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Kultur

ARD-Sonntagskrimi

Der neue Rostock-"Polizeiruf" im Schnellcheck

Was tun, wenn die Betreuung verhaltensauffälliger Jugendlicher zu teuer wird? Einfach ins billige Ausland outsourcen! Der Rostocker "Polizeiruf" nimmt Missstände in deutschen Heimen ins Visier.

NDR/ Christine Schroeder
Von
Sonntag, 07.04.2019   16:37 Uhr

Das Szenario:

Erzieher im Ausnahmezustand, Ermittler in Aufruhr: Die Mitarbeiter eines Rostocker Jugendheims verzweifeln an einem verhaltensauffälligen Jungen. Als dieser aus dem Hausarrest ausbricht, erschießt er den Leiter des Heims. Der Junge flieht nach Polen, wo sein Bruder in einer Pflegefamilie lebt. Auf der Flucht dabei: der Sohn von Kommissar Bukow (Charly Hübner). Gemeinsam mit Kollegin König (Anneke Kim Sarnau) hängt er sich an die Fersen der Ausreißer. Bei der Recherche erfahren die Ermittler, dass die Heimträger die Betreuung der Jugendlichen verstärkt ins günstigere Ausland auslagern.

Der Clou:

Dieser "Polizeiruf" behandelt eine ganz neue Art des Outsourcings. Dass die Pflegeindustrie immer stärker auf billige Arbeitskräfte aus Osteuropa setzt, ist bekannt. Dass nun auch die Verwahrung von deutschen Heimkindern ins benachbarte Ausland verlegt wird, ist neu. 850 sollen es derzeit laut der "Polizeiruf"-Verantwortlichen sein.

Das Bild:

Ein pummeliger bärtiger Betreuer in Jogginghose versucht fluchend, einen austickenden Jugendlichen einzufangen - ein Gastauftritt des Feine-Sahne-Fischfilet-Sängers Jan "Monchi" Gorkow. Gorkow hat zuvor schon mit Bukow-Darsteller Hübner die Dokumentation "Wildes Herz" über Gewalt und Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern gedreht. Sie läuft Sonntag Nacht im Ersten.

Fotostrecke

"Polizeiruf" mit Charly Hübner: Der Cop mit dem Kopfnussblick

Der Dialog:

Kommissar Pöschel: "Der Bruder von diesem Keno, der wohnt in Polen, auf so einer Art Hof oder so."

Kommissarin König: "Outsourcing in den billigen Osten."

Kommissar Pöschel: "Ganz genau, das ist das Geschäftsmodell der Vita Nova, mit freundlicher Unterstützung vom Jugendamt Rostock."

Der Song:

"Caterpillar" von Lambchop. Der Song stammt von "Is A Woman", dem besten Album des Country-Soul-Orchesters aus Nashville. Im "Polizeiruf" wird er relativ lange angespielt und sorgt für eine kurze Verschnaufpause bei der aufwühlenden, pessimistischen Verfolgungsjagd.

Die Bewertung:

7 von 10 Punkten. Bukow und König im Furor-Modus, das ist ein Selbstgänger. Allerdings wünschen wir uns, dass wieder ein bisschen mehr rollenbiografische Stringenz in die Ermittlerfiguren kommt - damit sie auch morgen noch kraftvoll zuschlagen können.

Die Analyse:

Lesen Sie bitte hier weiter!


"Polizeiruf 110: Kindeswohl", Sonntag, 20.15 Uhr, ARD / "Wildes Herz", Sonntag, 23.35 Uhr, ARD

