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Kultur

"Game of Thrones"

Bis der Lederhandschuh knarzt

Was kann jetzt noch kommen? Ein irres Grinsen, ein fliegender Pfeil und vielleicht ein wenig Verrat: So war die vierte Folge der Finalstaffel von "Game of Thrones".

HBO/ Sky
Von
Montag, 06.05.2019   13:05 Uhr

++++ Achtung, Spoiler! Wenn Sie nicht erfahren wollen, was in der 4. Folge der 8. Staffel von "Game of Thrones" passiert, sollten Sie nicht weiterlesen. ++++

Befürchtung der Woche: Die Episode nach der monumentalen Schlacht von Winterfell und dem endgültigen Sieg über die Untoten könnte so langweilig werden wie die überflüssigen "Das große Wiedersehen"-Shows nach Abschluss einer Dschungelcamp-Staffel. Und so etwas will sich ja nicht einmal Anja Rützel regelmäßig anschauen.

Was tatsächlich geschah: Dann doch so einiges. Bei einer Verbrennungszeremonie nehmen die Überlebenden Abschied von den gefallenen Helden der großen Schlacht. Dany vergießt eine Träne für ihren verblichenen Beschützer und Berater Jorah Mormont - und diese Szene müssen wir uns merken, zeigt sie doch letztmals eine menschlich-sympathische Regung der Drachenkönigin in dieser Episode, ja vermutlich in der ganzen Serie. Dies ist der Moment, in dem es endgültig umschnappt in ihrem Hirn, weshalb wir sie ab jetzt nur noch Daenerys nennen wollen. Es gilt Abstand zu halten.

Auf dem anschließenden Leichenschmaus/Festgelage hat sie dann schon keinen richtigen Spaß mehr, zu sehr nagt die Königskonkurrenz mit Jon an ihr. Auch sonst bringt der Abend nur Wenigen Befriedigung: Gendry wird zwar von Frau Targaryen zum Lord befördert, dafür aber später von Arya abgewiesen. Nordmanntanne Tormund wiederum sieht seine Hoffnungen auf ein Stelldichein mit Brienne zunichtegemacht, als diese mit Jaime abzieht. Auch Sandor "The Hound" Clegane verschmäht sinnliche Vergnügungen, er muss noch etwas erledigen (mutmaßlich seinen Bruder).

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"Game of Thrones": "Ist das aber heiß hier drin"

Der einzige, der einen uneingeschränkt guten Abend zu haben scheint, ist Podrick Payne. Ach so, und natürlich Jaime und Brienne, die - wer hätte es geahnt - ihre seit einigen Staffeln schwärende Anziehung in die Tat umsetzen.

Jon Snow - präziser: Aegon Targaryen-Stark - und seine Tante/Geliebte Daenerys haben Krisengespräch: Er ist zwar "ein bisschen betrunken", wirkt aber nüchterner als die Drachenmutter, die ihm, besoffen vom eigenen Machtstreben, ein Schweigegelübde abnötigen will: Niemand soll erfahren, dass eigentlich er der rechtmäßige König ist. Jon reagiert zurückhaltend - ebenso übrigens auf die erneute Tantensex-Möglichkeit.

Bronn, wir erinnern uns, sollte die Lannister-Brüder im Auftrag Cerseis mit der Armbrust meucheln, die einst Tyrion als Mordwaffe gegen seinen Vater gedient hat - lässt sich dann aber mit dem Versprechen auf Highgarden vom Doppelattentat abbringen. Kann Tyrion eigentlich einfach so Lordschaften verteilen, ohne vorher seine Königin zu fragen?

Arya, die Retterin aller Lebewesen, hat die Nase voll von ihrem Heldenstatus und geht wieder auf Reise mit Sandor Clegane. Vielleicht lässt sie ihn ja wieder irgendwo zum Sterben liegen, der alten Zeiten wegen.

Schneller als Aryas Sprung auf den Night King spricht sich Jons eigentlicher Familienstatus herum: Nachdem er seine Schwestern informiert hat, verpetzt Sansa Jons Königswürde bei erster Gelegenheit an Tyrion. Samwell Tarly darf derweil (aus der Serie?) abreisen, ohne nochmals auf das große Pssst eingeschworen zu werden, Gilly weiß aber ja auch schon vermutlich allumfassend Bescheid, und spätestens deren werdendes Kind wird in der Kita alles ausplaudern. Wie Varys später sagen wird: Das ist kein Geheimnis mehr, es ist eine Information.

