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Leben und Lernen

Merkel zu "Fridays for Future"

"Es ist richtig, dass ihr uns Dampf macht"

FDP-Chef Lindner ist dagegen, CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer auch, Grünen-Politiker Kretschmann ist skeptisch: Die meisten Spitzenpolitiker sind keine Fans der Klima-Schülerstreiks. Kanzlerin Merkel schon.

REUTERS

Angela Merkel mit Schülerinnen in Berlin

Dienstag, 02.04.2019   17:00 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich erneut positiv über die wöchentlichen Schülerproteste für mehr Klimaschutz unter dem Motto "Fridays for Future" geäußert. Bei einer Diskussion mit Schülern am Berliner Thomas-Mann-Gymnasium sagte Merkel, eine solche Bewegung sei für sie als Politikerin wichtig.

"Dass dieses Signal gesetzt wird, 'da gibt es Sorge' - das ist für uns gut", sagte die Kanzlerin. Es sei richtig, "dass ihr uns Dampf macht". Als Merkel die Schüler fragte, wer sich bei den Klimaprotesten "Fridays for Future" schon beteiligt habe, gingen vereinzelt Hände nach oben.

Seit Wochen demonstrieren Schüler, Studenten und weitere Unterstützer jeden Freitag für mehr Klimaschutz. Die Aktionen orientieren sich am Schulstreik der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg.

Bundeskanzlerin Merkel hatte bereits Anfang März große Sympathien für die Bewegung geäußert - anders als beispielsweise CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Vom Lehrerverband hatte die Kanzlerin für ihren Zuspruch bereits deutliche Kritik bekommen. Die Schulen würden mit dem Problem des Schuleschwänzens allein gelassen, kritisierte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger im März.

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) äußerte sich kritisch über die andauernden Proteste während der Unterrichtszeit. Zwar sei der moralische Appell gerechtfertigt und es gehe wirklich um die Zukunft der Schüler, sagte Kretschmann am Dienstag.

"Das kann keine Dauerveranstaltung sein"

Dafür einmal die Schule zu schwänzen, falle erst mal unter zivilen Ungehorsam. "Nur: Ziviler Ungehorsam ist ein symbolischer Akt. Das kann keine Dauerveranstaltung sein." Die Proteste müssten früher oder später ein Ende finde und könnten "nicht ewig so weitergehen", sagte Kretschmann.

Wenn man Regeln verletze, müsse man mit Sanktionen rechnen. "Sonst sucht sich zum Schluss jeder sein Thema aus, das er dann irgendwie moralisch auflädt - und das geht nicht."

Man könne sicherlich nicht jeden Freitag zum schulfreien Tag auf Dauer erklären, sagte Merkel mit Blick auf die Proteste während der Schulzeit. "Aber das werden eure Lehrer und die örtlichen Verantwortlichen ja mit euch besprechen." Man könne auch im Unterricht in Arbeitsgruppen manches über Klimaschutz lernen.

Merkel sagte, die Politik habe die schwierige Aufgabe, sowohl für Klimaschutz zu sorgen, Arbeitsplätze etwa in der Autoindustrie zu erhalten und sich auch darum zu kümmern, dass es keine neuen sozialen Probleme gebe, wenn Verkehr teurer werde sollte. Damit Deutschland seine Klimaziele bis 2030 erreichen könne, müsse sich im Verkehrsbereich allerdings einiges ändern: "Das können wir nur durch einen radikalen Wandel zu Elektromobilität oder Wasserstoff oder ganz anderen Dingen erreichen."

Hintergrund von Merkels Besuch an der Berliner Schule ist ein EU-Projekttag, den es schon seit 2007 gibt. Die Kanzlerin hatte ihn initiiert, um junge Menschen für die Europäische Union zu interessieren.

mes/dpa/Reuters

insgesamt 66 Beiträge
darthmax 02.04.2019
1. Demo
Am Montag geht es dann für den Weltfrieden, merke, mal für etwas anstatt immer gegen etwas. Dazu muss man aber lernen das Kompromisse nötig sind. Jugendliche tragen nunmal die Fahne der absoluten Gerechtigkeit und das war [...]
Am Montag geht es dann für den Weltfrieden, merke, mal für etwas anstatt immer gegen etwas. Dazu muss man aber lernen das Kompromisse nötig sind. Jugendliche tragen nunmal die Fahne der absoluten Gerechtigkeit und das war schon immer so, dann kommen die alten weissen Männer und schliessen Frieden.
Brenz66 02.04.2019
2. Die Politiker sind Skeptisch !
Es sind die Politiker, die " der Wirtschaft zu nahe stehen" , nicht die Schüler. Wenn ich meine Fälle davon schwimmen sehen würde , wäre ich auch skeptisch. Was hat sich die letzten Jahre verändert? Dazu noch der [...]
Es sind die Politiker, die " der Wirtschaft zu nahe stehen" , nicht die Schüler. Wenn ich meine Fälle davon schwimmen sehen würde , wäre ich auch skeptisch. Was hat sich die letzten Jahre verändert? Dazu noch der Diesel Skandal ! Egal ob Rot,Schwarz oder gar Grün in Baden-Württemberg. Die Politiker Pfeifen das Lied der Wirtschaft. Die Wirtschaft aber hat viel zu kurz gesetzte und selbstorientierte Ziele. Ich finde es Gut dass die Jugend , die kommenden Generationen den Älteren den Spiegel zeigen. Weiter so , wenn nötig dann auch Montags streiken
xafagog 02.04.2019
3. Tja, wenn das die Merkel wüsste....dann aber..
Wer war Umweltministerin als man noch viel tun konnte, und wer hat seit mehr als dreizehn Jahren Richtlinien Kompetenz? Deutschlands Umweltbilanz ist blendend, und toll dass sich die Kanzlerin mal wieder so gut kümmert ihre [...]
Wer war Umweltministerin als man noch viel tun konnte, und wer hat seit mehr als dreizehn Jahren Richtlinien Kompetenz? Deutschlands Umweltbilanz ist blendend, und toll dass sich die Kanzlerin mal wieder so gut kümmert ihre berühmte "gemeinsame Lösung" zu finden....
Sensør 02.04.2019
4. Die Politiker wollen es nicht verstehen
So lange die Politiker nicht von "Schulstreik" sondern von "Schule schwänzen" reden, zeigen sie damit, das sie die jungen Menschen verhöhnen, anstatt ihre Sorgen ernst zunehemen, und outen sich damit als [...]
So lange die Politiker nicht von "Schulstreik" sondern von "Schule schwänzen" reden, zeigen sie damit, das sie die jungen Menschen verhöhnen, anstatt ihre Sorgen ernst zunehemen, und outen sich damit als unwählbar.
bjtimmy2 02.04.2019
5. Moralisch aufgeladen?
Hat hier gerade ein Grüner gesagt: "ein Thema, dass er dann irgenwie moralisch auflädt"? Meiner Treu. Die Jungen habe es verstanden, und die Alten blöken rum. Der Protest soll aufhören - wenn die Klimaziele 2020 in [...]
Hat hier gerade ein Grüner gesagt: "ein Thema, dass er dann irgenwie moralisch auflädt"? Meiner Treu. Die Jungen habe es verstanden, und die Alten blöken rum. Der Protest soll aufhören - wenn die Klimaziele 2020 in 2022 absehbar erreicht werden und die Kohle 2030 vom Netz ist, und Deutschland der Welt weniger CO2 macht und Vorbild ist. Vorher? Nicht!

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