insgesamt 15 Beiträge
Metternich 07.04.2019
1. Country Song aus Nashville
Wenn es um Musik in Tatorten und sonstigen TV-Filmen deutscher Produktion geht: immer angloamerikanisch, englisch. Sehr einfallsreich. Was hat ein Nashville-Song mit Rostock oder Polen zu tun, Herr Regisseur? Is est ein Tribut an [...]
Wenn es um Musik in Tatorten und sonstigen TV-Filmen deutscher Produktion geht: immer angloamerikanisch, englisch. Sehr einfallsreich. Was hat ein Nashville-Song mit Rostock oder Polen zu tun, Herr Regisseur? Is est ein Tribut an die veramerikanisierte deutsche Gesellschaft?
salvage_hunter 07.04.2019
2. Ach Metternich #1....
Sie kennen Lambchop nicht, oder? Die Musik hat nichts mit Nashville-Country zu tun wie es DT wohl hefällt. Hören Sie es sich an! Es lohnt sich! Tolle Stimmung, tolle Stimme für diese Art von Songs! Ich kenne wenig [...]
Sie kennen Lambchop nicht, oder? Die Musik hat nichts mit Nashville-Country zu tun wie es DT wohl hefällt. Hören Sie es sich an! Es lohnt sich! Tolle Stimmung, tolle Stimme für diese Art von Songs! Ich kenne wenig Vergleichbares aus Deutschland.... am ehesten „Element of Crime“.
Schartin Mulz 07.04.2019
3. Filmmusik
ist dafür da, eine bestimmte Athmosphäre zu erzeugen oder zu verstärken. Da ist es ziemlich schnuppe, aus welchem Land die Musik stammt. Vor 4 Wochen lebte der Tatort übrigens von dem genialen Rio-Reiser-Song. Und vor [...]
Zitat von MetternichWenn es um Musik in Tatorten und sonstigen TV-Filmen deutscher Produktion geht: immer angloamerikanisch, englisch. Sehr einfallsreich. Was hat ein Nashville-Song mit Rostock oder Polen zu tun, Herr Regisseur? Is est ein Tribut an die veramerikanisierte deutsche Gesellschaft?
ist dafür da, eine bestimmte Athmosphäre zu erzeugen oder zu verstärken. Da ist es ziemlich schnuppe, aus welchem Land die Musik stammt. Vor 4 Wochen lebte der Tatort übrigens von dem genialen Rio-Reiser-Song. Und vor 2 Wochen war der Italiener Paolo Conte zu hören. Also so ganz angloamerikanisch kam mir das nicht vor.
Dramaturgen-Frau 07.04.2019
4. Musikeinsatz bei Tatort und P110 erschließt sich kaum
Warum in einem Krimi über Kindesmissbrauch Rio Reiser gespielt werden muss, erschließt sich mir weder inhaltlich noch formal bis heute. Außer, man geht in die Richtung Michael Jackson und Co. und stellt eine Beziehung zu [...]
Zitat von Schartin Mulzist dafür da, eine bestimmte Athmosphäre zu erzeugen oder zu verstärken. Da ist es ziemlich schnuppe, aus welchem Land die Musik stammt. Vor 4 Wochen lebte der Tatort übrigens von dem genialen Rio-Reiser-Song. Und vor 2 Wochen war der Italiener Paolo Conte zu hören. Also so ganz angloamerikanisch kam mir das nicht vor.
Warum in einem Krimi über Kindesmissbrauch Rio Reiser gespielt werden muss, erschließt sich mir weder inhaltlich noch formal bis heute. Außer, man geht in die Richtung Michael Jackson und Co. und stellt eine Beziehung zu möglichen Handlungen Rio Reisers her. Ansonsten geht es beim Ensatz von Songs im Tatort und P110 primär nach dem Musikgeschmack des Regisseurs und dient in 99% der Fälle plattester Emotionalisierung und damit der Ablenkung von Mankos des Drehbuchs und der Regie. Dass Buß seit geraumer Zeit ne eigene Rubrik "Musik in Tatort und P110" macht, ist lächerlich. Der Musikeinsatz bei Kinofilmen ist relevant, der bei Tatort und P110 ganz und gar nicht.
Schartin Mulz 07.04.2019
5. Schon witzig
Da beklagen Sie "platte" Filmmusik und scheuen sich andererseits nicht, eine absolut "platte" Interpretation der Verwendung von Reisers Song im Tatort hier loszulassen. Sie haben offenbar für deutsche [...]
Zitat von Dramaturgen-FrauWarum in einem Krimi über Kindesmissbrauch Rio Reiser gespielt werden muss, erschließt sich mir weder inhaltlich noch formal bis heute. Außer, man geht in die Richtung Michael Jackson und Co. und stellt eine Beziehung zu möglichen Handlungen Rio Reisers her. Ansonsten geht es beim Ensatz von Songs im Tatort und P110 primär nach dem Musikgeschmack des Regisseurs und dient in 99% der Fälle plattester Emotionalisierung und damit der Ablenkung von Mankos des Drehbuchs und der Regie. Dass Buß seit geraumer Zeit ne eigene Rubrik "Musik in Tatort und P110" macht, ist lächerlich. Der Musikeinsatz bei Kinofilmen ist relevant, der bei Tatort und P110 ganz und gar nicht.
Da beklagen Sie "platte" Filmmusik und scheuen sich andererseits nicht, eine absolut "platte" Interpretation der Verwendung von Reisers Song im Tatort hier loszulassen. Sie haben offenbar für deutsche Krimis nichts über. Ist ja ok. Warum schauen Sie sie sich trotzdem an und lesen auch noch die Artikel darüber? Und Filmmusik ist immer relevant. Und da wird im Normalfall ausgesucht, was nach Meinung des Regisseurs zum Film passt. Dass ein Regisseur da ein Lied nur unterbringt, weil er es gut findet, auch wenn es nicht passt, ist unwahrscheinlich. Und ich freue mich, wenn veröffentlicht wird, was da gespielt wird. Auch wenn man sich in der Musik ganz gut auskennt, kommt es immer wieder vor, dass da etwas gespielt wird, was man nicht direkt zuordnen kann.

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