Varys und Tyrion rekapitulieren die Handlung, als würden die Drehbuchschreiber Rat bei ihren eigenen Figuren suchen: Wie könnte es weitergehen mit Daenerys und Jon? Heiraten und gemeinsam regieren? Aber dafür ist sie zu stark. Er wiederum der bessere Herrscher. Tyrion ist Daenerys treu, er sagt allerdings etwas zu oft in dieser Episode, dass er an sie glaubt, als dass es glaubhaft sein könnte. Wenig subtil wurde bereits in der ersten Episode dieser Staffel vorbereitet, dass auch der Trinkzwerg irren kann.

Varys hingegen sieht sich bekanntermaßen allein dem Reich verpflichtet, all den Millionen da draußen, will sagen: dem Serienpublikum. Und für das bietet ein Plot zur leider gewaltsamen Absetzung der leider dann doch vollends verrückt gewordenen Targaryan-Blondine selbstverständlich mehr Spannung als eine glückliche Promi-Ehe von Jonaerys, wie die Klatschpresse von Westeros die beiden bald nennen würde.

Letzte Glücksmomente I: für Missandei - Händchenhalten mit Grey Worm, bis die Lederhandschuhe knarzen, dann Schiffsuntergang, Gefangenschaft, Enthauptung.

Letzte Glücksmomente II: für den Drachen Rhaegal - noch ein bisschen Flattern, dann Abschuss durch Euron "Mad Max" Greyjoy und Sturz ins Meer. Jetzt ist nur noch ein Drache übrig: Drogon. Nunmehr drei Todesfälle im engsten Umfeld haben offensichtlich keine heilsame Auswirkung auf Daenerys' ohnehin angeschlagene Psyche.

Gebrochenes Hundeherz der Woche: Ghost, von Jon schnöde in den Norden abgeschoben.

Enttäuschung auf ganzer Linie: Jaime Lannister lässt Brienne sitzen und macht sich offenbar auf zurück zur irren Schwester. Da wurde eben mal so eine Charakterentwicklung der vergangenen siebeneinhalb Staffeln zunichte gemacht.

Game-of-Thrones-Moment der Episode: Als sich Euron mit irrem Grinsen nach erfolgreichem Drachen-Abschuss der Invasionsflotte zuwendet und die stählernen Pfeile deren Schlachtschiffe zerfetzen, macht man sich tatsächlich kurz Sorgen um Tyrion. Ist die Serie etwa doch wieder in ihren geschätzten Niemand-ist-sicher-Modus zurückgekehrt? Ist sie nicht.

Offene Fragen: Wer wird "The Mountain" Clegane fällen - den ja nun offiziell letzten Untoten von Westeros? Sein Bruder Sandor? Oder doch Grey Worm, der seine geliebte Missandei rächen möchte? Und warum verdammt ist Daenerys nach dem Abschuss Rhaegals nicht einfach in weitem Bogen um Eurons Flotte herumgeflogen, um ihr von hinten einzuheizen? Oder von mir aus im Sturzflug aus großer Höhe, bevor Euron seine Speerschleuder zielgerecht hinkurbeln konnte? Und warum beauftragt Cersei erst einen Auftragsmörder, um ihre Brüder zu töten - winkt dann aber ab, als geschätzt dreißig Bogenschützen schußbereit auf Tyrion ausgerichtet sind?

Effektivster Spuch zur Anbahnung von Geschlechtsverkehr: "Ist das aber heiß hier drin, ich lege mal ab." (Jaime Lannister)

Zitat der Folge: "Vielleicht bringt Cersei uns alle um. Das würde unsere Probleme lösen." (Tyrion Lannister)

Programmvorschau: "Es könnte zwei Wochen dauern, bis Jon und die alliierten Armeen in Kings Landing eingetroffen sind", beginnt Tyrion sein Plädoyer, um mit dem großen Abschlachten doch noch etwas zu warten. Daenerys hat also noch eine ganze Episode Zeit, um vollends zu umnachten und dann schon einmal vorab einige Frauen und Kinder zu rösten. Merke: Auch der gewaltsame Tod ist eine Befreiung aus der Tyrannei.

