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Kultur

"Das Duell um die Welt - Team Joko gegen Team Klaas"

Herrliche Fernsehmomente

Joko und Klaas lassen bei "Duell um die Welt" jetzt andere antreten. Tim Mälzer steht im Feuerball, Schniegelmann Steven Gätjen muss zur Schniedelparty. Womöglich dient die Show nur dazu, diesen Promis mal schön einen reinzuwürgen.

ProSieben/ Jens Hartmann
Von
Sonntag, 25.11.2018   08:54 Uhr

Und wenn man denkt, man hat in Sachen Fernsehunterhaltung schon alles gesehen, verfällt Thomas Hayo plötzlich in einen wunderschönen Tobsuchtsanfall - auf Saarländisch.

"Ich kann der gern mo auf die Schniss haue und gugge, was für Fotos dabei rauskomme! Ich lass mer echt net dauernd vo dir enne batsche! Eich gehts nur dorum, mir ane zu scheppere!" Gerade hatte der sonst so betont kühlblütige Ex-Topmodel-Juror ausnahmsweise einmal selbst ein Fotoshooting absolvieren müssen - und zwar eines, bei dem ihm saftige Ohrfeigen appliziert wurden, um dann sein flatterschnäuziges, knetgummimäßig verformtes Gesicht im exakten Moment des Schellenklatschers aufzunehmen.

Nach ein paar Knipsern platzte er herrlich unbeherrscht aus seiner Rolle, und allein für diese Momente hat sich die Team-Sonderausgabe von "Duell um die Welt" gelohnt.

Nach sechs Jahren globaler, schonungsloser Beharkung in diesem Format versuchten Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt es in dieser Variante nun mit einem Stellvertreterkrieg: Sie seien jetzt beide "überall mal runtergesprungen und überall mal reingetaucht", sagte Heufer-Umlauf, darum schickten sie nun befreundete Prominente an ihrer beider Stelle ins Elend.

Tim Mälzer komplett vom Feuerball verschluckt

Im Fall von Tim Mälzer, der für Joko antritt, ist dabei die Anreise und Anbahnung der Prüfung schon amüsanter als die anschließende eigentliche Materialschlacht, zeternd und nörgelig liefert der TV-Koch eine hübsche Charakterstudie seiner in "Kitchen Impossible" etablierten Motzi-Persona ab, weil er für seine Aufgabe nicht an eine exotische Location verschifft wird, sondern nur in einem verlassenen tschechischen Industriegebiet mit Explosionen beballert wird, was ihm "richtig auf den Pisser" geht.

Und ihm tatsächlich außerplanmäßig das Gesicht versengt, als er bei einer Fehlzündung komplett von einem Feuerball verschluckt wird. Es geht am Ende glimpflich aus, im Studio wird anschließend schon wieder über "Röstaromen" und "scharf anbraten" gewitzelt.

Und obwohl Winterscheidt und Heufer-Umlauf an diesem Abend prüfungslos selbst keiner Gefahr ausgesetzt sind, zahlt das Entsetzen, die Angst und zuweilen echte Panik ihrer Promi-Kombattanten auch auf ihr eigenes Heldenkonto ein: So gewohnt ist man es schon, dass die beiden in diesem Format sich fast jeder absurden Mutprobe stellen, dass man die riesige Überwindung, die dazu notwendig ist, fast schon nicht mehr hinterfragt. Die Team-Edition mit ihren noch aufrichtig erschütterten, erstmalig mit derlei Quatschgefahr konfrontierten Menschen erinnert daran: Schaut her, was wir Folge um Folge erdulden!

Trauen die sich das?

Die Dramaturgie ist in dieser Ausgabe freilich etwas verschoben, interessanter als die Frage, wer da gerade für welches Team antritt und wer von beiden gerade im Kampf um die Welt vorne liegt, ist bei jeder Länderchallenge die simple Frage: Trauen sich die Promis das?

Nach der Backpfeifen-Aktion muss Thomas Hayo etwa zu einem weiteren Shooting antreten - zu einem, das den Begriff feinsinnig in seinen Wortsinn übersetzt: Er sitzt in Estland an einem Swimmingpool, auf ihn ist unter Wasser eine Kalaschnikow gerichtet, die er mit Selbstauslöser auf sich abfeuern muss - und dabei darauf vertrauen, dass die physikalischen Widerstandsgesetze auch dieses Mal verlässlich funktionieren und die Kugel rechtzeitig ausbremsen würden. In diesem Einspieler stimmt wirklich alles: Hayos Zaudern zwischen blanker Angst und Mut-beweisen-Wollen, die köstliche Jury, die ihn bewertet (bestehend aus dem Joko-Klaas-Ensemblemitglied Sabine als Heidi Klum und zwei ganz hervorragenden lokalen Hayo- und Michael-Michalski-Ersatzprodukten), und schließlich seine rührende Euphorie, es am Ende wirklich durchgezogen zu haben.

