich inspirierter war als in den beiden Vorgängerjahren, aber doch nicht ganz an die goldenen Glanzzeiten anknüpfen konnte, möchte man sich dann zum ersten und bis in die Ewigkeit vermutlich einzigen Mal ganz aufrichtig und unironisch Bastian Yotta anschließen: "Vermissen werde ich hier keinen groß, da bin ich ganz ehrlich", sagte er in seinen letzten Dschungelstunden seinen Mitcampern. "Sobald ich hier raus bin, werd' ich nicht mehr groß an euch denken."

Yo, geht uns ähnlich.

insgesamt 78 Beiträge
retterdernation 27.01.2019
1. Respekt ...
an alle Teilnehmer des Spektakels, inclusive Vorbericht befindet man sich nun mehr am 17. Tag der Show. Respekt - gebührt selbstverständlich Anja Rützel und ihren Vertretern, die sich tagtäglich bemühten - den Hotten-Motten [...]
an alle Teilnehmer des Spektakels, inclusive Vorbericht befindet man sich nun mehr am 17. Tag der Show. Respekt - gebührt selbstverständlich Anja Rützel und ihren Vertretern, die sich tagtäglich bemühten - den Hotten-Motten des Dschungels hier, ihre Spielfläche zu ermöglichen. Alle zusammen pressten, pressten und pressten noch einmal jeden Moment von Bedeutung oder nicht, durch das Labyrinth der Worte und des Interesses. Viel Spaß und Unverständnis ist die Triebfeder der Teilnehmer, die sich hier, verbunden mit einer philosophischen Einstellung in der Betrachtung, treffen und jetzt den Dschungel der Geschmäcker verlassen. Wie es mit dem Dschungelcamp weiter geht, sehen wir schon bald im Januar 2020. Sicherlich war dieser Jahrgang besser als das Jahr zuvor. Und sicherlich erinnern sich viele, an die Jahrtausend-Diskussion in 2017, von der wir doch deutlich noch entfernt waren. Was sicherlich auch an einer schwächelnden Dramaturgie innerhalb der Show lag. Charakter-Killer braucht es erst zum Schluss, sollte man in Köln gelernt haben. Vielleicht wäre auch in diesem Jahr das Dschungelcamp in die Bedeutungslosigkeit verrutscht - wenn es Evelyn nicht gegeben hätte. Die Dschungelkönigin - trägt eine produktive Einzigkeit in sich. Im Kern ihres Wesen erscheint sie Rein, was sich als seltener und fremdartiger Glanz, der des Ungewöhnlichen, frei nach Nietzsche, darstellt. Ein Sonnenschein im tiefen Winter erreicht das Herz oftmals mehr, als es manchmal, ein ganzer Sommer vermag ...
weltmeisterelf 27.01.2019
2. Denken..
Denken werde ich an die Dschungler nicht mehr, aber an Frau Rützels gelungene Glossen sicherlich noch das ein oder andere Mal. Danke dafür.
Denken werde ich an die Dschungler nicht mehr, aber an Frau Rützels gelungene Glossen sicherlich noch das ein oder andere Mal. Danke dafür.
mundusvultdecipi 27.01.2019
3. Um das Jahr zu verkürzen..
..könnte man doch ein DC Spezial aufleben lassen.Der Kandidaten Mix sollte nur aus ehemaligen DC Fieslingen bestehen.Von Glatzeneder bis Rackwitz...und über allem thront die Götti Larissa.
..könnte man doch ein DC Spezial aufleben lassen.Der Kandidaten Mix sollte nur aus ehemaligen DC Fieslingen bestehen.Von Glatzeneder bis Rackwitz...und über allem thront die Götti Larissa.
blinblin 27.01.2019
4.
Die interessanten Campbewohner, zu denen der Finalist Felix imho nun wirklich nicht gehört, haben das Potential zur Typisierung, sodass man im Alltag durchaus auf sie stoßen kann. Ich persönlich kenne einen CWM in nuce, [...]
Zitat von weltmeisterelfDenken werde ich an die Dschungler nicht mehr, aber an Frau Rützels gelungene Glossen sicherlich noch das ein oder andere Mal. Danke dafür.
Die interessanten Campbewohner, zu denen der Finalist Felix imho nun wirklich nicht gehört, haben das Potential zur Typisierung, sodass man im Alltag durchaus auf sie stoßen kann. Ich persönlich kenne einen CWM in nuce, habe beruflich leider hin und wieder zu tun mit heranwachsenden Yottileins in spe und ein älteres Semester mit ALF-Ambitionen gibt es in der weiteren Verwandschaft. Zugegeben: eine Evelyn habe ich bisher noch nicht getroffen - worüber ich allerdings auch nicht unglücklich bin. Menschentheater oder manchmal auch Menschenzoo - das ist es, was das DC sehenswert macht, nicht irgendwelche Kamelhoden. Und das ist es wohl auch, weshalb ein Großteil der Foristen sich einmal im Jahr das Camp samt Forum gönnt, für die aber Big brother, Bachelor etc., etc. nur eine mediale Wüste und Zeitverschwendung darstellen.
stefanmargraf 27.01.2019
5. IBES ist erst dann vorbei wenn Frau Rützel geliefert hat
Leider ein bisschen kurz, die Reminiszenz. Da waren diesmal so viele kreative Evelynismen, da hätte man sich nochmal ein Echo gewünscht. Wahrscheinlich bekommt Evelyn ihn auch, den Echo. Und ich widerspreche, IBES ist ein [...]
Leider ein bisschen kurz, die Reminiszenz. Da waren diesmal so viele kreative Evelynismen, da hätte man sich nochmal ein Echo gewünscht. Wahrscheinlich bekommt Evelyn ihn auch, den Echo. Und ich widerspreche, IBES ist ein pädagogisches Format. Es gibt Charaktere, das hält man einfach nicht für möglich. Es spart verdammt viel Zeit wenn man in der IBES Schule war und begegnet einem Yotta, dann ärgert man sich nicht über die verlorenen Millionen, die man ihm gab, sondern rennt einfach weg bevor einem das Gehirn verbrennt, wie dem Blauverglasten. Hoffe nur das Evelyn und ihre Schwestern in Bezug auf Leute wie Domenico auch etwas lernen konnten.

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