Hier können Sie nachlesen, was in der ersten Folge von Staffel 8 geschah. Hier finden Sie den Überblick über Folge 2 und hier über Folge 3. Hier hat die SPIEGEL-Redaktion aufgeschrieben, was sie sich für das Ende der Serie wünscht.

"Game of Thrones" Staffel 8: So geht es in Folge 5 weiter

In einer früheren Version dieses Textes wurde der Drache fälschlicherweise Rhaegar genannt. Wir haben den Fehler korrigiert.

insgesamt 55 Beiträge
.patou 06.05.2019
1.
Für mich eine sehr gute Episode, die nach letzter Woche zeigt, dass die Stärke von GoT vor allem dann zum Tragen kommt, wenn die jeweilige Folge auf Dialoge, Intrigen und unerwartete Wendungen setzt. Szenen wie die zwischen [...]
Für mich eine sehr gute Episode, die nach letzter Woche zeigt, dass die Stärke von GoT vor allem dann zum Tragen kommt, wenn die jeweilige Folge auf Dialoge, Intrigen und unerwartete Wendungen setzt. Szenen wie die zwischen Varys und Tyrion sind für mich die Kernkompetenz der Serie. Dass man zwei Episoden vor dem Ende immer noch nicht sagen kann, wer letztlich herrschen wird, spricht ebenfalls für das Drehbuch. Nach dieser Folge wäre vermutlich Varys der beste Mensch auf dem Thron. Der einzige, der intelligent ist, sich um die Untertanen sorgt und Daenerys' Abgleiten in den Wahn richtig einschätzt, während Tyrion naiver ist als man geglaubt hätte. Vor allem bei seinem Versuch, ausgerechnet Cersei durch ratio und Menschlichkeit beizukommen. Scheitern mit Ansage. Ich leide immer noch mit Grey Worm, Gendry, Brienne und dem winselnden einohrigen Ghost. Wobei zu Gendry anzumerken wäre, dass man eine Frau wie Arya nicht gewinnt, indem man vor ihr kniet und ihr ein Leben als Adels-Gattin anbietet. Vielleicht hätte er ihr ein noch besseres Schwert schmieden sollen. Jaime wünsche ich die Pest an den Hals. Ich bin mir im Unterschied zu Herrn Kuzmany ob seiner Motivation (purer Selbsthass oder der Plan, Cersei umzubringen und Brienne rauszuhalten) zwar nicht wirklich im Klaren, aber allein der Anblick der schluchzenden Brienne rechtfertigt sein zügiges Ableben. Und dann auch noch der heulende Tormund. Wenn man Jons Charakter beschreiben sollte, reichen seine eigenen Worte "Vomiting is not celebrating". Klingt wie der durch und durch ehrbare Vater eines 15-jährigen, der seinen Sohn nach einem Saufgelage mit Kumpels tadelt. Und dass er Ghost einfach stehengelassen hat, ist unverzeihlich. Unlogisch wurde es vor allem, als Euron wie aus dem Nichts mit seinen hochgerüsteten Schiffen daherkam und nach kurzem Scharmützel ebenso schnell wieder verschwunden war. Und ja, hätte Daenerys ihn nicht von hinten anfliegen können? Und warum Cersei die Daenerys/Tyrion-Gruppe vor der Festung nicht einfach hat niedermachen lassen, leuchtet mir ebenfalls nicht ein. Der spärliche soldatische Beistand hatte doch eh nur dekorativen Charakter. Die hastige Szene mit Bronn wirkte auch nicht wirklich überzeugend. Außerdem habe ich zunehmend ein Problem mit der Charakterentwicklung Tyrions. Einerseits scheinen sein Spürsinn und seine Intelligenz sich zu verflüchtigen, andererseits war er zwar nie ein Kind von Traurigkeit, aber Brienne bei dem Trinkspiel so bloßzustellen, passte nicht wirklich zu ihm. Mein Zitat der Episode: "I don't think a cock is a true qualification."
Augustusrex 06.05.2019
2. Großes Fragezeichen
