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Leben und Lernen

Skandal um Selbstmord

Chef von Japans größter Werbeagentur tritt zurück

Eine junge, hoch qualifizierte Mitarbeiterin einer Werbeagentur macht extreme Überstunden - bis sie sich das Leben nimmt: Seit Monaten beschäftigt dieser Suizid viele Japaner. Nun tritt der Chef der Firma zurück.

REUTERS/ Kyodo

Tadashi Ishii, Chef der Werbeagentur Dentsu

Donnerstag, 29.12.2016   13:02 Uhr

Es ist ein Fall, der die japanische Gesellschaft sehr beschäftigt: Eine junge Angestellte der größten Werbeagentur des Landes nahm sich wegen Überarbeitung das Leben. Nun, ein Jahr später, hat der Chef der Firma Dentsu seinen Rücktritt angekündigt. Tadashi Ishii teilte am Mittwoch mit, er werde seinen Posten im Januar räumen.

Er fühle sich verantwortlich für den Tod der Mitarbeiterin Ende Dezember 2015. "Ich werde die volle Verantwortung übernehmen." Die Behörden hatten kurz zuvor die Staatsanwaltschaft aufgefordert, in dem Fall zu ermitteln.

Die 24-jährige Matsuri Takahashi, Absolventin einer Tokioter Elite-Uni, hatte sich an Weihnachten vor einem Jahr in einem Wohnheim des Unternehmens umgebracht. Sie machte japanischen Medienberichten zufolge jeden Monat rund hundert Überstunden. Auf Twitter schrieb sie von ihrem Wunsch zu sterben.

Dentsu, die größte Werbeagentur in Japan, ist bekannt für harte Arbeitsbedingungen. Ishii sagte am Mittwoch auch, ein Unternehmen solle einen Beschäftigten nicht davon abhalten, "das Beste zu wollen". Ein Übermaß an Arbeit sollte es aber nicht geben. "Ich bedaure das zutiefst."

Dentsu ist kein Einzelfall. Einem im Oktober veröffentlichten Regierungsbericht zufolge arbeiten in einem von fünf Unternehmen in Japan manche Beschäftigte so lange, dass sie ihre Gesundheit ruinieren und einen vorzeitigen Tod riskieren.

Die Japaner haben ein eigenes Wort für diese Arbeitshaltung: "Karoshi" heißt Tod durch Überarbeitung und wird verwendet, wenn Arbeitnehmer wegen zu hoher Arbeitsbelastung sterben oder Suizid begehen.

lov/AFP

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