Schlagzeuger in elaboriertem Peniskostüm

Herrliche Fernsehmomente bietet dann auch die Herausforderung für Steven Gätjen, der in Japan als "Ralf Acapulco", einer Mischung aus Schlagersänger und rammsteinigem Industrial-Blöker, auftreten muss - und zwar auf einer bizarren Fetischparty, begleitet von einem Schlagzeuger in elaboriertem Peniskostüm und drei Keyboardern, die sich im Wangenbereich mit einem riesigen, sehr dünnen Spieß durchbohrt haben und solchermaßen nach Schaschlikart miteinander verbunden sind. Die Aufgabe scheint vergleichsweise simpel, doch man kann überdeutlich sehen, welche Schmerzen der sonst so untadelig Geschniegelte dabei durchleidet. So perfekt abgestimmt scheint die Aufgabe auf seine ganz persönlich Un-Komfortzone, dass man kurz den Verdacht hegt, die ganze Show diene Heufer-Umlauf und Winterscheidt eigentlich nur dazu, verschiedenen Promi-Bekannten mal schön einen reinzuwürgen - ein bisschen aufwendig, klar.

Zum Schluss muss Palina Rojinski noch nimmer enden wollende Überschläge in einem Paraglider überstehen, doch ihr traute man sowas dank ihrer schon vielfach bewiesenen Unverwüstlichkeit ohnehin locker zu.

Interessanterweise sind dann die echten Joko-und-Klaas-Momente, die Spiele im Studio nämlich, der schwächste Teil in diesem Joko-und-Klaas-Format.

Wenn man eben einen brennenden Mälzer und einen an seine saarländische Essenz rückgeführten Hayo gesehen hat, schockt es nicht so sehr, wenn die Gastgeber dazwischen im Studio Butterkekse um die Wette essen, fliegende Torten abfangen müssen oder im Fatsuit einen Hindernisparcours bewältigen. Eine interessante, planmäßige Schwächung des Markenkerns, die nächsten Samstag unter anderem mit Thorsten Legat und Johannes B. Kerner in die nächste Runde geht.

insgesamt 24 Beiträge
super-m 25.11.2018
1.
Diese positive Reaktion auf das neue Format kann ich nicht nachvollziehen. Die Aufgaben waren langweilig, die Einspieler bzw Aufgaben einfallslos und die Aufreger, gerade von Mälzer und Hayo so dermaßen künstlich, dass hier [...]
Diese positive Reaktion auf das neue Format kann ich nicht nachvollziehen. Die Aufgaben waren langweilig, die Einspieler bzw Aufgaben einfallslos und die Aufreger, gerade von Mälzer und Hayo so dermaßen künstlich, dass hier absolut kein "Duell um die Welt"-Gefühl aufkam. Das haben Joko und Klaas deutlich besser rüber bringen können, auch wenn hier natürlich ebenfalls alles gescriptet war... Zumal die Aufgaben und Stunts, die sie selbst machen mussten, mindestens eine Liga schwieriger waren. Die Studiospiele waren sowieso schon immer das schwächste an der Sendung. Schade, dass Pro7 jetzt auch noch diese Sendung über den Jordan gebracht hat, und wir dafür quasi dafür Jokos komische neue Musiksendung und Klaas Late Night Show bekommen. Meiner Meinung nach auf jeden Fall eine Verschlechterung. Schade.
kritischerkritiker 25.11.2018
2. Pro 7 bleibt sich eben treu
TV für ewige Studenten, die gar nicht wissen, dass sie Unterschicht sind.
TV für ewige Studenten, die gar nicht wissen, dass sie Unterschicht sind.
Elektrischer_Pinguin 25.11.2018
3.
Ich konnte die Begeisterung nicht teilen. Bei der Sendung war schon immer viel geskriptet. So deutlich wie gestern wurde es jedoch noch nie. Die Saarlandnummer? Mit der zum Schlichten vorbeikommenden Mitarbeiterin, die auch [...]
Ich konnte die Begeisterung nicht teilen. Bei der Sendung war schon immer viel geskriptet. So deutlich wie gestern wurde es jedoch noch nie. Die Saarlandnummer? Mit der zum Schlichten vorbeikommenden Mitarbeiterin, die auch denselben Dialekt spricht? Ernsthaft? Der Rummel um Tim Mälzers Wutausbrüche? Nicht gespielt? Was bitte war an Steven Gätjens Aufgabe schlimm? 'n bißchen Trallala auf 'ner japanischen Fetischparty im Glööckler-Rammstein-Kostüm - ganz schlimm. Ich sah da nur sehr gespieltes Leid - des ach so seriösen Moderators, der ja um seinen Ruf fürchten muss. Tatssächlich war die Palina Nummer noch das Highlight der Show. Sie musste tatsächlich mal durch die Hölle und ist cool damit umgegangen. Auch hier war natürlich mit viel Scripting drumrum, aber immerhin war die Aufgabe eine, bei der wohl viele gestreikt hätten. Ich stimme nur ein: Joko und Klaas sind bei diesem Konzept nun wirklich komplett überflüssig und das Abgefeiere des "Weltmeisters", weil er schnell würfeln konnte und als erster durch einen Hindernisparcour taumelte, wirkt extrem merkwürdig.
sekundo 25.11.2018
4. Die beiden Meister
stehen beispielhaft für die Verkommenheit der deutschen Fernseh-"Unterhaltung"!!
stehen beispielhaft für die Verkommenheit der deutschen Fernseh-"Unterhaltung"!!
schwarzmaler 25.11.2018
5. ...
War wieder ganz unterhaltsam allerdings kam mir manche Empörung eines Kanditaten während seiner Aufgabe etwas zu gescripted vor.
War wieder ganz unterhaltsam allerdings kam mir manche Empörung eines Kanditaten während seiner Aufgabe etwas zu gescripted vor.

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