Ich habe vier Folgen von Staffel 1 gesehen und ca. 100 Seiten des ersten Buches gelesen. Es war bei dieser Schmonzette bis dahin absolut nichts dabei, was mich fesseln konnte. Für mich ist das eine billige Seifenoper und ich [...]
Ich habe vier Folgen von Staffel 1 gesehen und ca. 100 Seiten des ersten Buches gelesen. Es war bei dieser Schmonzette bis dahin absolut nichts dabei, was mich fesseln konnte. Für mich ist das eine billige Seifenoper und ich verstehe das Bohei und den Hype nicht. Wem es gefällt - gerne. Vielleicht könnte mir mal jemand erklären, worin das Geheimnis des Werkes liegen soll. Darin, dass ständig jemand ermordet wird und alle möglichen Leute bunt durcheinander GV haben? Das habe ich alles schon viel besser gesehen.
ohne_mich 06.05.2019
3. @patou
Sehr schöne Zusammenfassung, Chapeau. Und wie wahr, Tyrion scheint sich leider wirklich über die Staffeln den Verstand herausgesoffen zu haben. @augustusrex: Ach, kommen Sie, Sie wollen weder eine Erklärung noch Widerworte, [...]
Sehr schöne Zusammenfassung, Chapeau. Und wie wahr, Tyrion scheint sich leider wirklich über die Staffeln den Verstand herausgesoffen zu haben. @augustusrex: Ach, kommen Sie, Sie wollen weder eine Erklärung noch Widerworte, Sie wollten einfach nur - wie so viele andere auch - der Welt mitteilen, dass Sie GoT nicht gut finden. Glückwunsch für Ihre 2 Minuten Ruhm.
Jo King 06.05.2019
4.
Ach, na das ist ja ganz toll für Sie! Sie sind ja sowas von cool! Mensch, da können sie aber so stolz of sich sein. Sie sind ja sowas besonderes. Bravo! Dann schauen sie mal schön weiter Pilcher Filme und fühlen sie sich [...]
Zitat von AugustusrexIch habe vier Folgen von Staffel 1 gesehen und ca. 100 Seiten des ersten Buches gelesen. Es war bei dieser Schmonzette bis dahin absolut nichts dabei, was mich fesseln konnte. Für mich ist das eine billige Seifenoper und ich verstehe das Bohei und den Hype nicht. Wem es gefällt - gerne. Vielleicht könnte mir mal jemand erklären, worin das Geheimnis des Werkes liegen soll. Darin, dass ständig jemand ermordet wird und alle möglichen Leute bunt durcheinander GV haben? Das habe ich alles schon viel besser gesehen.
Ach, na das ist ja ganz toll für Sie! Sie sind ja sowas von cool! Mensch, da können sie aber so stolz of sich sein. Sie sind ja sowas besonderes. Bravo! Dann schauen sie mal schön weiter Pilcher Filme und fühlen sie sich weiterhin sowas von überlegen. Sie ganz toller Sie!
Jo King 06.05.2019
5. Mal ehrlich
Herr Kuzmany, ich frage mich doch, was Sie mit dieser Schreiberei erreichen wollen. Wollen Sie witzig sein? Kritisch? Sarkastisch? Witty? Es kommt durch, dass Sie nicht viel von der Show halten. Ihr gutes Recht. Aber muss man [...]
Herr Kuzmany, ich frage mich doch, was Sie mit dieser Schreiberei erreichen wollen. Wollen Sie witzig sein? Kritisch? Sarkastisch? Witty? Es kommt durch, dass Sie nicht viel von der Show halten. Ihr gutes Recht. Aber muss man wirklich auf biegen und brechen versuchen, die Show ins Lächerliche zu ziehen? Warum? Weil es ja so viele bessere Shows gibt? Wirklich? Weil es Fantasy ist? Weil die Fans die Show lieben? Vielleicht mal versuchen, den Aufwand, die Details, das Talent, die Einzigartigkeit, den Einsatz, die Vielfalt und die Tiefe der Show zu sehen und zu schätzen, anstatt sie mit hochmütigem Sarkasmus zu zerlegen.

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